Geflügelpest in Thüringen: 10.500 Puten müssen nach H5N1-Ausbruch gekeult werden
Thüringen war von der seit Herbst grassierenden Geflügelpestwelle bislang relativ verschont geblieben. Nun hat das Virus jedoch einen größeren Agrarbetrieb im Kyffhäuserkreis mit voller Wucht getroffen – mit gravierenden Folgen für den Tierbestand. In einer Putenmast mit insgesamt 10.500 Tieren wurde das gefährliche Geflügelpestvirus H5N1 nachgewiesen, was die sofortige Keulung des gesamten Bestandes erforderlich macht.
Amtliche Tötung unter Aufsicht läuft an
Nach der Bestätigung des Ausbruchs durch das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut haben die Behörden mit der Tötung aller Puten begonnen. Sprecherinnen des Thüringer Gesundheitsministeriums und des Landratsamtes betonten, dass die Keulung unter strenger amtlicher Aufsicht erfolgen müsse. Die Untersuchungsergebnisse des Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz wurden am Mittwoch vom Referenzlabor verifiziert, wodurch der Verdacht sich erhärtete.
Dieser Ausbruch im Kyffhäuserkreis stellt den bislang größten Vorfall in Thüringen während der anhaltenden Geflügelpestwelle dar, wie das Ministerium mitteilte. Wie das Virus in den Betrieb gelangte, bleibt nach aktuellen Behördenangaben weiterhin unklar. In den letzten Tagen waren im betroffenen Agrarbetrieb bereits erhöhte Tierverluste registriert worden, was erste Alarmzeichen setzte.
Sperr- und Schutzzonen werden umgehend eingerichtet
Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kyffhäuserkreises hat umgehend eine Betriebssperre für die Putenmast verhängt. Zudem werden folgende Zonen eingerichtet:
- Eine Schutzzone mit einem Radius von mindestens drei Kilometern um den Betrieb
- Eine Überwachungszone mit einem Radius von mindestens zehn Kilometern
Der Radius erstreckt sich dabei bis in den angrenzenden Landkreis Sömmerda hinein. Eine entsprechende Allgemeinverfügung des Landratsamtes wird in Kürze erwartet, um die Maßnahmen rechtlich zu verankern und die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Hintergrund: Geflügelpest in Thüringen seit Herbst aktiv
Bereits im vergangenen Herbst hatte die Geflügelpest in Thüringen gewütet, insbesondere unter Kranichen am Stausee Kelbra, wo Hunderte Tiere verendeten. Mehrere Geflügelbetriebe waren damals betroffen, und in weiten Teilen des Freistaats galt zeitweise eine strikte Stallpflicht für Geflügel. Der letzte Nachweis des H5N1-Virus in einem Geflügelbestand erfolgte Ende Oktober 2025 im Landkreis Nordhausen.
Trotz einer zeitweiligen Entspannung der Lage müssen Geflügelhalter weiterhin höchste Wachsamkeit walten lassen, wie der neue Fall im Kyffhäuserkreis eindrücklich demonstriert. Das Ministerium warnte, dass sich das Virus nach wie vor in der Umwelt befinde und verwies auf mehrere aktuelle Infektionen bei Wildvögeln in Thüringen.
Aktuelle Situation: Wildvögel weiterhin betroffen
Seit Beginn des Jahres wurde das H5N1-Virus bei 21 Wildvögeln in verschiedenen Regionen Thüringens nachgewiesen, darunter in den Landkreisen:
- Altenburger Land
- Gotha
- Sömmerda
- Saale-Orla-Kreis
- Unstrut-Hainich-Kreis
Zudem gab es Nachweise in den Städten Gera und Erfurt. Das Ministerium rief die Bevölkerung dringend dazu auf, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln, Greifvögeln oder Kranichen umgehend dem zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt zu melden. Diese Behörden organisieren dann das Einsammeln der Kadaver und die Entnahme von Proben zur weiteren Untersuchung.
Abschließend erinnerte das Ministerium alle Geflügelhalter nachdrücklich daran, ihre Tiere beim zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt anzumelden, um im Fall eines Ausbruchs schnell reagieren zu können und die Verbreitung der Tierseuche effektiv zu bekämpfen.



