Ex-Aida-Mitarbeiter enthüllt: So nutzt der Kreuzfahrtriese Urlauberängste für teure Ausflüge
Eine der größten Sorgen von Kreuzfahrt-Urlaubern ist die Angst, nach einem Landausflug nicht rechtzeitig zum Schiff zurückzukehren. Laut einer aktuellen Umfrage befürchten ganze 25 Prozent der Reisenden genau dieses Szenario. Diese weit verbreitete Furcht nutzt der Kreuzfahrtriese Aida laut einem ehemaligen Mitarbeiter gezielt aus, um teure organisierte Ausflüge zu verkaufen.
Insider packen in ZDF-Doku aus
In der ZDF-Dokumentation „Die Insider“ schildert ein ehemaliger Aida-Mitarbeiter seine Erfahrungen aus sieben Jahren in der Unternehmenszentrale. Der Kreuzfahrtkonzern, der derzeit mit elf Schiffen und Kapazitäten für 1.300 bis 5.200 Gäste unterwegs ist, setze besonders auf das lukrative Geschäft mit organisierten Ausflügen. Langjährige Mitarbeiter äußern sich in der Doku kritisch zu Themen wie niedrigen Löhnen und den Strategien, wie Gästen angeblich das Geld aus der Tasche gezogen werde.
Mehr als 50 Prozent des Umsatzes durch Ausflüge
Laut dem ehemaligen Mitarbeiter generiert Aida mehr als 50 Prozent des Umsatzes an Bord durch organisierte Ausflüge. Deutsche Kreuzfahrtgäste suchten vor allem Sicherheit und möchten Land und Leute entdecken, was sie dazu motiviere, diese oft teuren Aktivitäten zu buchen. Die Preise von Aida erscheinen im Vergleich zu lokalen Dienstleistern jedoch häufig überteuert.
Ein konkretes Beispiel aus der Dokumentation: Eine Fahrradtour in Malaga kostete bei Aida zum Zeitpunkt der Dreharbeiten mit mindestens 30 Teilnehmern 75 Euro pro Person. Ein lokaler Anbieter verlangte dagegen für eine sechsköpfige Gruppe lediglich 27,50 Euro pro Person. Trotz dieser deutlichen Preisunterschiede entscheiden sich viele Reisende für die etwa 6.000 von Aida organisierten Erlebnisse.
Angst als Verkaufsargument
Die Urlauber fürchten vor allem, das Schiff zu verpassen, und fühlen sich durch mögliche Sprachbarrieren zusätzlich verunsichert. Verspätete Urlauber, die ihre Ausflüge nicht über Aida gebucht haben, müssen im Extremfall selbst den nächsten Hafen erreichen und tragen dabei die hohen Kosten für Flüge, Taxis, Hotelübernachtungen oder andere Transfers. Viele kämpfen zudem mit Problemen wie fehlenden Pässen oder ungeklärten Visabestimmungen.
Gehaltskürzungen abhängig vom Verkaufserfolg
Neben der Bequemlichkeit spiele auch die Crew eine entscheidende Rolle für das Urlaubserlebnis. In der ZDF-Doku heißt es, Aida habe Teile des Gehalts der Mitarbeiter an die Verkaufszahlen der Ausflüge gekoppelt. Diese Praxis erhöhe den Druck auf die Crew, diese Ausflüge aktiv anzubieten und zu verkaufen, was die Situation für beide Seiten – Mitarbeiter und Gäste – zusätzlich belaste.
Kritik an der Dokumentation
Die ZDF-Dokumentation mit dem Untertitel „Die geheimen Strategien des Kreuzfahrt-Giganten“ wird jedoch nicht von allen positiv aufgenommen. Viele Kreuzfahrer unter den Zuschauern bewerten sie als einseitig, völlig überzogen und als „journalistischen Tiefpunkt“. Die Dokumentation „Die Insider“ wurde bereits 2023 erstmals ausgestrahlt und ist aktuell in der ZDF-Mediathek verfügbar.
Die Enthüllungen des ehemaligen Aida-Mitarbeiters werfen ein kritisches Licht auf die Geschäftspraktiken in der Kreuzfahrtbranche und zeigen, wie Urlauberängste kommerziell genutzt werden können.



