Vodafone testet innovative Echoortung im Mobilfunknetz
Was zunächst wie eine abstruse Idee klingt, könnte in wenigen Jahren zur technologischen Realität werden: Ein Handynetz, das als Radarsystem fungiert und Menschen sowie Objekte präzise erkennt. Der Telekommunikationsanbieter Vodafone hat auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) in Barcelona vielversprechende Tests einer solchen Technologie vorgestellt.
Fledermaus-Prinzip im Mobilfunknetz
Gemeinsam mit dem amerikanischen Netztechnik-Unternehmen Tiami hat Vodafone erfolgreich Tests der sogenannten „Integrated Sensing and Communication“ (ISAC)-Technologie durchgeführt. Diese funktioniert nach dem Prinzip der Echoortung, wie sie Fledermäuse zur Navigation nutzen. Mobilfunkantennen senden dabei Signale aus, die von Menschen oder Gegenständen reflektiert und anschließend analysiert werden.
„Das heutige Mobilfunknetz wird in einen hochpräzisen smarten Sensor verwandelt“, erklärt Vodafone. Die potenziellen Anwendungsgebiete sind vielfältig:
- Roboter in Krankenhäusern könnten Hindernisse erkennen, während sie Krankenbetten schieben
- Leit- und Warnsysteme für Menschenmassen nach Fußballspielen oder Großveranstaltungen
- Datenschutzfreundliche Besucherstromanalyse in Einkaufszentren ohne Kameras
- Detektion von Eindringlingen oder Drohnen an Flughäfen und Industrieanlagen
Breites Anwendungsspektrum
Michael Reinartz, Innovationschef von Vodafone Deutschland, betont das enorme Potenzial: „Smartphones könnten Nutzer vor überfüllten Räumlichkeiten warnen oder versteckte Wasserlecks in Gebäuden erkennen. Auch in der Landwirtschaft, Robotik, Lebensmittelkontrolle oder bei Anwendungen der erweiterten Realität ergeben sich neue Einsatzfelder – bis hin zur Ortung verlegter Hausschlüssel.“
Die Technologie könnte zahlreiche Bereiche revolutionieren:
- Sicherheit: Früherkennung von Gefahrensituationen in Menschenmengen
- Industrie: Effizientere Prozesse in Fertigung und Logistik
- Gesundheitswesen: Unterstützung von Pflegerobotern und medizinischer Ausrüstung
- Smart Cities: Intelligente Steuerung von Verkehrs- und Besucherströmen
Wegbereiter für den 6G-Standard
Vodafone ist nicht der einzige Netzbetreiber, der an dieser Technologie forscht. Die gesamte Mobilfunkbranche arbeitet daran, die Echoortungsfunktion perspektivisch in zukünftige Netzstandards zu integrieren. Besonders im Fokus steht dabei der kommende 6G-Mobilfunkstandard, dessen Marktstart für das Jahr 2030 erwartet wird.
Die aktuellen Tests im 5G-Netz von Vodafone zeigen zwar, dass die Technologie bereits im jetzigen Netzstandard funktionieren könnte. Eine kommerzielle Nutzung in 5G wird es jedoch voraussichtlich nicht geben, da noch weitere Tests erforderlich sind und die Integration in den Standard zeitaufwendig wäre. Die Branche konzentriert sich daher auf 6G, das neben einer noch besseren Latenz und Bandbreite als 5G auch die Fledermaus-Fähigkeiten der Echoortung mitbringen soll.
Die erfolgreichen Tests markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung smarter Mobilfunknetze, die künftig nicht nur Kommunikation ermöglichen, sondern auch als sensibles Wahrnehmungssystem fungieren könnten.



