Milliardendeal in der Rüstungsindustrie: Rheinmetall übernimmt Lürssen-Gruppe mit Traditionswerft in MV
Rheinmetall übernimmt Lürssen-Gruppe mit Werft in MV

Milliardendeal in der Rüstungsindustrie: Rheinmetall übernimmt Lürssen-Gruppe mit Traditionswerft in MV

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat seine Position als Deutschlands größter Waffenhersteller weiter ausgebaut. Nachdem alle kartellrechtlichen Freigaben vorliegen, ist die Übernahme des Bremer Marineunternehmens NVL, einer Tochter der Lürssen-Gruppe, nun offiziell abgeschlossen. Mit diesem milliardenschweren Deal erweitert Rheinmetall sein Geschäftsfeld erstmals in den Schiffbau und wird damit zu einem domänenübergreifenden Systemhaus.

Vier Werften wechseln den Besitzer

Das übernommene Unternehmen Naval Vessels Lürssen (NVL) beschäftigt rund 2100 Mitarbeiter und betreibt vier Werften in Deutschland. Neben dem Verwaltungssitz in Bremen befinden sich Standorte in Wilhelmshaven in Niedersachsen, zwei Werften in Hamburg sowie eine Traditionswerft in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern, die als Peene-Werft bekannt ist. NVL spezialisiert sich auf den Bau von Marineschiffen, darunter Fregatten, Korvetten, Patrouillenboote, Versorgungsschiffe und Minenräumer für die deutsche Marine und internationale Streitkräfte.

Für das vergangene Jahr erwartete Rheinmetall einen NVL-Umsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro mit einer operativen Marge von zehn Prozent. Die ambitionierten Ziele des Konzerns sehen vor, bis zum Jahr 2030 den Umsatz auf fünf Milliarden Euro zu steigern und die Gewinnmarge auf 15 Prozent zu erhöhen. Rheinmetall selbst beschäftigt weltweit rund 40.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von deutlich über zwölf Milliarden Euro.

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Strategische Expansion und Wachstumsziele

Rheinmetall plant, das Geschäft mit Marineschiffen deutlich auszubauen und strebt für die neue Sparte eine jährliche Umsatzsteigerung von etwa 30 Prozent an. Konzernchef Armin Papperger betonte in einer Stellungnahme: „Rheinmetall wird künftig zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein und entwickelt sich damit zum domänenübergreifenden Systemhaus.“ Es entstehe ein leistungsfähiger Komplettanbieter für hochmoderne Überwasserschiffe.

Das Unternehmen rechnet damit, dass von den angestrebten fünf Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2030 etwa drei Milliarden Euro aus dem Inlandsgeschäft und zwei Milliarden Euro aus Exporten stammen werden. Potenzielle Märkte sieht Rheinmetall unter anderem in Italien, Griechenland, der Türkei, den USA, Indonesien, Singapur und Neuseeland. Insbesondere in den USA erwartet der Konzern gute Geschäftschancen, da dort nach eigener Einschätzung nicht genügend Werftkapazitäten vorhanden sind.

Hintergründe und Branchenreaktionen

Die angespannte weltpolitische Lage und die erhöhten Militärausgaben der Nato-Staaten bieten ein erhebliches Wachstumspotenzial für die Rüstungsindustrie. Deutschland plant in den kommenden Jahren Milliardensummen in Heer, Luftwaffe und Marine zu investieren, wobei diese Ausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen sind. Dies schafft günstige Rahmenbedingungen für Unternehmen wie Rheinmetall.

Ein Branchenkenner, der anonym bleiben möchte, sieht in der Übernahme eine strategische Weichenstellung. „Eine Werftenkonsolidierung in Deutschland lag in der Luft – und nun greift ausgerechnet Rheinmetall zu, das bislang gar keine eigene Werft hatte.“ Die Thyssenkrupp-Tochter TKMS aus Kiel wird dabei als Verlierer der Transaktion betrachtet, da in der Vergangenheit mehrfach Versuche unternommen wurden, eine Zusammenarbeit zwischen Lürssen und TKMS zu etablieren.

Für Rheinmetall bedeutet der Zukauf einen erheblichen Kompetenzgewinn. Bislang war das Unternehmen im Marinegeschäft vor allem als Zulieferer für Waffensysteme und Elektronik tätig. Künftig kann es komplette Schiffe inklusive Ausrüstung anbieten, was die Verhandlungsposition stärkt und die Entwicklung von maritimen Waffensystemen erleichtert. Die Übernahme markiert somit einen bedeutenden Schritt in der Unternehmensgeschichte und unterstreicht die wachsende Bedeutung der Rüstungsindustrie in Deutschland.

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