Vom Tankparadies zur Ernüchterung: Meine veränderte Erfahrung in Polen
Viele Jahre lang habe ich deutschen Freunden mein Leben in Polen anhand von Tankstellen erklärt. Das ging stets so: In Deutschland findet man oft Tankstellen aus den 1980er-Jahren mit Brötchen und Bockwurst, die ebenso alt wirken. Ein unfreundlicher Kassierer verlangt viel Geld für Benzin, und für eine schmutzige Toilette muss man extra bezahlen.
Das polnische Paradies wird brüchig
In Polen hingegen schien es das Paradies zu sein: moderne Tankstellen, saubere und kostenlose Toiletten. An der Theke lächelten junge, adrett uniformierte Mitarbeiter, und frische polnische Spezialitäten wie Teigtaschen oder Bigos waren zu sagenhaft günstigen Preisen erhältlich – von den niedrigen Benzinpreisen ganz zu schweigen. So war es lange Zeit.
Nach meinem jüngsten Trip von Rostock nach Warschau und zurück muss ich meine Erzählung jedoch ändern. Die Toiletten in Polen waren zwar kostenlos, aber nicht mehr so sauber. Von Mannequins keine Spur – stattdessen traf ich auf gesalzene Preise in den Tankstellen-Restaurants, die mir sofort den Appetit verdarben. Und das begann bereits an der Zapfsäule.
Preissteigerungen und Ernüchterung
In Warschau lag der Preis pro Liter bei 7,19 Złoty, was etwa 1,68 bis 1,70 Euro entspricht – noch akzeptabel, wenn auch kein Vergleich zu den Preisen vor Russlands Überfall auf die Ukraine. Als ich jedoch im Raum Posen tanken musste, zahlte ich 7,64 Złoty pro Liter, umgerechnet etwa 1,79 bis 1,81 Euro. Das erschien mir nicht mehr weit entfernt von der deutschen Tankpreis-Realität, die sich seit den Angriffen auf den Iran und dem Gerangel um die Straße von Hormus entwickelt hat.
Bin ich verwöhnt, oder was ist los? Vielleicht bin ich es, aber die schönen Tankstellen-Erlebnisse, die ich lange in Polen genießen durfte, scheinen Vergangenheit zu sein. Es tröstet mich wenig, dass die polnische Mineralölgesellschaft Orlen weiterhin ihr Rabattprogramm Orlen Vitay anbietet. Dieses wurde vor langer Zeit eingeführt, um Kunden für regelmäßiges Tanken zu belohnen und sie nachhaltig zu binden. Die digitalen Sammelpunkte können bei vielen externen Partnern eingelöst werden. Doch was hilft mir das, wenn ich eigentlich nur billiges Benzin will – und das nicht nur in Polen?
Die Veränderungen sind spürbar: höhere Preise, ein nachlassender Service und der Verlust des einstigen Paradiesgefühls. Es bleibt die Frage, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder ob es noch versteckte Perlen gibt, die den Charme bewahren.



