Münchner Gastronom packt aus: Drogengangs prügelten sich neben Gästen
Seit zwei Jahrzehnten führt Christian Lehner das legendäre Park Café in München. Im exklusiven Interview berichtet der bekannte Wirt von wilden Clubzeiten mit Weltstars, aktuellen Gastro-Trends – und von gewalttätigen Drogengangs, die ihm zeitweise ans Aufhören denken ließen.
Vom Schickeria-Club zum Weltspeisenrestaurant
Christian Lehner übernahm 2006 das damals bereits etwas eingestaubte Park Café am Alten Botanischen Garten. „Das Park Café war damals der sterbende Schwan Münchens“, erinnert sich der Gastronom. „Ein großartiger Club, der aber bereits in Bedeutungslosigkeit versank.“ Seine Vision: eine vielseitige Gaststätte zu schaffen, die Mittagstisch, Brunch, Abendessen und Party unter einem Dach vereint.
Heute bezeichnet Lehner sein Lokal als „Weltspeisenrestaurant für jedermann“. Die Bandbreite reicht von internationalen Gästen über eine treue Fangemeinde bis hin zu Prominenten. „Wir sind nicht mehr der Laden, in dem um drei Uhr morgens Leute auf der Theke stehen und Champagner spritzen“, so der Wirt. „Legendär sind wir, weil wir die ganze Bandbreite bedienen.“
Promi-Highlights und Oktoberfest-Spontanparty
Besonders in Erinnerung geblieben ist Lehner der überraschende Besuch von Stevie Wonder während des Oktoberfests 2008. „Seine Security meinte: 'Mr. Wonder wants the real Oktoberfest, but now it's too late at the Oktoberfest'“, erzählt der Gastronom. „Also haben wir kurzerhand Oktoberfest hier im Café gefeiert, die Musik umgestellt und Vollgas gegeben.“
In den 90er Jahren tanzten hier Weltstars wie Grace Jones und Salma Hayek mit der Münchner Schickeria. Heute hat sich das Ausgehverhalten deutlich verändert: „Im Park Café wird heuer mehr gespeist als gefeiert“, stellt Lehner fest. „Daydrinking ist ein großes Thema. Alles beginnt früher, dadurch endet es auch früher.“
Dramatische Zustände im Alten Botanischen Garten
Ein besonders dunkles Kapitel waren für Lehner die Jahre 2022 bis 2024, als sich die Situation im angrenzenden Alten Botanischen Garten dramatisch verschlechterte. „Drogengangs prügelten sich fünf Meter von unseren Gästen entfernt“, berichtet der Wirt mit ernster Miene. „Da schmeckt dann ein blutiges Steak nicht so gut, wenn nebenan eine blutige Schlägerei ist.“
Lehner wurde täglich bedroht und beleidigt, dachte sogar ans Aufhören. „Ich bin im Münchner Norden aufgewachsen und konnte mit der Situation umgehen“, erklärt er. Seine Forderungen nach strengeren Maßnahmen wurden schließlich umgesetzt: „Alkohol-, Drogen- und Messerverbot waren 2024 die letzte Initialzündung zur Verbesserung.“
Gastronomische Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Wie viele Gastronomen kämpft auch Lehner mit steigenden Kosten: „Die Personalkosten, Mindestlohn, Energie und alle Zusatzkosten sind enorme Belastungen“, klagt er. „Es ist ein Wunder, dass Gastronomie überhaupt noch realistisch funktioniert.“
Dennoch blickt der Wirt optimistisch in die Zukunft. Das Park Café entwickelt sich kontinuierlich weiter: „Heute wird mehr alkoholfrei getrunken, es wird oft fleischlos gegessen“, beschreibt Lehner die aktuellen Trends. „Dafür setzen wir beim Fleisch auf Premium-Qualität und High-End-Angebote.“
Neuer Start im Jubiläumsjahr
Seit den Sicherheitsmaßnahmen im Alten Botanischen Garten hat sich die Situation deutlich verbessert: „Jetzt fühlt es sich hier wieder wie ein Dorfplatz an“, freut sich Lehner. „Familien mit Kinderwagen und Spaziergänger fühlen sich hier wieder wohl.“
Zum 20-jährigen Jubiläum plant der Gastronom besondere Events: „Es wird hoffentlich eines der schönsten Jahre aller Zeiten“, verspricht er. „Unser Park ist wieder sauber und schön. Jetzt im März startet die neue Partyreihe Female Friday mit Münchens besten DJanes.“
Das Park Café bleibt damit ein Stück Münchner Geschichte, das sich den Zeiten anpasst, ohne seine Seele zu verlieren. Christian Lehner hat nicht aufgegeben – und kann nach turbulenten Jahren wieder mit Freude auf sein Lokal blicken.



