Krieg im Nahen Osten: Airlines und Reiseveranstalter zeigen kaum Kulanz für Urlauber
Seit dem 28. Februar herrscht wieder Krieg im Nahen Osten. Das Auswärtige Amt hat daraufhin eine Reisewarnung für Urlaubsländer wie Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ausgesprochen. Im Gegensatz zur Corona-Pandemie zeigen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften gegenüber ihren Kunden nun jedoch eine deutlich strengere Haltung. Kulanzregelungen, wie sie während der Pandemie üblich waren, gibt es kaum noch. Stattdessen werden Reisen eher kurzfristig abgesagt.
Ausnahme Dertour: Kostenlose Umbuchungen bis Ende März
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Deutschlands zweitgrößter Reiseanbieter Dertour. Seit Donnerstag bietet das Unternehmen für Pauschalreisen und Hotelbuchungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Jordanien, Oman und Saudi‑Arabien mit Anreisen bis zum 31. März kostenlose Umbuchungen an. Diese Maßnahme gilt explizit aufgrund der Kriegssituation. Doch abgesehen von dieser Ausnahme ist die Lage für Urlauber angespannt.
Kurzfristige Absagen und überschaubare Zeitrahmen
Die meisten Anbieter reagieren mit sehr kurzfristigen Stornierungen. Tui Cruises sagte beispielsweise Kreuzfahrten auf den Schiffen Mein Schiff 4 und 5 nur bis zum 12. beziehungsweise 16. März ab. Fluggesellschaften wie Lufthansa, Condor oder Eurowings fassen ihre Annullierungen sogar noch kurzfristiger. Hinter diesem überschaubaren Zeitrahmen steckt eine bewusste Strategie.
Schwierige Lageeinschätzung und operative Herausforderungen
Die Sicherheitslage im Nahen Osten ist derzeit schwer einzuschätzen. Alle Anbieter fahren auf Sicht, da Prognosen kaum möglich sind. Jeder Drohneneinschlag in Urlaubsgebieten könnte eine geplante Öffnung von Lufträumen wieder zunichte machen. Ein Insider auf der Reisemesse ITB erklärte, dass zu großzügige Kulanzregelungen eine Welle an Umbuchungen und Erstattungen auslösen könnten, die operativ später nicht mehr bewältigt werden könnten.
Hohe Risiken bei Rückflügen und Evakuierungen
Die Rückkehr zur Normalität gestaltet sich äußerst brisant. Condor und Lufthansa bieten zwar Evakuierungsflüge im Auftrag der Bundesregierung an, doch deren Abwicklung ist kompliziert. Lufträume müssen extra freigegeben werden. Condor-Chef Peter Gerber betonte am Rande der ITB, er sei froh, dass der Staat die Verantwortung dafür übernehme. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) stuft die Golf-Region weiterhin als hochrisikobehaftet für die zivile Luftfahrt ein.
Finanzieller Druck und fehlende Kriegskasse
Für die Unternehmen lohnen sich großzügige Kulanzregelungen derzeit nicht. Jeder Tag, an dem deutsche Airlines nicht in Richtung Golf fliegen dürfen, verursacht bereits erhebliche Verluste. Ein Insider wies darauf hin, dass umfangreiche Kulanzmaßnahmen wie in der Corona-Zeit das Risiko bergen, dass kaum noch jemand in die Region reist. Verbraucheranwalt Arndt Kempgens stellt klar: „Nach Corona gibt es einfach keine Kriegskasse bei den Unternehmen.“
Entschädigungen entfallen bei Kriegshandlungen
Kriegshandlungen gelten rechtlich als „außergewöhnliche Umstände“. Wenn eine Reise aus diesem Grund nicht stattfinden kann, haben Kunden zwar das Recht auf Rückerstattung des gezahlten Geldes. Entschädigungen für kurzfristige Absagen müssen jedoch nicht gezahlt werden, da der Veranstalter nichts für die Situation kann. Diese Regelung nimmt den Anbietern einen gewissen Druck.
Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass die Reisebranche im Krisenfall zwischen Kundenzufriedenheit und wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit abwägen muss. Während in der Pandemie noch umfangreiche Kulanzregelungen möglich waren, zwingt der Krieg im Nahen Osten zu einer restriktiveren Handhabung.



