Tourismusstruktur am Stettiner Haff wird neu geordnet
Die touristische Landschaft im Raum des Stettiner Haffs erfährt eine grundlegende Neuausrichtung. Der regionale Tourismusverein „Stettiner Haff“ hat auf Aufforderung der Stadtverwaltung seine langjährigen Räumlichkeiten in der Ueckermünder Tourist-Information am Hafen verlassen müssen. Diese strukturelle Trennung markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der Zusammenarbeit zwischen kommunaler Verwaltung und ehrenamtlichem Engagement.
Jahrelange Symbiose wird aufgelöst
Über viele Jahre hinweg bildeten der Tourismusverein und die städtische Tourist-Information eine enge Einheit. Der Verein betrieb nicht nur das regionale Buchungssystem für Unterkünfte, sondern verkaufte auch Angelkarten, erstellte den jährlichen Urlaubskatalog und koordinierte den Veranstaltungskalender für die gesamte Uecker-Randow-Region zwischen Ueckermünde, Pasewalk und Penkun. Besonders symbolisch war die Personalunion: Uta Sommer leitete sowohl die Tourist-Info als auch den Verein als Vorsitzende.
Diese Verflechtung ist nun Geschichte. „Der Verein war überrascht von der Bitte der Stadtverwaltung“, erklärt Vorstandsmitglied Silvio Wolff. Inzwischen habe der Verein eine neue Postadresse im Kulturspeicher bezogen und das Buchungssystem an die Stadt übergeben. Damit sei sichergestellt, dass die bei der Stadt angestellten Mitarbeiter der Tourist-Information die Quartiervermittlung für Urlauber ohne Unterbrechung fortsetzen können.
Finanzielle Gründe für die Trennung
Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos) erläutert die Beweggründe für diese strukturelle Veränderung. Im Zentrum standen die Tätigkeiten, die städtische Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit für den zwar ehrenamtlichen, aber gewerblich tätigen und nicht gemeinnützigen Verein übernahmen. „Das war ein recht hoher Prozentsatz“, so Kliewe. Die Stadt verzeichnete im Jahr 2025 Personalaufwendungen von etwa 200.000 Euro in diesem Bereich.
Solange der Verein sich primär auf Ueckermünde konzentrierte, stellte diese Unterstützung kein größeres Problem dar. Doch mit dem Beitritt immer mehr touristischer Anbieter aus dem Umland – einschließlich Städten wie Torgelow, Pasewalk und Penkun – änderte sich die Situation grundlegend. Ueckermünde trug nun Personalkosten für Dienstleistungen, die auch Orten außerhalb des Seebades zugutekamen, während diese Kommunen lediglich einen Jahresbeitrag von 200 Euro entrichteten. Die Stadt erhielt vom Verein dagegen nur eine vierstellige Summe an Vermittlungsprovisionen.
Kämmerin Katrin Zeitz versuchte zunächst, durch ein elektronisches Kassensystem eine klare Trennung der Finanzströme zu erreichen. Das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald bestand jedoch auf einer vollständigen organisatorischen Trennung. „Jetzt ist alles sauber getrennt“, betont Bürgermeister Kliewe. Es könne nicht sein, dass der Verein am Jahresende ein Plus verbuche, während die Stadt trotz Kurabgabe im Tourismusbereich ein Haushaltsdefizit aufweise. Ueckermünde werde dennoch weiterhin Vereinsmitglied bleiben.
Neue Führung und Perspektiven
Mit der räumlichen Trennung ging auch ein personeller Wechsel an der Vereinsspitze einher. Da Uta Sommer nicht länger Vereinsvorsitzende sein konnte, wählte die Mitgliederversammlung Elke Schmidt zur neuen Vorsitzenden. Schmidt betreibt gemeinsam mit ihrem Ehemann den Campingplatz in Grambin. Der Vorstand wird weiterhin durch Grit Peters, Bärbel Ertelt, Jörg Kubiak und Silvio Wolff komplettiert.
„Wir sind viele Jahre in der Stadt-Information gewesen“, reflektiert Silvio Wolff. Der Verein sei sich stets bewusst gewesen, dass er die Ressourcen der Tourist-Info nutzte und von der Stadt profitierte. Gleichzeitig habe der Verein durch Urlaubskataloge, Veranstaltungspläne und andere Aktivitäten Werbung für Ueckermünde gemacht, was aus Vereinsperspektive eine Win-win-Situation darstellte. Man akzeptiere jedoch die getroffene Entscheidung.
Der 1990 gegründete Verein mit etwa 100 Mitgliedern steht nun vor umfassenden Veränderungen und befindet sich in einer Findungsphase. Die neue Vorsitzende Elke Schmidt betrachtet den Neuanfang jedoch nicht als dramatisch: „Die Mitglieder werden weiter für den Tourismus in der Region zusammenarbeiten“, versichert sie. Die Erstellung des Urlaubskatalogs und andere Aufgaben würden nun rein ehrenamtlich übernommen. Für Touristen ändere sich vor Ort wenig – Souvenirverkauf, Angelkartenausgabe und Quartiervermittlung blieben durch dieselben Mitarbeiter gewährleistet.



