Neue Spezialwerkstatt für DDR-Zweiräder in Aschersleben eröffnet
Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen holen viele Zweirad-Enthusiasten ihre historischen Fahrzeuge aus den Garagen. In Aschersleben und der umliegenden Region erfreuen sich dabei besonders die klassischen DDR-Modelle großer Beliebtheit. Simson-Mopeds und Motorräder aus Zschopau stehen bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen hoch im Kurs, oft als Erbstücke von Eltern oder Großeltern.
Vom Autoservice zur Spezialwerkstatt
Kfz-Meister Normen Baumgarten hat vor drei Jahren die Reifen- und Autoservice-Werkstatt seines früheren Chefs Hartmut Kümmel in der Ottostraße übernommen. Aus anfänglich vier Mitarbeitern sind mittlerweile zwölf Angestellte geworden. In seiner Werkstatt reparierte Baumgarten schon immer wieder Oldtimer aus DDR-Produktion – Simson, MZ und auch Trabant.
Doch die Nachfrage nach spezialisierten Dienstleistungen für DDR-Zweiräder wuchs stetig. „Das hatte sich herumgesprochen“, erklärt Jule Kreuzer, Schwägerin und Mitarbeiterin von Baumgarten. Die Zweiradteile nahmen schließlich so viel Platz in der Autowerkstatt ein, dass eine Erweiterung notwendig wurde.
Quereinsteiger mit Leidenschaft
Mit Peter Jäckel fand Baumgarten den idealen Partner für sein neues Vorhaben. Der 45-jährige war zunächst selbst Kunde und half gelegentlich in der Werkstatt aus. „Ich war 30 Jahre in der Pflege, das habe ich jetzt an den Nagel gehängt“, erklärt Jäckel seinen beruflichen Wechsel. „Die letzten 25 Jahre in der Intensivpflege haben richtig geschlaucht.“
Zu Simson und MZ hat Jäckel eine besondere Beziehung: „Ich bin damit groß geworden. Das ist mein Hobby.“ Seit vier Jahrzehnten schraubt er leidenschaftlich gern an den historischen Zweirädern. Privat fährt er eine 250er ETZ und besitzt mehrere Schätze der Vogelserie.
Ostalgie Motors: Mehr als nur eine Werkstatt
Am 7. März 2026 eröffnete Baumgarten unter dem Namen „Ostalgie Motors“ in der Güstener Straße 18 eine neue Filiale. In dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Feinmechanik Schmeißer entstand eine Spezialwerkstatt mit Teilevertrieb für DDR-Zweiräder.
Das Ambiente ist bewusst ostalgisch gestaltet: Eine Volkspolizist-Puppe begrüßt Besucher am Eingang, hinter dem Tresen aus zwei Ölfässern hängt ein gestaltetes Emblem mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Im Showroom dominiert ein SR2 als Blickfang.
„Die meisten Jugendlichen wollen nur Simson fahren“, hat Jäckel in seinen Gesprächen mit Kunden erfahren. Jule Kreuzer bestätigt diesen Trend: „Die Tendenz zu Simson sei steigend“, verweist sie auf boomende Zweitakt-Treffen in Mehringen und das erste Simson-Treffen am Concordia See im vergangenen Jahr.
Zukunftspläne und Eröffnungsfeier
Zur Eröffnung am 7. März lud Baumgarten zu Grillwürstchen und Bouletten ein. „Es wird bestimmt voll“, vermutete er optimistisch. Die Resonanz auf die Ankündigung in sozialen Medien übertraf alle Erwartungen: „Dass das solche Auswüchse annimmt, hätte ich nicht gedacht“, schmunzelt der Werkstattbetreiber.
Die Pläne für die Zukunft sind ambitioniert. Neben Reparaturen und Restaurationen denkt Baumgarten bereits an Workshops für Mopedfahrer, vielleicht zum Thema Pannenhilfe. „Es sind coole Ideen da und es machen alle mit“, zeigt er sich begeistert von der positiven Resonanz.
Für Trabis bleibt die Werkstatt in der Ottostraße zuständig, während sich Ostalgie Motors ganz auf die Zweiräder spezialisiert. „Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es funktioniert, hätte ich es nicht gemacht“, unterstreicht Baumgarten seine Zuversicht für das neue Geschäftsfeld.



