SAP-Umstellung bei GIZ führt zu massiven Zahlungsproblemen
Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), eine bundeseigene Institution, die weltweit Entwicklungsprojekte fördert, steckt in einer tiefen Krise. Seit Wochen kann die Organisation aufgrund einer komplizierten Umstellung auf die SAP-Software S/4HANA ihre Rechnungen an externe Dienstleister nicht mehr bezahlen. Dies berichtete zuerst die „Welt“ und löste damit Besorgnis über die Auswirkungen auf Projekte in 90 Ländern aus.
Externe Partner werden vertröstet
Während die Gehaltszahlungen an die eigenen 25.000 Mitarbeitenden weiterhin gewährleistet sind, müssen viele externe Dienstleister fortlaufend vertröstet werden. Die GIZ ist auf diese Partner angewiesen, um Brunnen zu bauen, Werte zu vermitteln und moderne Strukturen in Entwicklungsländern zu schaffen. Die Zahlungsverzögerungen führen laut internen Quellen zu „massiven Problemen“ bei verschiedensten Projekten.
In internen Chatnachrichten, die in dem Bericht zitiert werden, äußern frustrierte GIZ-Beschäftigte ihre Sorgen. Ein Mitarbeiter aus Indien monierte, es sei „einfach nicht gut genug“, seit sechs Wochen dieselbe Nachricht zu erhalten: „Wir bitten um Verständnis, dass der Übergang zu Verzögerungen bei der Verarbeitung von Zahlungen führen kann. Wir versuchen alles, die Unannehmlichkeiten für Sie zu minimieren.“
Vertrauensverlust und Sicherheitsbedenken
Eine andere Mitarbeiterin warnte, die deutsche Organisation verspiele womöglich das Vertrauen der Geschäftspartner. „Ich habe die Sorge, dass sie der GIZ nicht mehr trauen“, sagte sie. Die Kollegen in der Finanzabteilung seien an der „Frontlinie“, der Druck sei immens. Ein Mitarbeiter aus Pakistan klagte über ein „peinliches Niveau“ im Umgang mit externen Anbietern und Beratern und betonte, das Problem sei äußerst drängend.
Laut dem Bericht haben erste Hotels die Anmietung von Meeting-Räumen verweigert, da ein Zahlungsausfall droht. In Afrika gibt es Befürchtungen, dass die IT-Panne irgendwann zu einem Sicherheitsrisiko werden könnte, wenn kritische Infrastrukturprojekte beeinträchtigt werden.
GIZ bestätigt Verzögerungen, sieht Licht am Ende des Tunnels
Auf SPIEGEL-Anfrage bestätigte eine GIZ-Sprecherin, „dass es bei der weltweiten Umstellung der Systeme zu Verzögerungen“ gekommen sei, insbesondere bei Beschaffung und Finanzierung. Sie betonte jedoch, dass in vielen Anwendungsbereichen der Betrieb des neuen IT-Systems inzwischen angelaufen sei und die Zahlungsfähigkeit weltweit gewährleistet werde. Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit ausstehenden Zahlungen seien nicht bekannt. „Wir sind zuversichtlich, die Probleme schnellstmöglich zu lösen“, so die Sprecherin.
Die GIZ betreut nach eigenen Angaben Projekte im Wert von 22 Milliarden Euro. Zuletzt hatte die Organisation auch mit Mittelkürzungen zu kämpfen, was die aktuelle Situation zusätzlich verschärft. Die SAP-Umstellung, die eigentlich Effizienz steigern sollte, hat sich somit zu einem ernsten Hindernis für die Entwicklungszusammenarbeit entwickelt.



