China setzt auf Tourismus als Wirtschaftsmotor trotz anhaltender Herausforderungen
Die Volksrepublik China sucht intensiv nach neuen Wegen, um das wirtschaftliche Wachstum langfristig abzusichern. Besondere Hoffnungen werden dabei auf die Tourismusbranche gesetzt, die jedoch mit erheblichen strukturellen und alltäglichen Problemen zu kämpfen hat. Während des aktuell tagenden Nationalen Volkskongresses in Peking machte Kultur- und Tourismusminister Sun Yeli deutlich, dass trotz rasanter Entwicklung der Kultur- und Tourismusindustrie in den vergangenen Jahren, zahlreiche alte Schwierigkeiten fortbestehen und parallel neue Herausforderungen entstanden sind.
Minister Sun benennt konkrete Missstände im Reisesektor
Sun Yeli nannte in seiner Ansprache eine Reihe von anhaltenden Problemen, die sowohl einheimische als auch internationale Reisende betreffen. Dazu gehören unter anderem Schwierigkeiten bei der Buchung von Reisen, beim Erwerb von Tickets sowie die mangelnde Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von öffentlichen Toiletten. Der Minister betonte, dass sich die chinesischen Behörden in diesem Jahr gezielt auf die Bekämpfung irreführender Werbung konzentrieren wollen. Zudem sollen illegale Praktiken von Geschäftsleuten unterbunden werden, die Touristen zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen zwingen.
Die Regierung in Peking hat erkannt, dass die Lösung dieser alltäglichen Probleme entscheidend für die Attraktivität des Landes als Reiseziel ist. Sun Yeli erklärte, China wolle sich bewusst auf diese praktischen Herausforderungen fokussieren, um die Qualität des Tourismusangebots spürbar zu verbessern.
Tourismus als Schlüssel zur Stärkung der Binnennachfrage
Hinter den Bemühungen steht die schwache Konsumlage in China. Die Regierung kündigte während des Volkskongresses an, in diesem Jahr „neue Spielräume für das Wachstum der Binnennachfrage“ schaffen zu wollen. Der Tourismus wird dabei als zentrales Instrument gesehen, um die Menschen zum Konsumieren zu bewegen. China hat in den letzten Jahren massiv in den Ausbau von Angeboten investiert, insbesondere im Bereich Wintersport und Winterfreizeit. Zudem wurde die Visapflicht für Dutzende Länder, darunter Deutschland, für touristische und geschäftliche Reisen von bis zu 30 Tagen gestrichen, um den internationalen Tourismus zu erleichtern.
Ein weiterer Schritt war die Verlängerung der Feiertagswoche nach dem Frühlingsfest im Februar um einen Tag, was eine landesweite Hauptreisezeit betrifft. Offiziellen Angaben zufolge betrug die Zahl der Inlandsreisen während dieser Zeit insgesamt 596 Millionen – ein beachtlicher Zuwachs um 95 Millionen gegenüber den 8 Feiertagen im Jahr 2025. Allerdings zeigte sich, dass die Reisenden weniger konsumfreudig waren. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Reise sanken von rund 169 Yuan (etwa 21 Euro) während der Feiertage 2025 auf nur noch etwa 150 Yuan, wie das renommierte Wirtschaftsmagazin „Caixin“ berichtete.
Internationaler Tourismus erreicht fast Vorkrisenniveau
Parallel dazu verzeichnete China einen deutlichen Anstieg bei ausländischen Gästen. Im Jahr 2025 zählte das Land 150 Millionen Touristenankünfte, was einem Wachstum von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Ausgaben dieser internationalen Touristen überstiegen laut Minister Sun 130 Milliarden Yuan, was derzeit etwa 16,2 Milliarden Euro entspricht. Damit hat China in etwa das Niveau von 2019, also von vor der Corona-Pandemie, wieder erreicht. Diese positive Entwicklung im internationalen Segment unterstreicht das Potenzial des Tourismussektors, macht aber gleichzeitig die Dringlichkeit der angekündigten Reformen deutlich, um nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten.
Die chinesische Regierung steht vor der Aufgabe, die infrastrukturellen und regulatorischen Mängel im Tourismus zügig zu beheben, um die wirtschaftlichen Erwartungen an diese Schlüsselbranche erfüllen zu können. Die geplanten Maßnahmen gegen Betrug und für bessere Reisestandards sind ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung.



