Galeria in der Krise: Mietzahlungen am Rotkreuzplatz ausgeblieben
Die Situation beim Warenhauskonzern Galeria spitzt sich weiter zu. Nach gesicherten Informationen hat das Unternehmen die April-Miete für den Kaufhof am Rotkreuzplatz in München nicht gezahlt. Dieser Schritt lässt nichts Gutes für die Zukunft des Standortes erahnen und bringt selbst langjährige Optimisten ins Grübeln.
Mietrückstände an mehreren deutschen Standorten
Das Problem beschränkt sich nicht nur auf München. Wie die Immobilienzeitung berichtet, ist Galeria auch an mehreren anderen Standorten in Deutschland mit Mietzahlungen im Rückstand. Betroffen sind offenbar genau jene Filialen, deren Zukunft ohnehin ungewiss ist. Dies wirft die bange Frage auf: Droht nun die nächste Schließungswelle?
Bereits am 10. März hatte Galeria mitgeteilt, dass das Unternehmen für acht Filialen die Miete neu verhandeln möchte. Neben dem Standort am Rotkreuzplatz in München sind dies die Berliner Filialen am Kurfürstendamm und Hermannplatz, die beiden Kölner Filialen Hohe Straße und Breite Straße sowie die Häuser in Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg.
Ultimatum an Vermieter: Mietsenkung oder Schließung
In einem Schreiben an die Vermieter hieß es deutlich: "Es besteht die Möglichkeit von Schließungen." Die Formulierung war kaum anders zu interpretieren als ein verklausuliertes Entweder-oder: Entweder die Vermieter senken die Miete – oder Galeria macht die Filiale dicht. Konkret wurde ausgeführt: "Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen." Für diesen Fall würden zeitnah vorsorglich Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan für die betroffenen Filialen aufgenommen.
Stundungsersuchen und ausgebliebene Zahlungen
Mehrere Vermieter haben der Immobilienzeitung unabhängig voneinander berichtet, dass Galeria sie darum gebeten habe, die Miete für April und September 2026 zinslos zu stunden. Eine Rückzahlung sollte demnach erst im April und Oktober 2027 erfolgen. Galeria selbst wollte sich zu diesen Vorgängen nicht äußern. Eine Sprecherin teilte lediglich mit: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu laufenden Gesprächen sowie Verhandlungen mit unseren Vertragspartnern keine Auskunft geben."
Besonders pikant: Der Vermieter der Immobilie am Rotkreuzplatz wurde nach Informationen nicht einmal um Stundung gebeten. Die Miete blieb einfach aus – und das, obwohl sie als vergleichsweise niedrig beschrieben wird. Die OFB, eine Tochter der Helaba, hatte das Gebäude aus der Signa-Insolvenz erworben und musste dabei den Mietvertrag mit Galeria übernehmen.
Düstere Perspektiven für den Rotkreuzplatz-Standort
Mietschulden hin oder her – für Galeria am Rotkreuzplatz scheinen die Tage gezählt. Die Eigentümer-Projektgesellschaft plant an dem Standort einen Neubau mit Büros, Handel, einem Hotel und Wohnungen. Sofern die Genehmigungen rechtzeitig vorliegen, will die OFB bereits im Frühjahr 2027 mit dem Rückbau der oberirdischen Geschosse beginnen. Der Mietvertrag mit Galeria läuft ohnehin am 31. Januar 2027 aus.
Galeria hat bereits drei Insolvenzen hinter sich (2020, 2022, 2024). Während der Konzern vor zwei Jahren noch 129 Filialen betrieb, sind es aktuell nur noch 83. In München unterhält Galeria vier Standorte: die Filiale am Marienplatz (das deutschlandweit umsatzstärkste Galeria-Haus), die Filiale an der Münchner Freiheit, das Kaufhaus im OEZ und eben den Standort am Rotkreuzplatz.
Gesellschafterstruktur und aktuelle Geschäftslage
Die Gesellschafter von Galeria sind seit der letzten Insolvenz und der Übernahme aus der Signa-Insolvenzmasse die US-Gesellschaft NRDC (65,8 Prozent), hinter der die amerikanische Unternehmerfamilie Baker steht, der deutsche Unternehmer Bernd Beetz (28,2 Prozent) und der Finanzinvestor Bain Capital (6 Prozent).
Während das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro noch als "operativ profitabel" galt, läuft es im aktuellen Geschäftsjahr (seit Oktober 2025) offenbar nicht mehr gut. Laut Branchenblatt "Textilwirtschaft" liegen die Geschäfte "deutlich unter Plan". Diese Entwicklung unterstreicht die prekäre Lage des traditionsreichen Warenhauskonzerns.



