Geheimtipp Drewitzer See: Vom Honecker-Jagdrevier zum Naturparadies in Mecklenburg-Vorpommern
Drewitzer See: Vom Honecker-Jagdrevier zum Naturparadies

Vom Staatschef-Refugium zum Naturidyll: Die besondere Geschichte des Drewitzer Sees

Mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte verbirgt sich ein besonderes Stück deutscher Zeitgeschichte: Der Drewitzer See, der einst als Jagdresidenz für DDR-Staatschef Erich Honecker diente, hat sich zu einem stillen Naturparadies entwickelt. Die Abgeschiedenheit, die den früheren Machthaber nur gelegentlich anzog, macht den Ort heute zu einem wertvollen Geheimtipp für erholungssuchende Urlauber.

Ein Palast in der Einsamkeit: Die Honecker-Ära am Drewitzer See

Im Jahr 1982 ließ Staatssicherheitschef Erich Mielke für Erich Honecker eine Jagdresidenz direkt am Ostufer des Drewitzer Sees errichten. Das großzügige, reedgedeckte Anwesen lag so abgeschieden, dass selbst nach der Wende junge Auszubildende des Christlichen Jugenddorfwerks die extreme Isolation als problematisch empfanden. Honecker selbst nutzte den Rückzugsort nur sporadisch – die Schorfheide blieb sein bevorzugtes Jagdrevier.

In den turbulenten Monaten nach dem Mauerfall pilgerten neugierige Bürger nach Drewitz, um den legendären „Honecker-Palast“ zu besichtigen. Der Kreistag von Waren übertrug das Objekt im Juni 1990 an das CJD, doch bereits im August 1994 wurde die Einrichtung wieder geschlossen. Die absolute Abgeschiedenheit erwies sich als kaum überwindbare Hürde für eine dauerhafte Nutzung.

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Vom politischen Erbe zum Naturresort: Die Transformation des Sees

Heute beherbergt das Gelände das „Van der Valk Naturresort Drewitz“, das auf 14 Hektar Fläche Urlaub für naturverbundene Gäste anbietet. Die einst ungeliebte Einsamkeit hat sich zum wertvollsten Kapital entwickelt – wer absolute Stille und unberührte Natur sucht, findet hier sein ideales Refugium.

Das gesamte Gebiet steht unter strengem Naturschutz: Motorboote sind auf dem See ebenso verboten wie Kraftfahrzeuge in unmittelbarer Ufernähe. Diese Maßnahmen garantieren eine fast surreale Ruhe, die nur vom leisen Rauschen des umgebenden Waldes durchbrochen wird.

Ein ökologisches Juwel: Die Besonderheiten des Drewitzer Sees

Der Drewitzer See ist ein herausragendes Beispiel für intakte Gewässerökologie:

  • Entstanden aus einer eiszeitlichen Schmelzwasserrinne
  • Sehr kalkhaltiger Klarwassersee mit sensationeller Transparenz
  • Keine direkte Verbindung zu anderen Seen
  • Wird ausschließlich von kalkreichem Grundwasser durchströmt
  • Keine oberirdischen Zu- oder Abflüsse
  • Keine Belastung durch landwirtschaftliche Nährstoffeinträge oder kommunale Abwässer

Mit einer Länge von 4,6 Kilometern und einer Breite zwischen 200 und 2000 Metern bedeckt der See eine Fläche von 6,9 Quadratkilometern – vergleichbar mit dem Berliner Müggelsee. Er bildet das Herzstück des „Naturschutzgebiets Drewitzer See“, das zusammen mit Lübowsee und Dreiersee Teil des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide ist.

Praktische Informationen für Besucher

Die Anreise zum Drewitzer See erfolgt bequem über die Bundesautobahn 19 (Berlin–Rostock), Abfahrt Malchow. Parkmöglichkeiten bieten sich in Nossentiner Hütte oder Sparow, von wo aus es nur wenige Minuten zu Fuß zur Badestelle am Südufer des Sees sind. Das Westufer wird von der Autobahn tangiert, während das Ostufer mit seinen versteckten Badestellen ausschließlich per Fahrrad oder zu Fuß erreichbar ist.

Die wenigen zugänglichen Badestellen am Ostufer sind bewusst spärlich verteilt, um die sensible Natur zu schützen. Wer diese Einschränkungen akzeptiert, wird mit einem fast meditativen Naturerlebnis belohnt: kristallklares Wasser, unberührte Waldlandschaften und eine Stille, wie man sie in Mitteleuropa kaum noch findet.

Der Drewitzer See verbindet auf einzigartige Weise historische Bedeutung mit ökologischer Wertigkeit – ein Ort, der von politischer Macht zu natürlicher Schönheit fand und heute jenen Ruhe bietet, die einst nur einem Staatschef vorbehalten war.

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