Prignitzer Wirtschaft feiert Unternehmer des Jahres trotz politischer Mahnungen
Prignitzer Wirtschaft ehrt Unternehmer des Jahres

Auszeichnungen und politische Mahnungen beim Ball der Prignitzer Wirtschaft

In der Alten Ölmühle Wittenberge fand am Sonnabend der traditionelle Ball der Prignitzer Wirtschaft statt, bei dem zwei herausragende Unternehmer der Region geehrt wurden. Die Wirtschaftsinitiative Westprignitz (WIW), die VR-Bank Prignitz und der Landkreis zeichneten Martin Lukat, Geschäftsführer des Elbeports, und Hans-Joachim Schulz, Gründer der Firma Dibuka, als „Unternehmer des Jahres“ aus. Die festliche Veranstaltung wurde jedoch von deutlichen Warnungen an die Politik begleitet.

Elbeport: Logistikknoten trotz Bahnsperrung und Spritpreisen

Martin Lukat erhielt die Auszeichnung für seine Leistungen mit dem Elbeport im Gewerbegebiet Süd in Wittenberge. Seit 17 Jahren werden dort täglich tonnenweise Güter umgeschlagen, wobei das Unternehmen als wichtige Schnittstelle zwischen Straße und Bahn fungiert. Laudator Detlef Benecke, selbst Miteigentümer des Elbeports, lobte die „sehr ambitionierte Idee“ und die modernen Schienenanlagen des 2009 gegründeten Unternehmens.

Der Elbeport verfügt über 22.000 Quadratmeter Betriebsfläche und rund 3000 Meter Gleise, auf denen Container mit Stückgut, Schwer- und Massengut sowie Flüssiggut umgeschlagen werden. Ursprünglich als trimodaler Standort mit Bahn-, Lkw- und Wasserverkehr geplant, konzentriert sich das Unternehmen heute vor allem auf die Verbindung von Straßen- und Schienenverkehr, da die Elbe nur begrenzt schiffbar ist.

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Doch seit August des vergangenen Jahres kämpft der Elbeport mit erheblichen Herausforderungen. Die monatelange Sperrung der Hauptstrecke Berlin-Hamburg beeinträchtigt den Güterverkehr erheblich. Zwar gibt es einen nächtlichen Korridor von Wittenberge Richtung Stendal, doch dieser kann den Zugverkehr auf der Hauptstrecke nicht kompensieren. Martin Lukat zeigte sich dennoch optimistisch: „Wir sind bisher gut durch die Streckensperrung gekommen und werden auch die Verlängerung der Bahnsperrung gut überleben.“

Die Bahn hatte angekündigt, dass die Strecke ab Hagenow Richtung Berlin erst Mitte Mai wieder geöffnet wird – und nicht wie geplant Anfang April. Dies führt seit Monaten zu deutlich mehr Lkw-Verkehr auf den Straßen Wittenberges, worauf die Stadt mit Tempo-30-Zonen für Lkw ab 7,5 Tonnen reagiert hat. Lukat äußerte Verständnis für die Beschwerden der Anwohner.

Weitere Belastungen sind der frostreiche Winter, der den Güterumschlag erschwerte, sowie die hohen Spritpreise. „Trotz der katastrophalen Preisentwicklung gibt es bei uns aber keinen Tanktourismus“, versicherte Lukat. „Wir werden weiter hier in der Region tanken.“ Das Unternehmen verhandelt mit Kunden, um die Spritpreise nicht vollständig auf die Kosten umzulegen. Trotz aller Schwierigkeiten hat der Elbeport seine Mitarbeiterzahl auf aktuell 36 aufgestockt. „Wir werden dranbleiben und durchziehen“, betonte Lukat.

Dibuka: Spezialist für Brand- und Katastrophenschutz

Die zweite Auszeichnung ging an Hans-Joachim Schulz, Gründer der Firma Dibuka mit Standorten in Perleberg und Seehausen (Altmark). Das Unternehmen ist im Brand- und Katastrophenschutz aktiv und setzt sich unter anderem bei Waldbränden oder auf munitionsbelasteten Flächen ein. Dibuka verfügt über einen beachtlichen Fuhrpark, darunter Feuerlöschpanzer mit 11.000 Litern Fassungsvermögen, schwimmtaugliche Lastenfähren, Kettenbagger und Radlader. Zusätzlich betreibt das Unternehmen Fahrschulen in Wittenberge, Perleberg, Osterburg und Seehausen.

Politische Mahnungen und kritische Töne

Trotz der festlichen Auszeichnungen fehlte es nicht an deutlichen Warnungen an die Politik. Gordon Hoffmann (CDU), Prignitzer Landtagsabgeordneter und künftiger Brandenburger Bildungsminister, sprach von einer „wirklich dramatischen“ Haushaltslage im Land. Allein im Jahr 2027 fehlten 3,4 Milliarden Euro im Brandenburger Haushalt. „Es ist nicht die Zeit für Steuergeschenke oder Wohltaten“, betonte Hoffmann.

Der Wittenberger Unternehmer Detlef Benecke mahnte Reformen an: „Nicht arbeiten lohnt sich in Deutschland. Das muss sich ändern.“ Er appellierte an den Unternehmergeist seiner Kollegen und bezeichnete den Mittelstand als „Speerspitze der deutschen Wirtschaft“.

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Landrat Christian Müller (SPD) kritisierte in einer schriftlichen Stellungnahme hohe Energiekosten und einen fehlenden Bürokratieabbau. „Noch hat die Bundesregierung nicht geliefert, was sie versprochen hat.“ Dennoch zeigte er sich optimistisch für die Prignitz: „Unternehmen mit weiter vollen Auftragsbüchern und Investitionen in der Prignitz von mehr als 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr machen Mut.“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Sängerin Annemarie Eilfeld aus Sachsen-Anhalt, die für Unterhaltung sorgte. Insgesamt bot der Ball der Prignitzer Wirtschaft eine Mischung aus Feierlaune und ernsten Diskussionen über die wirtschaftlichen Herausforderungen der Region.