Frühlingserwachen auf dem Campingplatz Pappelbucht: Dauercamper starten in die Saison
Kinder, Katzen und Konferenzen – auf dem Röbeler Campingplatz „Pappelbucht“ steht alles auf Anfang. Doch der Start in die Saison betrübt an mancher Stelle. Enrico Pape kommt aus dem Vorzelt seines Campingwagens, nachdem seine Konferenz zu Ende ist. Homeoffice macht es möglich, dass der Berliner dabei auch mal auf die Müritz blicken kann – und gerade auch auf seine Frau Katrin, die sich im Klappstuhl mit einem rosa durchwirkten Pullover auf dem Schoß bequem gemacht hat. Der schmale Auftakt auf der Stricknadel ist gemacht, passend zum Start in die Saison in Röbel.
Vertraute Gesichter und jahrzehntelange Tradition
26 Mal ist es wohl schon, sinniert das Paar, da es sich alle Jahre wieder in diesen ganz eigenen Kosmos aufmacht – in diese heimelige Welt, die dem Vertrauten etwas von zu Hause abgibt. Dies suchen auch Gisela und Bernd Wolff in der kleinen, bunten Stadt am Meer. Man freut sich über das Wiedersehen. Die Oster-Deko hängt an den Sträuchern, und der Ahorn auf dem Wolff'schen Mietgrund für Wohnwagen und Leinwandvilla verspricht wieder neues Grün. „Der war auch mal kleiner“, blickt Bernd Wolff auf den stattlichen Baum und damit auf die nun zwei Jahrzehnte, in denen es die Dauercamper von Güstrow nach Röbel zieht.
Hier kennen die beiden inzwischen selbst den Postboten. Das ist eine besondere Verbindung, waren die Barlachstädter Senioren doch einst selbst mit Briefen und Paketen bei Wind und Wetter unterwegs. Da gibt es gern mal einen Plausch übern Zaun. Doch die Tür muss zu bleiben, damit Gina, die zehnjährige Hundedame, nicht wegflitzt. Sie genießt die Nachmittagssonne, gern auch mal bei Frauchen und Herrchen auf dem Arm.
Langsames Erwachen und versteckte Preiserhöhungen
Parzelle für Parzelle kehrt Leben ein auf dem Areal, das auf drei Hektar Grün 150 Caravans, Zelten und Wohnanhängern Platz gibt. Doch das Gelände scheint sich nach dem langen Winter etwas behäbig auf das Kommende einzustellen. Laubberge erinnern an den Herbst, und hier und da wird gewerkelt. Mit den aktuell höheren Preisen fürs Campen, wie sie aus ganz Europa vermeldet werden, müsse man sich in Röbel nicht herumschlagen. Allerdings bleibt Kritik nicht aus: Es handele sich in Röbel „um eine versteckte Preiserhöhung“.
Die Jahresverträge für die Parzellen seien wie gehabt, aber der Campingplatz würde schließlich – und das nicht erst seit dem vergangenen Jahr – von November bis März geschlossen sein. Das hieße, dass man immerhin vier Monate nicht ohne Weiteres zu seiner Parzelle könnte, um als Dauercamper auch im Winter dort zu sein, vielleicht auch mal mit Kindern und Enkeln in den Winterferien. Auch wünscht sich mancher in der Pappelbucht, dass „etwas mehr geboten wird, ein kleiner Kiosk etwa wie auf dem Nitschow, wo man sich mal ’ne Zahnbürste kaufen kann oder die Tageszeitung“.
Infrastrukturwünsche und tierische Dauercamper
Wege, die im Sommer in einen „wüstenähnlichen Zustand wechseln“, könnten nach Ansicht einiger Camper eine frische Idee gebrauchen. Dass der Fischer da ist, Brötchen und Co., das sei super. Auch die kleine Bar unter Bäumen hatte im vergangenen Sommer wieder gelockt. All die Sorgen haben Schnute, Merle, Einauge, Suse, Ete und Viktor nicht. Die sechs Katzen von Katrin und Enrico Pape sind echte Dauercamper, leben mit steter Versorgung das ganze Jahr auf dem Fleckchen Röbeler Erde, das die beiden Hauptstädter nun bis Ende Oktober mit ihnen teilen.
Natürlich führe sie der Weg auch immer mal wieder in die Metropole, schon wegen der Arbeit, die Enrico Pape – und da ist er gegen jeden Kalauer immun – bei der Deutschen Bahn hat. Schwarz auf weiß steht es am Anmeldehaus auf dem Röbeler Campingplatz Pappelbucht, dass es Pausen auf dem Areal selbst für die Dauercamper gibt.
Alltagsglück und friedliche Momente
Ob über Reisen, Politik, Wetter oder die Kinder – zu reden gibt’s genug. Zu tun auch. Gerade jetzt, da alles auf einmal ins Grün schießt, sei das wie „Ankommen“. Dass sein Gewächshaus noch leer ist, betrübt Bernd Wolff nicht: „Das ist noch zu früh, zu kalt.“ Doch Radieschen, Gurken, Tomaten werden dort bald ein genussvolles Trio bilden. Möglichst viel selbst ziehen und nicht alles kaufen müssen, auch das gehöre zum Alltagsglück im Wohnwagen. Und sonst? „Ist alles wie zu Hause“, sagt Gisela Wolff lachend. Es muss gekocht, geputzt und aufgeräumt werden, nur sei das im Freien auch immer wieder neu.
Früher seien auch die Kinder mitgekommen, um für den Schulalltag in der Müritz und bei den Ausflügen in die Region aufzutanken. „Die sind aber längst erwachsen, kommen manchmal mit den Enkeln zu Besuch“, haben beide Paare erfahren. Dabei sind die Wolffs quasi testweise zu Campern geworden: „Wir hatten uns damals mal einen Wohnwagen geborgt und Gefallen daran gefunden.“ So einfach. Dass man die Welt auch im vermeintlich Kleinen schätzen sollte, das werde ihnen in diesen Kriegs- und Krisenzeiten hier einmal mehr bewusst. „Abends ist es oft so still hier, so friedlich.“
Eine gute Stunde später und ein paar Strickreihen weiter sind weitere Freunde dieser stillen Stunden eingekehrt und richten sich ein. Wenn im Herbst die Wege wieder für lange Zeit in die andere – die Stadt-Heimat – führen, dann werden alle viele heitere Müritz-Momente mitnehmen und Katrin Pape gewiss ihren neuen Pullover.



