DB Cargo streicht bundesweit fast die Hälfte aller Stellen – Sachsen-Anhalt besonders betroffen
DB Cargo streicht fast die Hälfte aller Stellen – Sachsen-Anhalt betroffen

Massiver Stellenabbau bei DB Cargo: Fast die Hälfte aller Jobs in Deutschland soll wegfallen

Der neue Vorstandsvorsitzende der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, hat einen radikalen Umbau des Unternehmens angekündigt. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen in Deutschland sollen insgesamt 6.200 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dieser drastische Schritt betrifft nahezu alle Unternehmensbereiche, darunter Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und IT.

Sachsen-Anhalt erneut im Fokus des Stellenabbaus

Für das Bundesland Sachsen-Anhalt werden die angekündigten Kürzungen erhebliche Konsequenzen haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte DB Cargo am großen Rangierbahnhof in Halle 400 Stellen gestrichen. Ende Dezember 2024 arbeiteten dort noch etwa 1.200 Mitarbeiter für die Gütersparte des Konzerns.

Ronald Kampe, stellvertretender Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokführer in Mitteldeutschland, äußerte die Befürchtung, dass der Osten Deutschlands überproportional von dem geplanten Stellenabbau betroffen sein könnte. „Wir vermuten, dass die Region stärker getroffen wird, da hier weniger Strecken des Güterverkehrs verlaufen“, so Kampe. Ein offizielles Statement der Deutschen Bahn zu den konkreten Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt liegt bisher noch nicht vor.

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Umstrukturierungsplan mit vier Säulen soll Verluste stoppen

Der massive Stellenabbau ist Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts, mit dem Osburg das defizitäre Unternehmen wieder profitabel machen will. DB Cargo verzeichnete im vergangenen Jahr noch ein operatives Minus im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Aufgrund eines laufenden EU-Beihilfeverfahrens muss das Unternehmen noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben, andernfalls droht die Insolvenz.

Der Sanierungsplan basiert auf vier strategischen Säulen:

  1. Europäische Ausrichtung: Da die Nachfrage im deutschen Güterverkehr bei Hauptkunden aus Automobilindustrie, Chemie und Stahl schwächer wird, will Osburg den Fokus verstärkt auf das europäische Ausland legen und DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker ausbauen.
  2. Kosteneinsparungen: Bis 2030 sollen rund eine Milliarde Euro eingespart werden durch den Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen, eine schlankere Verwaltung und Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.
  3. Neuausrichtung des Einzelwagenverkehrs: Weitere 2.000 Stellen fallen in diesem Bereich weg. Die Zugbildung soll künftig an vier Hauptstandorten konzentriert werden, während fünf weitere Rangieranlagen – darunter möglicherweise Halle – als nachgelagerte Standorte mit flexiblerer Auslastung betrieben werden.
  4. Unternehmenskultur: Osburg will mehr Verantwortungsgefühl bei den Entscheidern vor Ort etablieren und verbindliche Umsetzungspläne für das neue Konzept einführen.

Gewerkschaften kündigen Widerstand an

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) begrüßt zwar grundsätzlich die europäische Ausrichtung des Sanierungskonzepts, lehnt jedoch den massiven Stellenabbau entschieden ab. EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay betonte: „Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen. Über den Weg dahin sind wir uns aber nicht mit dem neuen Vorstand einig.“ Die Gewerkschaft kündigte an, um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen zu wollen.

Bis zum Sommer sollen weitere Details des Umstrukturierungskonzepts geklärt werden. Die gutachterliche Bestätigung des Plans wird für Ende Februar erwartet. Bereits in dieser Woche wurden sowohl die Beschäftigten als auch der Aufsichtsrat von DB Cargo über die drastischen Maßnahmen informiert.

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