In Hohen Wieschendorf hat die Erdbeersaison begonnen. Nach mehreren Frostnächten Ende April startet der bekannte Erdbeerhof Glantz nun mit der Frühsorte Flair in den Verkauf. Enno Glantz, der den Hof seit Jahrzehnten führt, setzt dabei auf Qualität statt Quantität: „Unsere Erdbeeren müssen am besten schmecken, sonst haben wir keine Chance“, betont er.
Frostnächte als Herausforderung
Die kalten Nächte Ende April waren für den Erdbeeranbau in Nordwestmecklenburg eine große Gefahr. „Bei Bodenfrost von minus ein bis zwei Grad erfrieren die frühen Sorten, und der Ertrag ist weg“, erklärt Glantz. Um die Pflanzen zu schützen, wurden alle Frühsorten abgedeckt. Die sommerlichen Temperaturen am ersten Maiwochenende kamen daher genau richtig.
Anbau auf 30 Hektar
Insgesamt stehen in Hohen Wieschendorf 30 Hektar für den Frühanbau zur Verfügung. Neben der Sorte Flair kommen später Magnum sowie einige Versuchssorten hinzu. Glantz legt größten Wert auf den Geschmack: „Natürlich ist der Ertrag wichtig für die Kosten, aber unsere Erdbeeren müssen besser schmecken als die im Supermarkt – sonst haben wir keine Chance.“
Dammanbau mit Graskultur
Seit rund zehn Jahren setzt Glantz auf den aufwendigen Dammanbau. Dabei werden Erddämme angelegt, mit Folie verkleidet und mit Tröpfchenbewässerung versehen. Die Erdbeersetzlinge werden per Hand gepflanzt. Diese Methode bietet mehrere Vorteile: Während der gesamten Ernteperiode wächst kein Unkraut, der Boden bleibt locker, und bei starkem Regen verschlammt er nicht.
Statt Stroh verwendet Glantz eine Graskultur zwischen den Dämmen. „Wir drillen ein bestimmtes Gras, die einjährige Rispe. Das verhindert, dass der Boden zu dicht wird“, erklärt er. So liegen die Erdbeeren trocken und können optimal reifen.
Temperaturmanagement und Bestäubung
In den Tunneln, in denen die Erdbeeren wachsen, wird die Temperatur genau überwacht. „Es dürfen nicht mehr als 25 Grad herrschen, sonst haben die Pflanzen Stress“, sagt Glantz. Deshalb wird regelmäßig gelüftet. Für die Bestäubung sorgen Hummeln: In jedem Tunnel wurde eine Hummel-Familie ausgesetzt, die für reichlich Nachschub an den roten Früchten sorgt.
Erdbeeranbau in Deutschland: Rückgang der Fläche
Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) ist die Erdbeer-Anbaufläche in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. 2025 wurden auf 12.721 Hektar Erdbeeren angebaut – ein Rückgang von fast 23 Prozent seit 2021. Der Freilandanbau nimmt ab, während der geschützte Anbau zwar zunimmt, die Verluste aber nicht ausgleicht.
Die wichtigsten Anbauländer sind Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, auf die knapp 58 Prozent der Fläche entfallen. In Mecklenburg-Vorpommern betrug die Anbaufläche 2025 rund 700 Hektar. Der Pro-Kopf-Verzehr lag bei 3,3 Kilogramm, die heimische Ernte deckt etwa 39 Prozent des Bedarfs. Der Rest wird aus Spanien, Griechenland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Ägypten und Marokko importiert.



