Machtkampf um Commerzbank: Unicredit treibt Übernahme voran
Machtkampf um Commerzbank: Unicredit drängt auf Übernahme

Seit mehr als eineinhalb Jahren kämpft die Commerzbank um ihre Eigenständigkeit. Die italienische Großbank Unicredit erhöht den Druck auf den Dax-Konzern und treibt ihre Übernahmepläne voran. Nun haben die Unicredit-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro zugestimmt. Dies ebnet den Weg für ein offizielles Übernahmeangebot, das bereits am Dienstag, dem 5. Mai, erwartet wird.

Unicredit-Chef Orcel zeigt sich siegessicher

Unicredit-Chef Andrea Orcel betont die klare industrielle Logik einer Fusion. Er ist zuversichtlich, dass der Prozess nicht mehr aufzuhalten ist. Das Tauschangebot sieht vor, dass Commerzbank-Aktionäre 0,485 neue Unicredit-Aktien je Commerzbank-Papier erhalten. Dies entspricht einem Preis von rund 30,80 Euro pro Aktie. Allerdings notiert die Commerzbank-Aktie derzeit höher, was eine Nachbesserung der Offerte möglich macht.

Die Rolle des Bundes

Der deutsche Staat spielt eine unglückliche Rolle in diesem Übernahmepoker. Im September 2024 verkaufte der Bund 4,49 Prozent seiner Commerzbank-Anteile, um die Staatsbeteiligung zu reduzieren. Damals unterschätzte die Regierung offenbar, wie schnell die Unicredit ihre Beteiligung ausbauen würde. Heute kontrollieren die Italiener direkt und indirekt knapp 30 Prozent der Commerzbank. Der Bund hält noch gut 12 Prozent und ist mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat präsent.

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Widerstand aus Frankfurt

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp leistet heftigen Widerstand. Sie wirft der Unicredit eine feindliche Taktik und irreführende Darstellungen vor. Die Bank will mit neuen Finanzzielen und dem Ausblick auf das erste Quartal die Aktionäre von einem eigenständigen Kurs überzeugen. Ein möglicher Stellenabbau steht im Raum. Die Hauptversammlung am 20. Mai wird ein erster Stimmungstest sein.

Zukunft der Commerzbank ungewiss

Die Unicredit sieht in der Übernahme eine Chance, im deutschen Markt stärker zu werden. Europa brauche größere Banken, um mit den USA mithalten zu können, argumentiert Orcel. Die EZB-Bankenaufseherin Claudia Buch teilt diese Einschätzung. Ein Zusammenschluss könnte jedoch Tausende Arbeitsplätze kosten. Die Commerzbank hält dagegen und betont ihre Eigenständigkeit. Ob es zu einer Einigung kommt, bleibt offen.

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