Tourismus-Krise in Holland: Deutsche Urlauber bleiben wegen Preisexplosion weg
Für drei Millionen Deutsche waren die Niederlande jahrelang das beliebteste Urlaubsziel. Doch jetzt erlebt die Tourismusbranche einen dramatischen Einbruch. Laut dem Branchenverband Hiswa-Recron sind die Buchungen aus Deutschland um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Betroffen sind nahezu alle Unterkunftstypen: Hotels, Pensionen, Ferienhäuser, Mobilheime, Bungalows, Ferienparks, Hostels sowie Airbnb- und andere Plattformbuchungen.
„Einen solchen Rückgang in so kurzer Zeit haben wir noch nie erlebt“, klagt Verbandschef Geert Dijks. Die Situation sei beispiellos für den niederländischen Tourismussektor.
Mehrwertsteuer-Erhöhung treibt Preise in die Höhe
Die Hauptursache für den Besucherrückgang ist eine massive Preisexplosion. Seit Anfang des Jahres gilt ein höherer Mehrwertsteuersatz von 21 Prozent auf viele Übernachtungen. Zuvor waren es lediglich neun Prozent. Diese Steigerung von zwölf Prozentpunkten wirkt sich unmittelbar auf die Urlaubskosten aus.
Laut Berechnungen des Fachportals parkurlaub.de kostet der einwöchige Aufenthalt in einem durchschnittlichen Ferienhaus jetzt 1210 Euro. Zuvor waren es etwa 1090 Euro. Das bedeutet ein Plus von 120 Euro für denselben Aufenthalt – eine erhebliche Mehrbelastung für Familien und Budgetreisende.
Zusätzliche Belastungen durch Kurtaxe und Spritpreise
Die Mehrwertsteuererhöhung ist nicht die einzige finanzielle Hürde. Viele Gemeinden haben zudem die Kurtaxe erhöht, was die Kosten für Urlauber weiter in die Höhe treibt. Durchschnittlich zahlt ein Tourist in den Niederlanden jetzt 2,79 Euro pro Nacht. In Amsterdam sind es sogar 18 Euro – eine Summe, die insbesondere bei längeren Aufenthalten ins Gewicht fällt.
Dazu kommen gestiegene Spritpreise, die Fahrten in die Niederlande zusätzlich verteuern. Besonders betroffen sind Ferienparks in Grenz- und Küstenregionen wie Zeeland, die traditionell viele deutsche Autourlauber anziehen.
Deutsche Urlauber reagieren mit Ausweichstrategien
Die Reaktion der deutschen Urlauber ist deutlich: Sie verkürzen ihre Aufenthalte, weichen auf billigere Reisezeiten aus oder suchen sich alternative Urlaubsländer. Die Buchungen deutscher Urlauber für den Sommer liegen teilweise fast 30 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums.
Hiswa-Recron hat kaum Hoffnung, dass die Reservierungen in den kommenden Wochen anziehen werden. Wer bislang noch nicht für die Hauptsaison gebucht habe, werde sich eher für ein günstigeres Urlaubsland entscheiden, so die Einschätzung des Verbands.
Eine Ausnahme bildet das klassische Camping mit eigenem Zelt oder Wohnwagen: Hier bleibt der reduzierte Mehrwertsteuersatz von neun Prozent weiterhin erhalten. Doch dieser Bereich kann den massiven Rückgang in den anderen Segmenten nicht kompensieren.
Die niederländische Tourismusbranche steht vor einer ernsten Herausforderung. Nach Jahren des Booms durch deutsche Besucher muss sie nun mit den Konsequenzen der Preiserhöhungen umgehen – und möglicherweise langfristig um Gäste werben.



