Spargelpreise steigen dramatisch: Krieg und Mindestlohn belasten Ernte 2026
Mit den ersten warmen Frühlingstagen beginnt in Deutschland die Spargelsaison. Während die Sonne und Temperaturen bis zu 15 Grad für Frühlingsgefühle sorgen, müssen Verbraucher in diesem Jahr deutlich tiefer in die Tasche greifen. Der Verband der Spargel- und Beerenverbände warnt vor einer erheblichen Preisexplosion zu Erntebeginn.
Mindestlohn als Hauptkostentreiber
Einzelne Betriebe in Rheinland-Pfalz haben bereits mit der Ernte begonnen, während im kühleren Norden noch gewartet wird. Der Hauptgrund für die steigenden Preise ist laut Branchenvertretern der gestiegene Mindestlohn. Seit Jahresbeginn liegt er bei 13,90 Euro pro Stunde und soll zum 1. Januar 2027 sogar auf 14,60 Euro ansteigen.
Ein Sprecher des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände erklärt das Problem: „Wir holen Saisonarbeiter nach Deutschland, die in die Sozialversicherung einzahlen. Doch weil sie nur ein, zwei Jahre bleiben, bekommen sie nichts davon zurück. Die Beiträge sind für sie verloren. Zugleich steigen die Kosten für unsere Betriebe wegen des höheren Mindestlohnes enorm.“
Kriegsfolgen und Energiekosten verschärfen Situation
Neben dem Mindestlohn belastet auch der Krieg im Iran die Spargelbauern erheblich. Die Kosten für Diesel, der für Traktoren und Transport-Lkws benötigt wird, sind dadurch deutlich gestiegen. Zudem ist der Strom für Kühlung und Betrieb der Sortieranlagen in Deutschland seit der Energiewende ohnehin teuer.
Laut Verband ist die Branche wegen „viel zu stark“ gestiegener Energiekosten kaum noch konkurrenzfähig gegenüber Anbauländern wie Spanien, Griechenland oder Polen. Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte bereits Alarm geschlagen und fordert, dass der Mindestlohn für Saisonarbeiter 20 Prozent niedriger sein sollte.
Minister diskutieren mögliche Ausnahmen
Erste Politiker reagieren auf die prekäre Situation. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus zeigt sich offen für Ausnahmen: Für 90 Tage im Jahr könnte beim Spargel- oder Erdbeeranbau ein niedrigerer Mindestlohn gelten. Auch aus unionsgeführten Ländern kommt Zustimmung, etwa von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk.
Allerdings konnten sich die Länder und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bei der Frühjahrs-Agrarministerkonferenz Ende vergangener Woche nicht einigen. Bislang bleibt daher unklar, wie viel die Verbraucher am Ende mehr bezahlen müssen.
Marktpreisbildung und Wetteraussichten
Die Haupternte findet zwischen April und Juni statt, in dieser Zeit bildet sich auch der endgültige Marktpreis heraus. Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer für preisbewusste Konsumenten: Das Wetter scheint bis jetzt mitzuspielen.
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau teilte mit: „Es gab genug Regen und genug Wärme und Sonne.“ Diese günstigen Witterungsbedingungen könnten dazu beitragen, dass die Ernteerträge stabil bleiben, auch wenn die Preise aufgrund der gestiegenen Produktionskosten deutlich höher ausfallen werden als in den Vorjahren.



