Deutsche Post: Pakete überholen Briefe erstmals im Umsatz - Digitalisierung verändert Geschäft
Deutsche Post: Pakete überholen Briefe im Umsatz

Deutsche Post: Pakete überholen Briefe erstmals im Umsatz

Bonn • Das traditionelle Briefgeschäft verliert für die Deutsche Post DHL weiter an Bedeutung, während der Paketversand unaufhaltsam boomt. In einem historischen Wendepunkt erzielte der Logistikkonzern im vergangenen Jahr erstmals mehr Umsatz mit der Zustellung von Paketen als mit dem Austragen von Briefen. Diese Entwicklung markiert eine tiefgreifende Veränderung im Geschäftsmodell des Bonner Unternehmens.

Umsatzkreuzung: Pakete überflügeln Briefe

Wie das Unternehmen in Bonn mitteilte, generierte die Deutsche Post im deutschen Briefgeschäft 2025 einen Umsatz von etwa 7,1 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024. Im stark wachsenden Paketgeschäft hingegen stieg der Umsatz um beachtliche 11,2 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro an. Damit haben sich die Umsatzlinien der beiden Geschäftsfelder endgültig gekreuzt.

Die Mengenentwicklung spiegelt diese Verschiebung deutlich wider: Die Briefträger und Paketboten des Unternehmens transportierten in Deutschland insgesamt 10,6 Milliarden Briefe und 2 Milliarden Pakete. Während die Briefmenge kontinuierlich abnimmt, verzeichnet der Paketversand ein stetiges Wachstum. Finanzvorständin Melanie Kreis kommentierte diese Entwicklung mit den Worten: „Wir sind jetzt an diesem Punkt, wo sich die Umsatzlinien gekreuzt haben.“

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Digitalisierung verändert Kommunikationsverhalten

Der grundlegende Treiber dieser Transformation ist das sich wandelnde Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen im Digitalzeitalter. Immer weniger Menschen versenden traditionelle Briefe, stattdessen setzen sie auf digitale Kommunikationswege wie E-Mails und Chatnachrichten. Auch Werbetreibende haben ihre Budgets zunehmend in Online-Kanäle verlagert, was zu einem deutlichen Rückgang von Werbeprospekten und Werbebriefen in den Briefkästen führt.

Die Entwicklung ist langfristig angelegt: Während 2010 noch 30 Briefe auf ein Paket kamen, liegt das Verhältnis heute bereits bei fünf zu eins. „Wir rechnen damit, dass wir am Ende dieser Dekade bei eins zu eins oder zwei zu eins sind“, prognostiziert Finanzvorständin Kreis. DHL geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen und möglicherweise sogar beschleunigen wird.

Briefzustellung bleibt vorerst unverzichtbar

Trotz des klaren Trends zur Digitalisierung wird die physische Briefzustellung in Deutschland nach Einschätzung des Post-Managements noch sehr lange notwendig bleiben. Vorstandsvorsitzender Tobias Meyer betonte, dass Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten weniger digitalisiert sei. Das Gerichtswesen benötige eine flächendeckende Briefzustellung, außerdem gebe es Briefwahl-Unterlagen und gedruckte Zeitungen, die weiterhin vom Briefträger gebracht werden müssen.

Meyer verwies auf das Beispiel Dänemark, wo der frühere Monopolist die staatlich garantierte Briefzustellung Ende 2025 eingestellt hat. „Ich glaube, dass der Staat in Deutschland noch sehr lange auf die physikalische Zustellung angewiesen sein wird“, so der Post-Chef, dessen Vertrag gerade bis 2031 verlängert wurde. Der Bonner Konzern stehe weiterhin für diese Aufgabe zur Verfügung, auch wenn der wirtschaftliche Erfolg im Paketgeschäft deutlich größer sei.

Positive Jahreszahlen trotz Herausforderungen

Meyer und Finanzvorständin Kreis präsentierten die Jahreszahlen für 2025, die insgesamt positiv ausfielen. Obwohl der Gesamtumsatz aufgrund konjunktureller Schwäche und Währungseffekte um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro sank, verbesserte sich das operative Ergebnis (Ebit) um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg um 3,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro.

Besonders bemerkenswert: Das Stammgeschäft in Deutschland – die Beförderung von Briefen und Paketen – entwickelte sich besser als erwartet. Der Umsatz in diesem Bereich legte um drei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro zu, während das Betriebsergebnis um mehr als ein Viertel auf eine Milliarde Euro schnellte. Ein wichtiger Grund hierfür war die Portoerhöhung: Seit Anfang 2025 kostet ein Standardbrief in Deutschland 95 Cent statt bisher 85 Cent.

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Effizienzsteigerungen und geopolitische Herausforderungen

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren konsequent Kosten gesenkt und Arbeitsabläufe optimiert. Durch den Einsatz von Robotern, künstlicher Intelligenz und optimierten Lieferrouten konnten Effizienzsteigerungen erzielt werden. Gleichzeitig musste DHL Preisanpassungen vornehmen, um die Rentabilität zu sichern.

Im Frachtbereich waren die Auswirkungen globaler Verwerfungen deutlich spürbar, einschließlich Handelskonflikten und konjunktureller Abkühlung. Für das laufende Jahr äußerte sich Konzernchef Meyer vorsichtig optimistisch: „Es gibt vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten – das haben wir in den ersten zwei Monaten des Jahres schon deutlich gesehen.“ Für 2026 peilt DHL nur eine geringfügige Verbesserung des operativen Ergebnisses an.

Krisenmanagement und Anpassungsfähigkeit

Die Folgen des Iran-Kriegs betreffen auch das Bonner Unternehmen direkt. In Dubai betreibt DHL ein wichtiges Logistik-Drehkreuz, ein Innovationszentrum und ein großes Lagerhaus. Da der Flugverkehr dort eingeschränkt ist, hat das Unternehmen Teile der Waren über Land nach Riad in Saudi-Arabien transportiert, um sie dort auf Flugzeuge zu verladen.

Finanzvorständin Kreis betonte die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens: „Wir sind als DHL daran gewöhnt, unsere Lieferketten ständig anzupassen.“ Diese Flexibilität und Erfahrung im Umgang mit Krisen seien entscheidende Wettbewerbsvorteile in einer zunehmend volatilen globalen Wirtschaft.

Das Post-Management stellte die Jahreszahlen in seinem neuen Innovationszentrum in Troisdorf bei Bonn vor und unterstrich damit den Anspruch, auch in schwierigen Zeiten innovativ und anpassungsfähig zu bleiben. Die Transformation vom traditionellen Postunternehmen zum modernen Logistikkonzern schreitet damit weiter voran.