Grapevine (Texas) – Diese Ankündigung sorgt für Aufsehen: Der Videospielhändler Gamestop hat offiziell bekannt gegeben, dass er das Auktionshaus Ebay übernehmen möchte. Das Angebot beläuft sich auf 56 Milliarden Dollar, was umgerechnet etwa 47,8 Milliarden Euro entspricht. Gamestop-Chef Ryan Cohen (40) verfolgt ehrgeizige Pläne: Mit der Fusion der beiden Unternehmen will er einen ernstzunehmenden Konkurrenten für den E-Commerce-Riesen Amazon schaffen. Dies gab Cohen im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ bekannt. Ein Teil des benötigten Kapitals sei ihm bereits zugesagt worden.
Ein ungewöhnlicher Deal
Auf den ersten Blick wirkt der Mega-Deal höchst ungewöhnlich. Denn Ebay, bekannt durch den legendären Werbespruch „3, 2, 1 … meins!“, ist international wesentlich bekannter und etwa dreimal so groß wie Gamestop. Beide Unternehmen teilen jedoch ähnliche Herausforderungen: Sie waren einst Pioniere in ihren Geschäftsfeldern, wurden aber später von der Konkurrenz überholt. Die Umsätze tendieren seit Jahren nach unten. Dennoch konnten sich beide Marken über Jahrzehnte am Markt behaupten.
Ambitionen von Gamestop-Chef Cohen
Der Deal passt perfekt zu den Ambitionen von Ryan Cohen. Er stieg 2020 zunächst als Investor bei Gamestop ein und kritisierte die damalige Führung scharf: zu langsam, zu engstirnig und zu wenig digital. 2023 übernahm er selbst den Chefposten und leitete eine radikale Umstrukturierung ein. Statt tausender Filialen setzt das Unternehmen nun auf den Online-Vertrieb von Sammelkarten und Retro-Konsolen, um die Emotionen der Kunden anzusprechen.
Finanzierung des Deals
Noch ist unklar, ob Gamestop die Übernahme stemmen kann. Cohen gab an, dass ihm 20 Milliarden Dollar, etwa ein Drittel der benötigten Summe, bereits zugesichert seien. Woher der Rest kommen soll, ließ er offen. Fest steht, dass Cohen die Summe teils in bar und teils in Aktien aufbringen will. Wie ambitioniert die Attacke auf Amazon ist, zeigt ein Blick auf die Größenverhältnisse: Das Unternehmen von Jeff Bezos (62, Umsatz: 717 Milliarden Dollar) ist etwa 50 Mal so groß wie Ebay und Gamestop zusammen.
Positive Reaktionen an der Börse
Am Aktienmarkt sorgt Gamestop bereits für Furore. Bereits 2021, als das Unternehmen in der Krise steckte, verabredeten sich Fans im Netz und trieben den Kurs gemeinsam in die Höhe. Auch der Übernahmeplan kommt gut an: Am Montagmorgen legten die Aktien beider Unternehmen zweistellig zu.



