Glyphosat-Streit zieht Bayer weiter in die Verlustzone - Milliardenverlust wächst
Glyphosat-Streit zieht Bayer weiter in Verlustzone

Glyphosat-Streit belastet Bayer-Konzern massiv

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer steckt aufgrund der anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat weiterhin tief in der Verlustzone. Wie das Unternehmen aus Leverkusen mitteilte, hat sich der Verlust im Geschäftsjahr 2025 auf rund 3,6 Milliarden Euro vergrößert. Dies bedeutet eine Steigerung von etwa 1,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Milliardenschwerer Vergleich und erhöhte Rückstellungen

Im Februar 2026 schloss Bayer einen Sammelvergleich mit Klägern in den USA ab, was zu einer Erhöhung der Rückstellungen um vier Milliarden Euro führte. Der Deal umfasst Zahlungen von maximal 7,25 Milliarden US-Dollar, was aktuell etwa 6,23 Milliarden Euro entspricht. Diese finanziellen Verpflichtungen erstrecken sich über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren und belasten die Bilanz des Konzerns erheblich.

Operativ verlief das vergangene Jahr für Bayer durchwachsen. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die negativen Effekte des schwachen US-Dollars, hätte der Konzern ein leichtes Plus von 1,1 Prozent verzeichnen können.

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Börsenkurs und rechtliche Unsicherheiten

An der Börse sorgt das Thema Glyphosat weiterhin für erhebliche Unsicherheiten. Nach einem Aufwärtstrend ab November sackte der Aktienkurs von Bayer nach Bekanntgabe des Sammelvergleichs im Februar wieder deutlich ab. Konzernchef Bill Anderson betont zwar die Bedeutung von Bayers Produkten für die globale Gesundheit und Ernährungssicherheit, doch viele Investoren und Finanzanalysten assoziieren das Unternehmen nach wie vor primär mit dem endlosen Glyphosat-Streit.

Die entscheidende Frage bleibt, ob Bayer seine Rechtsrisiken endlich unter Kontrolle bringen kann. Die Vereinbarung mit den Klägern ist noch nicht endgültig besiegelt, da die Zustimmung eines Gerichts in St. Louis, Missouri, aussteht. „Es geht nur noch um Tage“, erklärte Anderson und zeigte sich zuversichtlich. „Wir erwarten die Entscheidung des Richters und sind auf alle Szenarien vorbereitet.“

Kontroverse um Glyphosat und Gesundheitsrisiken

In den USA führen Kläger Krebserkrankungen auf die Verwendung von Glyphosat zurück. Die Internationale Krebsforschungsagentur, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, hatte den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Andere WHO-Organisationen sowie europäische Behörden teilen diese Einschätzung jedoch nicht.

Anderson verteidigt die Sicherheit des Produkts: „Die Sicherheit von Glyphosat wird von den Regulierungsbehörden eindeutig bestätigt - und zwar in mehr als 50 Ländern, inklusive der USA, Kanada und den Ländern in Europa.“ Er betont, dass Glyphosat für die moderne Landwirtschaft essenziell sei, da es hilft, Kohlendioxid im Boden zu binden und Ernten vor Unkräutern zu schützen.

Auf die Frage, warum Bayer sich trotz dieser Überzeugung auf einen Vergleich eingelassen habe, verwies Anderson auf die langwierigen und belastenden Rechtsstreitigkeiten. „Das muss aufhören, die Firma muss vorankommen.“

Personalabbau und organisatorische Veränderungen

Die anhaltende Krise hat auch in der Belegschaft deutliche Spuren hinterlassen. Zum Jahreswechsel 2025/2026 beschäftigte Bayer noch etwa 88.000 Mitarbeiter, was einem Rückgang von 5.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Seit Beginn der Umstrukturierung im Jahr 2023 mit damals 100.000 Beschäftigten hat der Konzern kontinuierlich Personal abgebaut.

Die neue Organisationsstruktur soll in diesem Jahr zu Einsparungen von zwei Milliarden Euro im Vergleich zu 2023 führen. Personalchefin Heike Prinz erklärte: „Bayer ist insgesamt spürbar schlanker, flexibler und effektiver geworden.“ Durch den Abbau von Hierarchien erhofft sich das Unternehmen eine deutliche Steigerung der Produktivität.

Ausblick und geopolitische Risiken

Für das laufende Jahr rechnet Bayer mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Währungsbereinigt prognostiziert der Konzern einen Umsatz zwischen 45 und 47 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro. Diese Werte entsprechen in etwa den Zielvorgaben des Vorjahres.

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Geopolitische Spannungen, insbesondere der Iran-Krieg, stellen nach Angaben von Anderson keine unmittelbare Bedrohung für Bayers Lieferketten dar. „Wir sind nicht stark abhängig von Drehkreuzen im Mittleren Osten für unsere Lieferketten, wir sehen also keine Lieferunterbrechungen auf uns zukommen“, so der Konzernchef.

Zusätzlich hofft Bayer auf ein positives Grundsatzurteil des Obersten US-Gerichts, das im Juni erwartet wird und dazu beitragen soll, die Klagewelle endgültig zu beenden. „Vor uns liegen einige wichtige Meilensteine“, resümierte Anderson die aktuelle Situation.