Hofbräuhaus Melbourne: Bayerische Bierkultur in Australien zu welchem Preis?
Hofbräuhaus Melbourne: Bayerische Tradition in Australien

Hofbräuhaus Melbourne: Ein Stück Bayern am anderen Ende der Welt

Mitten im bunten China Town von Melbourne steht seit 1968 ein Stück bayerische Heimat: das Hofbräuhaus. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kürzlich das noch im Bau befindliche Hofbräuhaus in Texas besuchte, hat eine AZ-Reporterin den australischen Ableger besucht. Bei Obazda und Hofbräu-Bier erzählte der deutsche Brand Manager Philipp Hockenberger von Heimweh, bayerischen Promi-Gästen und den Herausforderungen, deutsche Tradition in Australien zu bewahren.

Bayerische Atmosphäre mit internationalem Personal

Beim Betreten des Hofbräuhauses Melbourne fühlt man sich sofort nach Bayern versetzt: Nostalgische Wirtshausmöbel, Münchner Fotografien und zünftige Live-Musik schaffen eine authentische Atmosphäre. Doch das internationale Personal verrät, dass man sich Tausende Kilometer von München entfernt befindet. An einem schwülen Abend mit 43 Grad Außentemperatur schenkte der Brite Kirk hinter dem Tresen Helles aus. "Bislang ist es großartig. Einer der besten Jobs, die ich je hatte", schwärmte der Mann aus North Yorkshire, der noch nie in Deutschland war, aber unbedingt das Oktoberfest besuchen möchte.

Deutsche Führung mit bayerischem Herz

Das Gasthaus wird von zwei Männern betrieben, darunter der deutsche Brand Manager Philipp Hockenberger. "Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Heidelberg, habe aber mein halbes Leben in Bayern verbracht", erklärte Hockenberger, der Stationen in Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim und sieben Jahre Regensburg hinter sich hat. Seit 2017 lebt er in Melbourne und sorgt im Hofbräuhaus dafür, dass alles "deutsch" und vor allem "bayerisch" bleibt.

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Die Geschichte des Gasthauses begann allerdings lange vor seiner Zeit: "Das Hofbräuhaus in Melbourne gibt es tatsächlich schon seit 1968. Es wurde damals von einem Deutschen oder Schweizer gegründet – da gehen die Meinungen auseinander – und hat dann über die Jahre viel Entwicklung durchgemacht." Zum Original in München pflege man intensiven Kontakt, und man verkaufe das originale Hofbräu-Bier.

Deutschsprachige Community und Heimweh

Die deutschsprachige Community in Melbourne umfasst etwa 65.000 Menschen. "Sie ist vielleicht nicht die größte Community der Zugewanderten, aber man kommt hier doch ganz gerne im Hofbräuhaus zusammen, um das Essen und Bier aus der Heimat zu genießen – und das Heimweh ein bisschen zu stillen", so Hockenberger. Persönlich habe er kaum Heimweh: "Ich habe ja alles hier, was ich brauche: Gutes bayerisches Bier und deutsche Hausmannskost, wirklich viel mehr brauche ich nicht." Dennoch fehlten ihm Freunde, Familie und der Schnee zur Weihnachtszeit.

Personal, Tracht und Veranstaltungen

Anders als Kirk kämen 50 bis 70 Prozent des Personals aus dem deutschsprachigen Raum, und bedient werde in Tracht: "Wir halten hier in Australien die deutsche, aber vor allem die bayerische Flagge hoch." Der Personalstand schwanke je nach Saison, da bei 40 Grad Hitze weniger Menschen Schnitzel, Schweinsbraten und Schweinshaxe essen möchten.

Umso mehr Betrieb herrsche zu anderen Zeiten: "Wir veranstalten hier seit zwei Jahren die sogenannte 'Deutsche Woche'. Da machen wir ganz viele Veranstaltungen rund um deutsche Firmen, deutsche Geschichte, natürlich das Essen und die Kultur", erklärte Hockenberger. Dazu gehörten Schlagerpartys und die Feier des Oktoberfests mit kulinarischen Besonderheiten aus ganz Deutschland, wobei der Fokus auf der bayerischen Küche liege.

Der Preis einer Halben: 17 australische Dollar

Eine Halbe Bier kostet im Hofbräuhaus Melbourne 17 australische Dollar, was etwa 10,50 Euro entspricht. "Wir haben eine sehr gute Partnerschaft mit 'Hofbräu', die uns weitgehend hilft, die Bierpreise zu stabilisieren", so Hockenberger. Doch bestimmte Faktoren beeinflussten den Preis zwangsläufig: "Dadurch, dass wir ausschließlich deutsches Bier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot importieren, sind unsere Bierpreise auch durch die steigenden Logistikkosten beeinflusst. Zudem ist Alkohol in Australien generell extrem hoch versteuert."

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Bayerische Promi-Gäste: Von Schweinsteiger bis LaBrassBanda

Auf die Frage nach bayerischen VIP-Gästen gab Hockenberger zu: "Ehrlich gesagt, bin ich mit Promis ziemlich schlecht, weil ich mit Gesichtern schlecht bin. Also wenn es nicht gerade ein Riesenpromi ist, wird das schwierig." Bastian Schweinsteiger oder Markus Söder seien noch nicht zu Gast gewesen. Doch fiel ihm eine besondere Begegnung ein: "LaBrassBanda waren vor ein paar Jahren mal hier zum Abendessen, als sie ihre Australien-Tour gespielt haben. Das waren wahrscheinlich die größten Promis, die ich erkannt habe." Von diesem Besuch habe er leider keine Fotos, aber die Musiker hätten sich sicher über das Stück Heimat in Melbourne gefreut.

Das Hofbräuhaus Melbourne bleibt somit ein lebendiger Teil bayerischer Kultur in Australien, wo Tradition und moderne Herausforderungen aufeinandertreffen – und wo eine Halbe Bier stolze 17 australische Dollar kostet.