Speditionskrise: Explodierende Spritpreise zwingen Tausende Unternehmen zur Aufgabe
Speditionskrise: Spritpreise zwingen Tausende zur Aufgabe

Speditionsbranche in der Existenzkrise: Spritpreise als Haupttreiber für Insolvenzen

Die deutsche Speditions- und Logistikbranche befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Explodierende Spritpreise, drastisch erhöhte Mautgebühren und eine verfehlte Klimapolitik setzen Unternehmen unter enormen Druck. Der Laupheimer Spediteur Markus Barth, dessen Fuhrpark 60 Lastkraftwagen umfasst, berichtet von wöchentlichen Mehrkosten in Höhe von 25.000 Euro allein durch die gestiegenen Kraftstoffpreise.

Staatliche Steuerlast als Wettbewerbsnachteil

Markus Barth macht die hohe Steuerbelastung von 58 Prozent auf Kraftstoffe für die prekäre Situation verantwortlich. „Der Staat verdient bei jeder Kraftstofferhöhung kräftig mit – auf Kosten unserer Wettbewerbsfähigkeit und einer steigenden Inflation, die der Endverbraucher kaum mehr stemmen kann“, kritisiert der Unternehmer. Während andere europäische Länder wie Italien, Ungarn oder Slowenien mit Steueraussetzungen und Preisdeckelungen reagiert hätten, bleibe die Bundesregierung untätig.

Mauterhöhung verschärft die Krise zusätzlich

Seit der um 83 Prozent erhöhten Mautgebühr für Lkw im Dezember 2023 haben sich die Kosten für Speditionen weiter verschärft. Barths Unternehmen musste die monatlichen Mautkosten von durchschnittlich 1.000 Euro auf nun 1.800 Euro erhöhen. Trotz Weiterberechnung an Auftraggeber bleiben die Spediteure auf den Kosten für Leerkilometer sitzen, die im Fernverkehr etwa 20 Prozent der Wegstrecke ausmachen.

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Insolvenzwelle erfasst die Logistikbranche

Die Folgen sind dramatisch: Bereits im vergangenen Jahr mussten 2.907 Unternehmen aus Transport und Logistik aufgeben, mehr als 12.000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Aktuell verzeichnet die Logistikbranche mit 98 Insolvenzen auf 10.000 Unternehmen die höchste Pleitequote aller Wirtschaftszweige – deutlich vor dem Baugewerbe mit 79 Fällen.

Elektromobilität im Fernverkehr noch nicht praxistauglich

Die EU-Pläne, bis 2035 90 Prozent aller Lkw auf Strom oder Wasserstoff umzustellen, hält Barth für unrealistisch. „Es gibt nahezu keinen E-Lkw, der sich im internationalen Fernverkehr befindet“, erklärt der Spediteur. Die geringe Reichweite von maximal 600 Kilometern im Vergleich zu 3.500 Kilometern bei Diesel-Lkw und die unzureichende Ladeinfrastruktur verhinderten den breiten Einsatz.

Alternative Kraftstoffe finden kaum Abnehmer

Seit Mai 2024 ist der umweltfreundliche Kraftstoff HVO 100 zwar frei verkäuflich, wird jedoch aufgrund seines um 10 bis 12 Cent höheren Literpreises im Vergleich zu Diesel nur schleppend angenommen. Die meisten Kunden seien nicht bereit, den Mehrpreis zu zahlen.

Dringende Forderungen an die Politik

Markus Barth fordert von der Bundesregierung drei konkrete Maßnahmen:

  1. Die sofortige Aussetzung der CO₂-Steuer von 21 Cent pro Liter
  2. Eine Reduzierung der Energiesteuer um mindestens 20 Prozent
  3. Eine grundlegende Überarbeitung der Klimapolitik

„Eine verfehlte Klimapolitik führt jetzt und langfristig zu einer Abwanderungswelle der Industrie und zum Verlust von Arbeitsplätzen“, warnt Barth. Die aktuelle Entwicklung bestätige diese Befürchtung bereits auf tragische Weise.

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