Radikaler Sanierungskurs bei DB Cargo: Fast 50 Prozent der Stellen sollen wegfallen
Bei der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo steht ein tiefgreifender Umbruch bevor. Der neue Vorstandschef Bernhard Osburg hat einen radikalen Sanierungskurs angekündigt, der den Abbau von fast der Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland vorsieht. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen sollen insgesamt 6.200 wegfallen. Dieser drastische Schritt betrifft nahezu alle Unternehmensbereiche, darunter Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und IT.
Zeitdruck durch EU-Auflagen und defizitäre Geschäfte
Osburg steht unter erheblichem Zeitdruck. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben, andernfalls droht dem Unternehmen das Aus. Das operative Minus belief sich im vergangenen Jahr laut Osburg noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Der neue Chef folgt auf Sigrid Nikutta, deren Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war und die daraufhin gehen musste. Osburg wartet nun auf die Bestätigung von Experten für seine bis 2030 ausgelegte Strategie.
Strategische Neuausrichtung: Fokus auf Europa und massive Einsparungen
Grund für den radikalen Kurs ist die stark rückläufige Nachfrage im Güterverkehr bei deutschen Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl. Osburg will daher den Fokus verstärkt auf das europäische Ausland legen. „Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, betonte er.
Die zweite Säule des Sanierungsplans umfasst Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Dazu gehören:
- Der Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen
- Eine schlankere Verwaltung
- Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark
- Die Schließung oder der Verkauf von zwölf der derzeit 27 Instandhaltungswerke
Umstrukturierung im Einzelwagenverkehr
Weitere 2.000 Stellen fallen im sogenannten Einzelwagenverkehr weg, der zwar beibehalten, aber grundlegend neu aufgestellt werden soll. Bei dieser Verkehrsart werden einzelne Wagen bei Industriekunden abgeholt und auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt. Osburg will die Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg – konzentrieren. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte mit flexiblerer Auslastung betrieben werden.
Der Bereich Einzelwagenverkehr bleibt auch in der neuen Struktur defizitär, sodass die Bahn weiterhin auf Förderungen des Bundes angewiesen ist. Die Umstrukturierung soll bis 2027 abgeschlossen sein.
Gewerkschaftliche Reaktionen und weitere Schritte
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mit der vorherigen Führung um Nikutta heftige Auseinandersetzungen geführt hatte, befürwortet grundsätzlich Osburgs Ausrichtung auf den europäischen Markt. „Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen“, erklärte EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay. Allerdings gibt es Differenzen über den Weg dahin. „Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau startet, erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird“, so Ingenschay. Die Gewerkschaft kündigte an, um jeden Arbeitsplatz kämpfen zu wollen.
Bis zum Sommer sollen weitere Details des Sanierungsplans geklärt und die Maßnahmen schrittweise umgesetzt werden. In dieser Woche wurden bereits die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo über die Pläne informiert.



