Staat verdient kräftig an Spritpreisen: Regierung will Tankstellen regulieren
Staat verdient kräftig an Spritpreisen

Staat verdient kräftig an Spritpreisen: Regierung will Tankstellen regulieren

Die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland sind in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen, was zu erheblicher Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt hat. Der deutsche Staat beobachtete diese Entwicklung im Kontext des Iran-Konflikts zunächst abwartend, doch nun greift die schwarz-rote Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD aktiv ein. Ein zentraler Punkt des geplanten Maßnahmenpakets ist die Einführung einer täglichen Preiserhöhungsbegrenzung für Tankstellen, die nur noch einmal pro Tag ihre Spritpreise anheben dürfen sollen.

Regierungsmaßnahmen gegen ausufernde Spritpreise

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) stellte am Mittwoch, dem 11. März, in Berlin konkrete Pläne vor, um auf die steigenden Spritpreise zu reagieren. Das aus Österreich bekannte Modell der täglichen Preiserhöhungsbegrenzung soll so schnell wie möglich in Deutschland eingeführt werden. Dies ist Teil der Strategie der Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), um die Preisdynamik an den Zapfsäulen zu bremsen.

Darüber hinaus kündigte Reiche strengere Kontrollen der Mineralölkonzerne an. Hintergrund sind wachsende Bedenken, ob es im Umfeld des Iran-Kriegs möglicherweise zu Preisabsprachen gekommen ist. Bayerischer Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuletzt entsprechende Zweifel geäußert. Reiche betonte, dass das „scharfe Schwert des Kartellarms“ künftig intensiver eingesetzt werden soll, um wettbewerbswidrige Praktiken zu unterbinden.

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Hohe Steuern und Abgaben als Preistreiber

Während die Bundesregierung Maßnahmen gegen die Preispolitik der Tankstellen ergreift, zeigt eine detaillierte Analyse, dass der Staat selbst erheblich an den hohen Spritpreisen verdient. Laut dem ADAC beträgt der Steuer- und Abgabenanteil bei den aktuellen Spritpreisen im Durchschnitt etwa 58 Prozent für Benzin und 48 Prozent für Diesel. Diese Werte beziehen sich auf die Situation nach dem Ölpreisanstieg Anfang März 2026.

Die Energiesteuer, die in Deutschland erhoben wird, macht einen wesentlichen Teil dieser Belastung aus. Im Jahr 2025 lag sie bei mehr als 65 Cent pro Liter Sprit, wie der NDR berichtete. Konkret beträgt der Energiesteuersatz laut ADAC 65,4 Cent je Liter für Benzin und 47,0 Cent je Liter für Diesel. Diese Steuer wird von den Tankstellenbetreibern direkt auf die Verbraucher umgelegt und trägt maßgeblich zu den hohen Preisen bei.

CO₂-Abgabe als zusätzlicher Kostenfaktor

Ein weiterer signifikanter Preistreiber ist die nationale CO₂-Abgabe, die in Deutschland im Jahr 2026 zwischen 55 und 65 Euro je Tonne Kohlendioxid liegt. Diese Abgabe führt zu einem Preisanstieg von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel. Die Zahlen stammen aus der Zeit vor dem Iran-Krieg und unterstreichen die langfristige Belastung durch umweltpolitische Maßnahmen.

Im europäischen Vergleich ist die CO₂-Abgabe in Deutschland relativ hoch, wobei nur Schweden mit 119 Euro je Tonne Kohlendioxid darüber liegt. Diese Abgabe, oft auch als CO₂-Steuer bezeichnet, erhöht die Kosten für Kraftstoffe zusätzlich zur Energiesteuer und trägt damit zur insgesamt hohen Steuerlast bei.

Mehrwertsteuer vervollständigt die staatliche Einnahmen

Neben der Energiesteuer und der CO₂-Abgabe fällt auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Spritkäufe an. Diese wird ebenfalls von den Tankstellenbetreibern auf die Kunden umgelegt und fließt in die staatlichen Kassen. In der Summe bedeutet dies, dass von jedem Euro Spritpreis beim Benzin etwa 58 Cent und beim Diesel etwa 48 Cent an den Staat gehen.

Diese hohe steuerliche Belastung erklärt teilweise die Preisunterschiede innerhalb der Europäischen Union. Während Sprit in Deutschland zu den teuersten in der EU gehört – nur in den Niederlanden ist er noch kostspieliger –, sind Benzin und Diesel in Ländern wie Polen und Tschechien deutlich günstiger verfügbar. Laut dem „heute journal“ des ZDF stiegen die Spritpreise in Deutschland zuletzt durchschnittlich doppelt so stark wie im restlichen EU-Raum.

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Warnungen und Reaktionen aus der Branche

Bereits vor der aktuellen Regierungsintervention hatte Herbert Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbandes, in der „Bild“-Zeitung vor Preisen von bis zu 2,50 Euro pro Liter gewarnt. Diese Warnung erfolgte, nachdem die Zwei-Euro-Schwelle beim E10-Benzin bereits am Donnerstag, dem 5. März, überschritten worden war. Die schnelle Preisentwicklung unterstreicht die Dringlichkeit der politischen Maßnahmen.

Die Bundesregierung steht somit vor der Herausforderung, einerseits die Verbraucher vor übermäßigen Preiserhöhungen zu schützen und andererseits die eigenen steuerlichen Einnahmen aus dem Spritverkauf zu berücksichtigen. Die geplanten Regulierungen für Tankstellen und die verschärfte Kartellaufsicht sollen dazu beitragen, Transparenz und Fairness im Markt zu gewährleisten, während die hohen Steuern und Abgaben weiterhin einen erheblichen Teil der Spritkosten ausmachen.