Tui plant strategische Neuausrichtung: Comeback im Massengeschäft mit neuer Billigmarke
Der Reisekonzern Tui startet mit überraschend positiven Zahlen ins Winterhalbjahr und kündigt eine strategische Wende an. Nach Jahren der Fokussierung auf Premiumsegmente will das Unternehmen aus Hannover nun wieder verstärkt ins Geschäft mit günstigen Pauschalreisen einsteigen und plant dafür eine komplett neue Marke.
Starker Winterstart trotz Herausforderungen
Für das erste Geschäftsquartal bis Ende Dezember legte Tui beeindruckende Zahlen vor. Vorstandschef Sebastian Ebel betonte: „Urlaub ist weiterhin eine Priorität für unsere Kunden.“ Besonders die eigenen Hotel- und Kreuzfahrtgesellschaften entwickelten sich hochprofitabel. Trotz einer leichten Rückgang der Pauschalreisenden um zwei Prozent auf 3,7 Millionen Urlauber, stieg die Gesamtzahl der Tui-Gäste konzernweit um gut zwei Prozent auf 7,1 Millionen.
Neue Marke für günstige Pauschalreisen geplant
Der strategische Fokus liegt nun auf der Rückkehr ins Massengeschäft. Sebastian Ebel erklärte: „Ich war immer dafür, eine Zweitmarke zu haben.“ Im Visier hat der Konzern eine sogenannte „Abverkaufsmarke“ für preisgünstigere Angebote. Diese Neuausrichtung erscheint sinnvoll, da Tui mit Marken wie Riu und Robinson bisher vor allem im teureren Segment positioniert war, wo das Wachstumspotenzial begrenzt ist.
Die Marktlücke für günstigere Reisen hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert, nachdem wichtige Konkurrenten wie Thomas Cook/Neckermann und FTI insolvent wurden und vom Markt verschwunden sind. Gleichzeitig sind Urlaube in den letzten Jahren deutlich teurer geworden, was die Nachfrage nach budgetfreundlichen Alternativen steigen lässt.
Finanzielle Entwicklung zeigt gemischtes Bild
Trotz gestiegener Gästezahlen stagnierte der Umsatz bei knapp 4,9 Milliarden Euro. Dies liegt vor allem daran, dass Zusatzangebote wie Kreuzfahrten, Ausflüge und Veranstaltungen vor Ort nur einen Bruchteil des Umsatzes einer kompletten Urlaubsreise erwirtschaften. Finanziell zahlte sich die vorsichtige Strategie jedoch aus: Der bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) stieg um mehr als die Hälfte auf 77 Millionen Euro – ein bemerkenswerter Erfolg für das traditionell schwache erste Quartal.
Hurrikan „Melissa“ belastet Ergebnis
Die Zerstörungen durch Hurrikan „Melissa“ auf Jamaika im Oktober trafen Tui spürbar. Der Konzern musste seine dortigen Hotels der Ketten Riu und Royalton vorübergehend schließen, was das operative Ergebnis um 10 Millionen Euro drückte. Hinzu kamen weitere Belastungen in Höhe von 6 Millionen Euro durch Flugausfälle und andere Folgen des Wirbelsturms. Auch für das zweite Quartal bis Ende März rechnet Tui noch mit Nachwirkungen des Naturereignisses.
Erste Dividende seit der Pandemie
Bei der Hauptversammlung in Hannover treffen die Aktionäre erstmals seit der Corona-Pandemie wieder persönlich mit Vorstand und Aufsichtsrat zusammen. Die Tourismusbranche war 2020 durch weltweite Reisebeschränkungen zeitweise vollständig zum Erliegen gekommen, und nur massive staatliche Hilfen verhinderten die Pleite von Tui und anderen Reiseunternehmen.
Inzwischen hat sich der Konzern erholt und plant die erste Dividendenzahlung seit der Krise. Die Anteilseigner sollen eine Ausschüttung von 10 Cent je Aktie beschließen – ein symbolträchtiger Schritt zurück zur Normalität für das traditionsreiche Touristikunternehmen.



