Ein Stück DDR-Geschichte kehrt zurück: Die Renaissance der Pfeffi-Bonbons
Ein echter Ost-Klassiker erlebt derzeit ein bemerkenswertes Comeback in ganz Deutschland. Die legendären Pfeffi-Bonbons, die nach der Wiedervereinigung fast vollständig aus den Regalen verschwanden, sind heute wieder in aller Munde – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit neuen Sorten und einer Jahresproduktion von rund 50 Tonnen schreibt die Kultmarke ein neues Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte.
Von der DDR-Initiative zum Massenphänomen
Die Geschichte der Pfeffi-Bonbons begann 1953, als der Ministerrat der DDR beschloss, den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen und die Entwicklung eines genussvollen Massenbedarfsartikels in Auftrag gab. Mitarbeiter des VEB Fahlberg-List in Magdeburg erfanden daraufhin 1954 die charakteristischen weißen Rechteck-Bonbons, die zunächst in Leipzig produziert wurden.
Die scharfen, nicht zu süßen Pfefferminzbonbons eroberten rasch ganz Ostdeutschland. Mitte der 1960er Jahre übernahm die KONSUM-Genossenschaft die Produktion im Bonbonspezialbetrieb Leipzig-Markkleeberg und gab den Bonbons das bekannte Etikett der Marke KONSÜ.
Blütezeit und dramatischer Einbruch
In ihrer Hochphase entwickelten sich die Pfeffi-Bonbons zu einem echten Verkaufsschlager. Ein Jugendforscherkollektiv erweiterte die Artikelpalette um Zitronen- und Himbeergeschmack. Die Produktionsteams verbesserten kontinuierlich die Fertigungstechnik und setzten ab 1984 sogar Einlegerroboter ein, um die Arbeiter zu entlasten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- 1989 stellten die Leipziger Werke über 1.660 Tonnen Pfeffi's her
- Monatlich vernaschten Verbraucher in den neuen Bundesländern über 138 Tonnen
- Bis zur Wiedervereinigung wurden einzelne Pfeffistangen rund 200 Millionen Mal verkauft
Doch der politische Umbruch leitete eine dramatische Zäsur ein. Nach und nach verdrängten andere Marken die Pfeffis aus den Süßigkeitenregalen, und 1992 stellten die Betreiber den Betrieb vollständig ein. Für acht Jahre verschwanden die Kultbonbons komplett vom Markt.
Die Rettung durch einen Visionär
Wilfried Opitz, der seit 1968 das Werk geleitet hatte und nach der Wende in der Möbelbranche tätig war, weigerte sich, das Ende der Marke hinzunehmen. Trotz qualifizierter Fachkräfte, modernster Maschinen und marktwirtschaftlich absatzfähiger Bonbonsortimente hatten die KONSUM-Bosse Grund und Boden sowie die Maschinen verkauft.
Opitz entwickelte eine Vision und ließ die Namen „pfeffi“ und „zitro“ schützen. 1999 gründete er die Firma „Pfeffi plus e. K. Leipzig“. Nach jahrelanger Suche fand er in Stephanskirchen bei Rosenheim mit Rainer Hoffmann und dessen Unternehmen „Prickel-Pit“ den idealen Partner, der über geeignete Technik verfügte und sich für das Ostprodukt begeisterte.
Das erfolgreiche Comeback
Zur Internationalen Süßwarenmesse ISM 2000 in Köln stellten Opitz und Hoffmann die Bonbons erstmals wieder vor. Bereits im Jahr 2000 produzierte das Unternehmen über 25 Tonnen. Heute hat sich die Produktion auf rund 50 Tonnen jährlich eingependelt.
Das Sortiment wurde kontinuierlich erweitert:
- Die Bonbons gibt es jetzt auch in runder Form
- Zuckerfreie Varianten bereichern das Angebot
- Seit dem 70. Jubiläum 2024 verkauft der Hersteller neben der klassischen Stange im Fünferpack auch eine runde Plastikdose, eine Schachtel und eine Blechdose
Neue Geschmacksrichtungen wie scharfe Kräuter, Schokominze, Orange-Ingwer, Multifrucht und Kirsch-Minze haben das traditionelle Angebot aus Pfefferminz, Zitrone und Himbeere erweitert. Besonders im Ausland – in Asien und Arabien – finden die fruchtigen Noten wie Kirsche, Orange oder Lemon Mint großen Anklang.
Wilfried Opitz, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging und die Geschäfte komplett an Pit übergeben hat, kann stolz auf sein Lebenswerk zurückblicken. Was als DDR-Massenprodukt begann und nach der Wende fast verschwand, ist heute wieder eine feste Größe im deutschen Süßwarenmarkt – und bereitet sich sogar auf internationale Expansion vor.



