Apple reagiert auf chinesischen Regulierungsdruck mit Gebührensenkung
Der US-Technologiekonzern Apple hat angekündigt, die Provisionssätze im chinesischen App Store zu reduzieren. Diese Entscheidung wird allgemein als Reaktion auf den zunehmenden Druck durch chinesische Regulierungsbehörden interpretiert, die bereits seit längerem kritisch auf die sogenannte "Apple-Steuer" blicken.
Konkrete Änderungen der Gebührenstruktur
Ab dem kommenden Sonntag werden sich die Gebühren für In-App-Käufe und bezahlpflichtige Apps von bisher 30 Prozent auf 25 Prozent verringern. Noch deutlicher fällt die Senkung für Teilnehmer an Apples Partnerprogrammen für Kleinunternehmen und Mini-Apps aus: Hier sinkt die Provision von 15 auf 12 Prozent. Mini-Apps sind kleinere Anwendungen, die innerhalb größerer Plattformen wie Tencent's WeChat operieren.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist strategisch gewählt, fällt er doch mit dem Tag zusammen, an dem chinesische Staatsmedien traditionell Unternehmen hervorheben, denen Verstöße gegen Verbraucherrechte vorgeworfen werden. Bereits 2013 war Apple Ziel einer solchen Kampagne, als der staatliche Fernsehsender CCTV den Kundendienst des Konzerns kritisierte und eine öffentliche Entschuldigung erzwang.
Finanzielle Auswirkungen für Entwickler und Verbraucher
Laut Berechnungen der staatlichen Wirtschaftszeitung "Economic Daily" werden chinesische Entwickler durch die Gebührensenkung schätzungsweise knapp 900 Millionen US-Dollar an Kommissionszahlungen einsparen. Die Zeitung berichtet weiter, dass "die Gebühren für digitale Güter und Dienstleistungen in iOS schrittweise abgeschafft" würden.
Für Verbraucher ergeben sich daraus konkrete Vorteile: Die Preise für digitale Dienstleistungen werden voraussichtlich sinken, was zu Einsparungen von bis zu fast 150 Millionen US-Dollar pro Jahr führen könnte. Diese Entwicklung entspricht dem erklärten Ziel chinesischer Behörden, Verbraucherrechte zu stärken und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Internationaler Kontext und weitere Erwartungen
Die 30-prozentige "Apple-Steuer" bleibt weltweit Gegenstand kartellrechtlicher Prüfungen. Die Europäische Union führte bereits 2024 Gesetze ein, die Apple zwangen, die Provisionen für Entwickler auf 10 bis 17 Prozent zu senken. Auch in Großbritannien und im Zusammenhang mit dem "Fortnite"-Streit musste der Konzern Zugeständnisse machen.
Rich Bishop, Gründer von App in China, einem Beratungsunternehmen für ausländische Softwareentwickler, kommentiert: "Im Falle Chinas hat Apple mit dem IT-Ministerium und anderen Behörden gesprochen und wurde aufgefordert, seine Gebühren zu senken."
Allerdings wird erwartet, dass der regulatorische Druck auf Apple in China trotz dieser Maßnahme nicht nachlassen wird. Experten gehen davon aus, dass chinesische Behörden weitere Forderungen stellen werden, darunter die Verbuchung von im Land erzielten App-Store-Einnahmen in China statt im Ausland. Zudem dürfte die Aufsicht über in China veröffentlichte ausländische Apps weiter verschärft werden.
Apple hat in der Vergangenheit bereits auf Anforderung chinesischer Internetaufsichtsbehörden sogenannte VPN-Apps aus dem chinesischen App Store entfernt. Diese Vorgehensweise unterstreicht die sensible Position internationaler Technologieunternehmen im chinesischen Markt, die stets zwischen globalen Geschäftspraktiken und lokalen regulatorischen Anforderungen balancieren müssen.



