Rostocker Köchin durchquert Asien: Von kulinarischen Abenteuern zur Rettung in eisiger Kälte
Seit vielen Wochen begleiten wir die Küchenschlacht-Finalistin Luisa Wendt auf ihrer kulinarischen Expedition durch Asien. Wenn die Rostockerin von ihren Erlebnissen berichtet, dann riecht man förmlich die Straßenküchen, hört das Klackern der Essstäbchen und spürt das Zögern, wenn selbst bei der weltreisenden Asien-Enthusiastin Essgewohnheiten an ihre Grenzen stoßen.
Die Herausforderung des Alleinessens in Südkorea
Bevor Luisa Wendt China erreichte, durchquerte sie Südkorea, wo sie als Alleinreisende auf eine unerwartete Hürde stieß: „Essen wird hier im Plural gedacht“, erklärt sie heute. Koreanisches Barbecue und Hotpot werden traditionell für zwei, drei oder vier Personen zubereitet. Alleinreisende werden freundlich, aber bestimmt abgewiesen oder scheitern an den übergroßen Portionen.
Abhilfe fand die Rostockerin in der App „Nomad Table“, die Rucksacktouristen weltweit verbindet. Hier verabreden sich Reisende und Einheimische zum gemeinsamen Essen. In Busan traf Luisa so eine Britin, einen Japaner, eine Irin und einen New Yorker, mit dem sie für einige Tage weiterreiste. Aus geteilter Suppe wurden Routentipps, aus gemeinsamem Grillen ein Adressbuch lokaler Empfehlungen.
Kulturschock in Chengdu: Laut, chaotisch und köstlich
Der Wechsel nach China bedeutete für Luisa einen Sprung in ein „sehr lautes, brodelndes Chaos“. Besonders die Tischsitten forderten die Rostockerin heraus: „Du sitzt hier wirklich in einem Restaurant und neben dir spuckt jemand permanent auf den Boden“, beschreibt sie. Die Menschen rülpsten, furzten, schmatzten – und „sie schreien sich wirklich die ganze Zeit an“. Trotzdem betont sie: „Das Essen ist hier trotzdem richtig gut.“
In Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan mit etwa 16 Millionen Einwohnern, suchte Luisa bewusst die Nähe zu Einheimischen. Ein Taxifahrer, der während der Fahrt all seinen Freunden von seiner Fahrgast erzählte, lud sie zum Klebreis-Essen in großer Runde ein. „Die Wohnung war in einem heruntergekommenen Block“, berichtet Luisa, „die Küche extrem sauber, der Rest weniger.“ Das Schlafzimmer bestand im Wesentlichen aus einer großen Matratze an der Wand, auf der alle gemeinsam schliefen.
Die Gespräche mit ihren Gastgebern drehten sich auch um Politik: „Die waren absolut pro Russland und benannten Argumente, die wir aus europäischer Sicht vollkommen anders deuten würden“, so Luisa. „Es war total spannend, da mal so offen drüber zu sprechen.“
Kulinarische Grenzgänge: Von Balut bis Stinky Tofu
Im Sinne ihrer Reise ließ Luisa kein kulinarisches Erlebnis aus – auch wenn es sie manchmal große Überwindung kostete. In einer Garküche probierte sie Balut, ein angebrütetes Entenei: „Da kommt erst mal so richtig viel Suppe raus, die man ausschlürfen muss. Und dann siehst du da dieses halb entwickelte Küken drin.“ Geschmacklich überraschte es sie positiv: „Das war Umami.“
Weniger begeistert war sie vom „Stinky Tofu“ oder „Haar-Tofu“, der wie überreifer Camembert roch und extrem nach Schimmel schmeckte. Auch Schweinefüße, Hühnerfüße und „Blut-Tofu“ aus gestocktem Schweineblut standen auf dem Speiseplan – „gar nicht lecker“, meint Luisa, aber sie probierte alles.
Kulturelle Entdeckungen: Heiratsmarkt und Ohrenreinigung
Bei einem Spaziergang durch einen Park stolperte Luisa über einen Heiratsmarkt: „Das ist wie so eine Art Schilderwald, lauter rosa und blaue Zettel, auf denen Eltern die Daten ihrer Kinder hinterlassen“, beschreibt sie. Im Gespräch mit einem jungen Paar erfuhr sie, dass sich in China kaum noch jemand Kinder leisten könne.
In einem Teehaus genoss sie nicht nur „Kung Fu Tee“, der an langen Stielen eingeschenkt und gewirbelt wird, sondern ließ sich – „total normal da“ – nebenbei die Ohren reinigen: „Da hat mir eine Frau mit Lupe, Lampe und verschiedenen Applikationen zwischen all den Leuten die Ohren sauber gemacht.“ In der Innenstadt werde dies auf offener Straße angeboten, Passanten könnten auf Bildschirmen verfolgen, was „rausgeholt“ wird.
Die magische Rettung: Ein Hund führt durch Nebel und Kälte
Einen der magischsten Momente erlebte Luisa abseits kulinarischer Abenteuer. Auf Empfehlung eines Freundes kletterte sie auf den Berg Emei, um in einem Tempelhaus zu nächtigen. Der siebenstündige Aufstieg bei eisiger Kälte gestaltete sich schwierig: „Es war so neblig und eisig kalt, dass mir die Füße abzufrieren drohten.“
Oben angekommen, schien niemand in den Tempeln zu sein: „Drei Versuche und kein Erfolg: Ich hatte echt Angst, im Dunkeln wieder hinabsteigen zu müssen.“ Dann geschah ein kleines Wunder: „Plötzlich war da ein kleiner Hund. Sein Fell war eigentlich schwarz, aber durch das Eis wirkte es fast weißlich.“
Der Hund führte Luisa zum nächsten Tempel – die Übernachtungstempel befinden sich etwas unterhalb der Bergspitze, was der Hund offenbar wusste. Dort fand sie endlich Menschen, Wärme und eine Schlafgelegenheit. Der Hund blieb die ganze Nacht bei ihr. „Ich wäre schon klargekommen“, meint Luisa, „aber es fühlt sich wirklich so an: Dieser Hund wollte mir helfen, er hat mich ‚gerettet‘ – und es war magisch. Alles an dieser Erfahrung.“ Den berühmten Sonnenaufgang am Berg Emei verpasste sie allerdings: „Ich musste den Hund streicheln.“



