US-Konzern übernimmt Traditionsunternehmen: Klöckner & Co wird von Worthington Steel geschluckt
Ein Stück deutscher Industriegeschichte geht zu Ende: Der traditionsreiche Stahlhändler Klöckner & Co, im Volksmund auch "Klöco" genannt, steht vor dem Verkauf an den US-Konzern Worthington Steel aus Ohio. Damit endet nach fast 120 Jahren die Eigenständigkeit des Unternehmens, das einst von den Brüdern Peter und Florian Klöckner in Duisburg gegründet wurde.
Ende einer Ära im Ruhrgebiet
Das Unternehmen mit weltweit rund 6.500 Mitarbeitern wird an Worthington Steel übergehen, das bereits im Dezember ein Übernahmeangebot zu elf Euro je Aktie unterbreitet hatte. Zu diesem Zeitpunkt entsprach dies einer bemerkenswerten Prämie von 80 Prozent gegenüber dem damaligen Börsenkurs von sechs Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 11,94 Euro, und Worthington Steel besitzt bereits 56,9 Prozent der Anteilsscheine, was die Übernahme praktisch besiegelt.
Klöckner & Co war besonders in den Nachkriegsjahren äußerst erfolgreich und profitierte stark vom deutschen Wirtschaftswunder. Der Stahlhandel brachte hohe Gewinne, und das Unternehmen diversifizierte sich in Bereichen wie Schifffahrt und Brennertechnik. In jüngster Zeit litt die Firma jedoch unter der schwachen Konjunktur, hohen Energiepreisen, Billigimporten aus Asien sowie der nachlassenden Nachfrage aus der Automobil- und Baubranche.
Strategischer Wechsel und neue Ausrichtung
Unter CEO Guido Kerkhoff hatte Klöckner & Co bereits einen Strategiewechsel eingeleitet: weg vom reinen Stahlhandel, hin zur Produktion hochwertiger Stahlteile. Dieser Kurswechsel sollte das Unternehmen widerstandsfähiger gegen Marktschwankungen machen.
Die Übernahme durch Worthington Steel erfolgt nach Angaben des US-Konzerns vor allem aus strategischen Gründen. Es geht weniger um eine Rettung des deutschen Unternehmens, sondern vielmehr um Größe, Marktposition und die Ergänzung der Geschäftsmodelle. Das Motto lautet: Gemeinsam sind wir stärker.
Auswirkungen auf Mitarbeiter und Standorte
Was der Zusammenschluss für die rund 6.500 Mitarbeiter von Klöckner & Co bedeutet, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt. Ersten Informationen zufolge sind jedoch keine Entlassungen oder Standortschließungen geplant. Interessant ist dabei, dass Düsseldorf als Firmensitz erhalten bleiben soll - die Zentrale war erst 2025 nach Jahrzehnten in Duisburg dorthin umgezogen.
Der Verkauf markiert nicht nur das Ende einer Ära für Klöckner & Co, sondern auch einen weiteren Schritt in der Konsolidierung der globalen Stahlindustrie. Während das Traditionsunternehmen aus dem Ruhrgebiet seine Eigenständigkeit verliert, entsteht durch die Fusion mit Worthington Steel ein internationaler Player mit verstärkter Marktposition.



