Produktionsende in Lüneburg: Jungheinrich schließt Werk nach langem Arbeitskampf
Nach einem außergewöhnlich langen Arbeitskampf von mehr als 80 Tagen hat der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich die endgültige Entscheidung getroffen: Das Produktionswerk in Lüneburg wird bis zum 31. März 2027 vollständig geschlossen. Für die 160 betroffenen Beschäftigten, deren Arbeitsplätze damit wegfallen, haben sich das Unternehmen und die IG Metall nach intensiven Verhandlungen auf ein umfassendes Sozialpaket geeinigt. Dieses umfasst einen Interessenausgleich, einen detaillierten Sozialplan sowie einen Sozialtarifvertrag, wie die Gewerkschaft in einer offiziellen Mitteilung bestätigte.
Substanzielles Sozialpaket trotz anhaltender Kritik
Die IG Metall bewertet das ausgehandelte Ergebnis als substanziell und finanziell bedeutsam, hält die Schließung des Werks jedoch weiterhin für einen strategischen Fehler. „Wir sprechen bei Jungheinrich in Lüneburg nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion“, erklärte Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg deutlich. „Die Entscheidung war nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge getrieben, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung des gesamten Konzerns.“ Das Unternehmen selbst bestätigte die Einigung und betonte die geregelten Maßnahmen wie Abfindungen und die Einrichtung einer Transfergesellschaft.
Millionenschweres Paket nach viertägigen Marathonverhandlungen
Die Gespräche über den Interessenausgleich, den Sozialplan und den Sozialtarifvertrag hatten erst in der vergangenen Woche begonnen und führten nach einer viertägigen, intensiven Verhandlungsphase zu einem Abschluss. Nach Angaben der IG Metall bewegt sich das finanzielle Volumen des Pakets im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Geplant ist unter anderem:
- Die Einrichtung einer Transfergesellschaft zur Erleichterung des Übergangs in neue Beschäftigungsverhältnisse
- Die Sicherung von 125 verbleibenden Stellen in Konstruktion und Verwaltung am Standort Lüneburg
- Die vollständige Einstellung der eigentlichen Produktionstätigkeiten
Historisch langer Streik in Niedersachsen
Der Einigung war einer der längsten Arbeitskämpfe in Niedersachsen seit Jahrzehnten vorausgegangen. Seit dem 20. November befanden sich die Produktionsbeschäftigten nach Gewerkschaftsangaben in einem unbefristeten Streik, nachdem eine Mehrheit in einer Urabstimmung dafür gestimmt hatte. Die Fertigung stand in den mehr als 80 Tagen immer wieder komplett still. Die IG Metall bezeichnete diesen Arbeitskampf als bemerkenswert hartnäckig und historisch bedeutsam für die Region.
Strategische Neuausrichtung trotz profitabler Sparte
Jungheinrich hatte bereits im vergangenen Sommer ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt, das weltweit rund 1.000 Stellenabbau vorsah. Die Schließung des Werks in Lüneburg bis 2027 stand damals bereits im Raum. Die IG Metall kritisierte diese Pläne scharf als „Tabubruch“ und warf dem Unternehmen vor, ehrgeizige Wachstumsziele „auf dem Rücken der Beschäftigten“ zu verfolgen. In Lüneburg wurden bislang Sonder- und Kleinserien nach speziellen Kundenanforderungen gefertigt, etwa Hubwagen für besonders enge Lager oder für sehr schwere Lasten – eine profitable Nische mit Tradition.
Historischer Hintergrund und wirtschaftliche Daten
Das Werk für diese Sonderbauten wurde 1989 neu errichtet, als das Unternehmen rund zwölf Millionen D-Mark in die Produktionsstätte investierte. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Jungheinrich einen Überschuss von 289 Millionen Euro, was einem Rückgang von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Umsatz lag bei rund 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 strebt der Konzern einen Umsatz von zehn Milliarden Euro an. Die Geschäftsergebnisse für das Jahr 2025 will das Unternehmen Ende März offiziell vorlegen. Die Schließung in Lüneburg markiert somit einen tiefen Einschnitt in die Unternehmensgeschichte und die regionale Wirtschaftsstruktur.



