Commerzbank vs. Unicredit: Übernahmepoker spitzt sich zu
Commerzbank vs. Unicredit: Übernahmepoker spitzt sich zu

Seit mehr als eineinhalb Jahren wehrt sich die Commerzbank gegen eine drohende Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit. Nun hat der Showdown eine neue Eskalationsstufe erreicht: Die Unicredit-Aktionäre stimmten bei einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro zu. Damit ist der Weg für ein offizielles Übernahmeangebot frei.

Unicredit erhält grünes Licht für Kapitalerhöhung

Die Anteilseigner der Unicredit genehmigten bis zum 31. Dezember 2027 eine Kapitalerhöhung in Höhe von gut 6,7 Milliarden Euro. Die Bank kann in diesem Rahmen bis zu 470 Millionen neue Aktien ausgeben. Auf dieser Basis kann die italienische Großbank ihr Mitte März angekündigtes Angebot zur Übernahme sämtlicher Commerzbank-Anteile offiziell machen. Bereits an diesem Dienstag soll das Angebot laut Unicredit-Chef Andrea Orcel veröffentlicht werden. Die Commerzbank plant ihrerseits am Freitag, neue Finanzziele vorzulegen, um ihre Aktionäre von einem eigenständigen Kurs zu überzeugen.

Details des Tauschangebots

Mitte März hatte die Unicredit angekündigt, je Commerzbank-Papier 0,485 neue Unicredit-Papiere zu bieten. Dies entspricht einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertete die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Allerdings notierten Commerzbank-Aktien zuletzt deutlich höher, um die 35 Euro. Orcel hat sich offen gehalten, die Offerte nachzubessern.

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Der Staat als Spielball

Eine unglückliche Rolle im Übernahmepoker spielt der deutsche Staat. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden gerettet hatte, verkaufte im September 2024 4,49 Prozent seiner Anteile. Der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) begründete dies mit der Stärke der Bank. Die Unicredit nutzte den Einstieg jedoch schnell aus und baute ihre Beteiligung konsequent aus. Mittlerweile kontrolliert die Unicredit direkt und indirekt 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Der Bund hält noch gut 12 Prozent.

Widerstand aus Deutschland

Gewerkschaften warnen vor einem massiven Stellenabbau. Die Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die die Führung im Oktober 2024 mitten in der Übernahmeschlacht übernommen hat, sieht keinen Mehrwert in einem Zusammenschluss. Sie wirft der Unicredit eine feindliche Taktik und irreführende Darstellungen vor. Die Finanzaufsicht Bafin rügte die Unicredit bereits wegen reißerischer Social-Media-Anzeigen.

Ausblick: Hauptversammlung als Stimmungstest

Die Hauptversammlung der Commerzbank am 20. Mai dürfte ein erster Stimmungstest werden. Orlopp und Orcel stehen vor der Herausforderung, eine gemeinsame Linie zu finden. Die Unicredit sieht eine Übernahme als Chance, im Wettbewerb mit US-Banken zu bestehen. Ob es zu einer Einigung kommt, bleibt offen.

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