Persischer Golf blockiert: Kriegsfolgen treffen Schifffahrt und Welthandel hart
Die strategisch entscheidende Straße von Hormus, die südlich des Irans in den Persischen Golf führt, hat sich durch den anhaltenden Konflikt in eine maritime Sackgasse verwandelt. Aufgrund der Kriegshandlungen und drohender iranischer Angriffe ist diese lebenswichtige Wasserstraße für den kommerziellen Schiffsverkehr praktisch unpassierbar geworden. Hunderte von Tankern, Containerschiffen und Frachtern liegen entweder in Häfen benachbarter Golfstaaten oder auf Reede im Persischen Golf fest. Diese Blockade hat tiefgreifende Konsequenzen für Reedereien weltweit und bedroht die Stabilität globaler Lieferketten.
Menschliches Leid und gefährliche Bedingungen für Besatzungen
Nach aktuellen Angaben der International Maritime Organisation (IMO) sind rund 20.000 Seeleute, Kreuzfahrtpassagiere, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen von der Krise in der Region betroffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) schätzt, dass mindestens 1.000 Seeleute und über 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug direkt involviert sind – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Neuere Zählungen der Deutschen Marine gehen sogar von mehr als 50 betroffenen Schiffen aus.
Die Situation an Bord ist äußerst prekär. Bisher wurden laut IMO-Daten bereits 16 Handelsschiffe angegriffen, wobei es Tote und Verletzte gab. Ein Containerschiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd wurde westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des VDR, beschreibt die Lage als dramatisch: „Wir sind zivile Handelsschiffe, wir können uns nicht wehren. Wir werden mit Drohnen und Raketen beschossen – das ist eine Katastrophe.“
Gleichzeitig müssen die Besatzungen unter diesen gefährlichen Bedingungen den Schiffsbetrieb aufrechterhalten, da Handelsschiffe nicht einfach abgestellt werden können. Selbst auf Reede müssen Maschinen weiterlaufen, was die ohnehin angespannte Situation zusätzlich belastet.
Explodierende Kosten für Versicherungen und Treibstoff
Die wirtschaftlichen Folgen für die Reedereien sind bereits jetzt spürbar, auch wenn der Gesamtschaden noch nicht exakt beziffert werden kann. Durch die gestiegenen Ölpreise verteuert sich der Schiffsdiesel erheblich. Noch gravierender sind die Auswirkungen auf die Versicherungsbranche.
Das Joint War Committee in London hat Teile der Golfregion in die höchste Risikokategorie eingestuft. In der Folge kündigen mehrere Schiffsversicherer bestehende Policen und verlangen deutlich höhere Prämien für Kriegsrisikoversicherungen. Diese decken Schäden durch Raketenangriffe oder Minen ab, sind aber extrem kostspielig geworden. Der VDR-Sprecher erklärt: „In ähnlichen Krisen haben Versicherer Prämien von 0,5 Prozent bis zu 10 Prozent des Schiffswertes verlangt – oft nur für wenige Tage Versicherungsschutz.“ Bei großen Handelsschiffen können so schnell Millionensummen zusammenkommen.
Auswirkungen auf globale Lieferketten und Verbraucherpreise
Die Blockade der Straße von Hormus hat bereits direkte Auswirkungen auf den Welthandel. Weil viele Schiffe im Golf festsitzen, steht weniger Frachtkapazität zur Verfügung. Besonders betroffen sind Tanker: Die Charterraten sind von etwa 200.000 US-Dollar pro Tag vor der Eskalation auf bis zu 700.000 US-Dollar gestiegen.
Reedereien wie Hapag-Lloyd und Maersk haben bereits Sicherheits- und Treibstoffaufschläge angekündigt. Diese zusätzlichen Kosten werden entlang der Lieferkette weitergegeben und könnten sich schließlich in leicht erhöhten Verbraucherpreisen niederschlagen. Allerdings relativiert der VDR-Sprecher: „Für einen Container mit 40.000 T-Shirts und 1.000 Dollar Mehrkosten sind das nur wenige Cent pro Stück – keine großen Mehrkosten.“
Ungewisse Perspektiven und logistische Herausforderungen
Wie lange die Schiffe in dieser gefährlichen Lage ausharren können, ist ungewiss. Die meisten Schiffe haben Proviant, Trinkwasser und Verbrauchsgüter für mehrere Wochen gebunkert. Doch bei verlängerten Wartezeiten oder geänderten Routen muss früher oder später Nachschub organisiert werden – über Häfen, Versorger oder andere logistische Lösungen.
Reedereien stehen mehrmals täglich mit ihren Kapitänen und Crews in Kontakt, um Lageeinschätzungen auszutauschen. Die Sicherheit der Besatzungen hat oberste Priorität, ebenso wie die Möglichkeit für die Seeleute, Kontakt zu ihren Familien zu halten. Militärischer Schutz wäre für eine sicherere Passage notwendig, da sich Handelsschiffe nicht selbst verteidigen können.
Die Blockade der Straße von Hormus zeigt einmal mehr, wie verwundbar globale Handelsrouten durch regionale Konflikte sind. Solange der Iran-Krieg andauert, bleibt die Situation für Reedereien, Seeleute und den Welthandel äußerst kritisch.



