Vom DDR-Chemiker zum Milliardär: Die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte von Holger Loclair
Was 1977 als bescheidener Einstieg eines Chemikers im volkseigenen Betrieb VEB Spezialfarben in Oranienburg begann, entwickelte sich zu einer der bemerkenswertesten Unternehmerkarrieren Ostdeutschlands. Holger Loclair, der heute als reichster Mann der ehemaligen DDR gilt, hat aus dem einstigen DDR-Betrieb den Weltmarktführer Orafol geformt.
Die Transformation vom VEB Spezialfarben zum globalen Orafol-Imperium
Schon zu DDR-Zeiten produzierte der Betrieb selbstklebende und reflektierende Folien, doch die wahre Erfolgsgeschichte begann nach der Wiedervereinigung. 1990 wurde das Werk in Orafol umbenannt und 1991 durch die Treuhand privatisiert. Loclair führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit einem westdeutschen Investor, bevor er in den Jahren 2013 und 2016 schrittweise die Anteile des damaligen Mehrheitseigners Klaus Schmidbaur übernahm. Heute besitzt der Unternehmer rund 99 Prozent des Unternehmens.
In dieser Zeit stieg Orafol zum unangefochtenen Weltmarktführer für reflektierende Folien und industrielle Klebebänder auf. Das Unternehmen produziert heute Materialien für Verkehrsschilder und Kennzeichen, Steinschlag-Schutzfolien, Werbetechnik sowie Spezialklebebänder für industrielle Anwendungen und Laminate.
Oranienburg als Herzstück des globalen Erfolgs
Das Werksgelände am Stammsitz in Oranienburg hat sich inzwischen zu einem eigenen kleinen Stadtteil entwickelt, in dem etwa 1.300 der weltweit rund 3.000 Orafol-Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Verbundenheit mit dem Standort zeigt sich auch in den Zukunftsplänen: In den kommenden Jahren plant das Unternehmen Investitionen von knapp 150 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion in Oranienburg.
Milliardärsvermögen ohne Jet und Jacht
Das renommierte US-Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt Holger Loclairs aktuelles Vermögen auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar, was etwa 1,5 Milliarden Euro entspricht. Damit wäre Loclair der einzige Milliardär auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und somit der reichste Ostdeutsche. In einem Gespräch mit der Bild-Zeitung im Januar 2026 bestätigte Loclair diese Schätzungen, betonte jedoch gleichzeitig seinen bescheidenen Lebensstil.
"Ich besitze weder Jet noch Jacht", erklärte der Unternehmer. Knapp 1,3 Milliarden Euro seines Vermögens seien in Anlagen und Tochterfirmen investiert. Obwohl er offiziell seit zehn Jahren Rentner sei, sprudele er nur vor Ideen und sei täglich auf dem Gelände in Oranienburg unterwegs. Diese Haltung unterstreicht die bodenständige Philosophie, die den Erfolg des Unternehmens maßgeblich geprägt hat.
Die Geschichte von Holger Loclair und Orafol zeigt eindrucksvoll, wie aus den Strukturen der DDR-Wirtschaft durch unternehmerisches Geschick, Beharrlichkeit und Standorttreue ein globaler Marktführer entstehen konnte. Während viele ostdeutsche Betriebe nach der Wende verschwanden, gelang Orafol unter Loclairs Führung der Sprung in die internationale Spitzenliga – und machte seinen Chef zum reichsten Mann Ostdeutschlands.



