Schäferei Klinkert: Wo Tradition auf moderne Herausforderungen trifft
Im Herzen des Burgenlandkreises, zwischen den Orten Lobas und Golben, hält die Schäferei Klinkert eine jahrhundertealte Tradition am Leben. Mit 600 Schafen, einer Sieben-Tage-Woche und einem Beruf, der kaum Pausen kennt, steht die Familie für einen Lebensstil, der zunehmend zur Seltenheit wird. Die Frage, die sich dabei aufdrängt, ist ebenso einfach wie existenziell: Wer hilft, wenn Schäfer Jens Klinkert verletzt ist?
Der Alltag zwischen Tradition und Realität
Mit dem Frühling beginnt für die Schäferei Klinkert die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Wenn der Morgen über den Wiesen bei Golben langsam heller wird und die Schafe wie kleine Farbtupfer im Gras stehen, startet für Jens Klinkert ein neuer Arbeitstag. Die Schafe müssen versorgt, die Weiden kontrolliert und die Tiere auf die saftigen Frühjahrsweiden gebracht werden. Ein Rhythmus, der kaum Unterbrechung duldet und den Schäferberuf zu einer der anspruchsvollsten Tätigkeiten in der Landwirtschaft macht.
Die Herausforderungen sind vielfältig:
- Die Betreuung von 600 Schafen erfordert täglichen Einsatz
- Eine Sieben-Tage-Woche ist Standard, nicht die Ausnahme
- Verletzungen oder Krankheiten des Schäfers stellen das gesamte Betriebsgefüge in Frage
- Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden zunehmend schwieriger
Die nächste Generation bereitet sich vor
Während Jens Klinkert den Betrieb führt, bereitet sich bereits die nächste Generation auf die Übernahme vor. Seine Tochter Marie Klinkert übt mit den beiden Kaukasischen Schäferhunden Trick und Track für die Zukunft. In zehn Jahren soll sie die Schäferei von ihrem Vater übernehmen und damit die Tradition in der Region fortsetzen.
Diese Vorbereitung ist essentiell, denn der Schäferberuf erfordert nicht nur handwerkliches Können, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Tiere, die Landschaft und die ökologischen Zusammenhänge. Die Ausbildung der Hunde ist dabei nur ein Teil der umfassenden Vorbereitung, die Marie durchläuft, um später den Betrieb erfolgreich führen zu können.
Eine Tradition mit Zukunft?
Die Schäferei Klinkert steht exemplarisch für viele traditionelle landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Sie bewahrt nicht nur eine handwerkliche Tradition, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege und zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Region. Die Schafe halten die Wiesen offen, verhindern die Verbuschung und schaffen Lebensräume für zahlreiche Pflanzen und Tiere.
Doch die Zukunft solcher Betriebe ist nicht selbstverständlich. Neben den alltäglichen Herausforderungen des Schäferberufs kommen wirtschaftliche Druckfaktoren, veränderte Verbrauchergewohnheiten und der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft hinzu. Die Frage der Nachfolge, die bei der Schäferei Klinkert mit Marie bereits geklärt scheint, stellt für viele Betriebe ein existenzielles Problem dar.
Die Schäferei Klinkert zeigt jedoch, dass Tradition und Moderne durchaus vereinbar sein können. Mit Weitsicht, harter Arbeit und der Bereitschaft, die nächste Generation frühzeitig einzubinden, gelingt es, ein Stück regionaler Identität zu bewahren und für die Zukunft zu sichern.



