Junger Koch kehrt heim und leitet Küche in neuem Restaurant in Loitz
Heimkehrer Ronny Klüsener kocht in Loitz auf

Es liegt ganz viel Liebe in der Luft. Die führt bei dem Koch, um den es geht, allerdings nicht dazu, dass die Suppe versalzen schmeckt. Ganz im Gegenteil! Der Mann, der das schafft, ist der Loitzer Ronny Klüsener. Zwischen einer Einweisung der Servicekraft, einem konzentrierten Blick ins Bestellbuch und dem Beginn seiner Arbeit in der Küche, nimmt er sich die Zeit, seine Heimkehrer-Geschichte zu erzählen.

Buschfunk und über 2000 Flyer sorgen für super Start

Dass der 39-Jährige wieder zurück ist, hatte sich schnell herumgesprochen. Kein Wunder, in dem kleinen, beschaulichen Loitz machen so gut wie alle Informationen schnell die Runde. Darüber ist der gelernte Koch, der in Loitz aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, allerdings alles andere als traurig: „Genau so sollte es ja sein. Wir wollten, dass viele erfahren, dass in Loitz ein neues Restaurant öffnet.“ Buschfunk und gezielt angelegte Werbung, es wurden im Vorfeld der Eröffnung des Restaurants HeimaRt über 2000 Flyer verteilt, haben schließlich dazu beigetragen, „dass der Start nicht besser hätte laufen können“, freut sich Ronny Klüsener. Allein in den ersten acht Wochen nach Geschäftseröffnung hat das Team um Restaurant-Inhaberin und Geschäftsführerin Sandy Oldenburger 1800 Hauptgerichte verkauft.

„Damit waren wir alle zufrieden. Natürlich geht es immer noch besser, anders, neu, natürlich muss man dran bleiben, die Gäste abholen. Das beginnt schon bei der Gestaltung der Speisekarte bis zum Kreieren der Gerichte“, ist sich der Koch bewusst.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Erste Erfahrungen im Fünf-Sterne-Hotel gesammelt

Er spricht aus Erfahrung. Die sammelte er bei seiner Ausbildung in einem großen, mit fünf Sternen dekorierten Hotel in Binz auf der Insel Rügen, auf der er auch im Sassnitzer Gastmahl des Meeres arbeitete. Später, 2011, zog es ihn, nicht nur gefühlt sehr weit weg von der Heimat – in das rund 1000 Kilometer entfernte Österreich. Dort arbeitete er in leitenden Positionen, hatte somit Teams zu führen, durfte und musste unternehmerisch ausgerichtete Entscheidungen treffen – zuletzt in einem Boutique-Hotel, unweit der Mozartstadt Salzburg. In dieser biografisch angedeuteten Kette fädelt sich zwischen 2003 und 2011 noch seine Zeit bei der Marine ein. Nach der Grundausbildung wurde der Mann, der es liebt am Herd zu stehen, wen wundert's, auch dort fürs Kochen angeheuert.

Großes Deftiges, kleines Feines vorab, Leckereien zum Ausklang

Großes Deftiges, kleines Feines vorab, Leckereien zum Ausklang, all das mit Freude zubereiten zu können, scheint ihm im Blut zu liegen. Wie übrigens einige andere Talente auch. Schon vor der Eröffnung des Restaurants in Loitz, als die Bauarbeiter im Haus in der Marktstraße 161a noch ordentlich am Wirken waren, präsentierte er einen Speisekarten-Entwurf. Der war gespickt mit flotten Sprüchen sowie Schlagworten auf Plattdeutsch. Kein Grafiker, keine KI, sondern ein Koch mit Lust am Gestalten und am Spiel mit der Sprache, legte damit vor, was er noch so drauf hat. Diese und jene Seite kommen bei den Gästen offensichtlich gut an.

Kontakt zu den Gästen gesucht

„Vor allem an den Wochenenden ist es schon ratsam, vorher einen Tisch zu reservieren“, gibt der Küchenchef einen Tipp an seine potenziellen Gäste. Ronny Klüsener bezeichnet sich übrigens auch als Gastgeber. „Mir gefällt diese Rolle. Ich habe schon immer gerne den Kontakt zu den Gästen gesucht, um ihre Fragen zu beantworten, zu hören, was sie bewogen hat, ins Restaurant zu kommen, was ihnen besonders gefallen hat, was sie sich künftig anders wünschen“, erzählt der lebensfrohe junge Mann.

Es umgibt ihn eine ganz besondere Aura, im Vergleich zu so manch einem anderen Vorpommer, der heutzutage vergessen hat, sich am puren Leben zu erfreuen. „Im Moment ist viel los bei mir. Dass sich diese Zusammenarbeit mit meiner Chefin ergeben hat, ist schon mal ein großes Glück. Sandy wollte in Loitz ein Restaurant eröffnen, ich wollte zurück nach Hause. Sie hat mir ermöglicht, mich schon während der Phase des Aufbaus des Hauses mit meinen Ideen einzubringen. Mir hätte wirklich nichts Besseres passieren können.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Ich wusste genau, was Heimweh bedeutet

Ronny Klüsener, Heimkehrer und Chefkoch im Restaurant HeimaRt, sagt: „Ich wusste genau, was Heimweh bedeutet.“ Zu dieser Dankbarkeit gesellt sich, wie sich im Gespräch mit dem Nordkurier herausstellt, Demut. Es sei für ihn nicht immer leicht gewesen, nach einem Urlaub oder einem verlängerten Wochenende wieder in Richtung Österreich zu fahren. „Seitdem weiß ich, was Heimweh bedeutet.“ Nämlich? „Die Gewissheit, loszufahren und zu Hause nichts mitgestalten zu können.“

Der taffe, froh gestimmte junge Mann wird kurz etwas leise, nachdenklich, einen Hauch traurig. Seine Loitzer Großeltern leben inzwischen nicht mehr. „Ich habe das Haus meiner Oma übernehmen dürfen. Immer wenn ich Zeit habe, baue ich es Stück für Stück um“, erzählt der sympathische Peenestädter. Wen wundert’s, dass eine neue Küchen-Arbeitsplatte mit das Erste war, was er, mit Unterstützung seines Vaters, ausgewechselt hat. „Das Leben, die Arbeit sind gerade auch deshalb so schön, tun so spürbar gut, weil es sich nach Familie, nach einem Zuhause anfühlt.“

Herausforderung Personalgewinnung

Diese Offenherzigkeit gepaart mit einem unübersehbaren Strahlen in seinen Augen verraten, woher der 39-Jährige die Kraft nimmt. Die wird er weiter gut gebrauchen. Trotz des gelungenen Starts, persönlicher Herausforderungen, gepaart mit willkommenen Überraschungen, bleibt er realistisch: „Es ist hier in der ländlich geprägten Region gar nicht so einfach, Personal zu akquirieren. Die Kollegen, die jetzt im Service tätig sind, machen das super. Sie haben sich eingearbeitet, sind engagiert. Das ist alles gar keine Frage. Wir sind froh, dass wir sie haben. Aber das Thema Personalgewinnung treibt meine Chefin und mich ebenso um, wie viele andere Gastronomen auch. Das wissen wir, weil es ein Dauerproblem ist, das nicht so leicht zu lösen ist“, macht Ronny Klüsener mehr als nur eine Andeutung.

Setzt sich Mutter Lianes Rezept für Nachspeise durch?

Auch wenn es schwerfällt, einen Punkt zu machen, der Koch und Gastgeber hat eine Menge Interessantes zu erzählen – Österreich ist ganz offensichtlich mal wieder eine Reise wert – ist es wohl an der Zeit, sich zu verabschieden. Die Kaffeemaschine gibt Hinweistöne von sich, die signalisieren, dass sie ihre Reinigung hinter sich hat. Ein Lieferant hat Fragen und das Telefon klingt inzwischen einmal mehr. Zeit zu gehen, mit dem beidseitigen Versprechen, sich bald wiederzusehen. Schließlich sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Wir wollen wissen, wie es sich ohne das Gefühl Heimweh lebt? Ob die Rouladen und selbst gemachten Limonaden immer noch der Renner sind? Haben sich die Quarkbällchen nach Mutter Lianes Rezept einen festen Platz als Nachspeise auf der Speisekarte gesichert? Schließlich wollen wir auch wissen, was sich das Team alles einfallen lässt, um Vorpommern in der Gastroszene noch bekannter zu machen.