Brillen-Hersteller Menrad nach 130 Jahren insolvent
Der traditionsreiche Brillen-Hersteller Menrad aus Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg hat nach fast 130 Jahren Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, das 1896 gegründet wurde, musste im März 2025 den Betrieb einstellen und 100 Mitarbeiter entlassen.
Sozialplan bringt 1 Million Euro für Mitarbeiter
Nun erhalten die gekündigten Mitarbeiter eine positive Nachricht: Vom Amtsgericht Aalen wurden insgesamt rund 1 Million Euro aus dem Sozialplan an sie ausgezahlt. Diese Summe entspricht etwa 2,5 Monatsgehältern pro Mitarbeiter und stellt nach Angaben des Insolvenzverwalters Florian Zistler die höchstmögliche Auszahlung dar.
„Das war nur möglich, weil wir in den vergangenen Monaten gute Verwertungserlöse erzielt haben“, erklärte Zistler gegenüber der Deutschen Optiker Zeitung (DOZ). Die Auszahlung erfolgte, nachdem das Unternehmen seine Markenrechte und internationalen Beteiligungen veräußert hatte.
Ursachen der Insolvenz
Die Insolvenz von Menrad wurde Ende März 2025 angemeldet und einen Monat später eröffnet. Laut Insolvenzverwalter Zistler war die Finanzierungslücke zu groß, um den Betrieb in seiner bisherigen Form fortzuführen. „Der Geschäftsbetrieb ist unter Vollkosten defizitär“, so Zistler damals gegenüber BILD.
Die Gehälter der Mitarbeiter konnten im laufenden Betrieb nicht mehr erwirtschaftet werden, was auch potenzielle Investoren abschreckte. Die Folge war die Kündigung aller 100 Mitarbeiter, die in Herstellung, Vermarktung und Vertrieb von Brillengestellen und Sonnenbrillen tätig waren.
Verwertung und Übernahmen
Nach der Insolvenzanmeldung veräußerte die Insolvenzverwaltung die Unternehmenswerte:
- Die dänische Design Eyewear Group übernahm im Juni 2025 die Marken Jaguar, Menrad, Joop und Morgan
- 100 Prozent der Anteile an der brasilianischen Vertriebsgesellschaft Menrad do Brasil wurden an deren Geschäftsführer verkauft
- Die 50-prozentige Beteiligung an der Mondottica Deutschland GmbH ging an die Mondottica Limited
Für 10 Außendienstmitarbeiter hatte die Insolvenz eine positive Wendung: Sie wurden von der Design Eyewear Group übernommen. Auch der Münchner Standort, der für Produktdesign und Marketing zuständig war, blieb von der Schließung verschont.
Traditionsunternehmen mit großer Geschichte
Menrad war seit 1896 ein fester Bestandteil der deutschen Brillenindustrie und arbeitete mit zahlreichen bekannten Labels zusammen, darunter Jaguar, Joop und Pepe Jeans. Der Firmensitz in Schwäbisch Gmünd musste jedoch geschlossen werden, was das Ende einer Ära markiert.
Die Auszahlung der 1 Million Euro an die ehemaligen Mitarbeiter stellt zumindest eine finanzielle Entschädigung für den Verlust ihrer Arbeitsplätze dar und zeigt, dass auch in schwierigen Insolvenzverfahren positive Ergebnisse für die Betroffenen erzielt werden können.



