Rheinmetall sticht in See: Übernahme von NVL abgeschlossen
Der deutsche Rüstungsgigant Rheinmetall hat seine Expansion in den Marinesektor mit dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme des Bremer Marineunternehmens NVL (Naval Vessels Lürssen) vollzogen. Nachdem alle kartellrechtlichen Freigaben erteilt wurden, kann der Panzer- und Munitionshersteller nun auch Schiffe bauen und vertreiben.
Vier Werften wechseln den Eigentümer
Mit dem Kauf übernimmt Rheinmetall nicht nur das Unternehmen NVL mit seinen 2.100 Beschäftigten, sondern auch vier Werften in Deutschland: eine in Wilhelmshaven in Niedersachsen, zwei in Hamburg und eine in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern. Der Verwaltungssitz bleibt in Bremen. NVL spezialisiert sich auf den Bau von Fregatten, Korvetten, Patrouillenbooten, Versorgungsschiffen und Minenräumern für die deutsche Marine sowie für ausländische Marinen und Behörden.
Ambitiöse Wachstumspläne für die Marinesparte
Rheinmetall peilt für seine neue Marinesparte eine jährliche Umsatzsteigerung von etwa 30 Prozent an. Bis zum Jahr 2030 könnte der Umsatz im Marinebereich auf rund fünf Milliarden Euro anwachsen, wovon schätzungsweise drei Milliarden Euro aus Deutschland und zwei Milliarden Euro aus dem Ausland stammen sollen. Potenzielle Exportmärkte sind Italien, Griechenland, die Türkei, die USA, Indonesien, Singapur und Neuseeland.
Strategische Bedeutung der Übernahme
Firmenchef Armin Papperger betonte die strategische Bedeutung des Deals: „Rheinmetall wird künftig zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein und entwickelt sich damit zum domänenübergreifenden Systemhaus.“ Durch die Übernahme entstehe ein leistungsfähiger Komplettanbieter für hochmoderne Überwasserschiffe. Bisher war Rheinmetall im Marinegeschäft nur als Zulieferer für Waffensysteme und Elektronik tätig, nun kann das Unternehmen komplette Schiffe inklusive Ausrüstung anbieten.
Hintergrund: Weltpolitische Lage und Investitionen
Die angespannte weltpolitische Situation und die erhöhten Militärausgaben der Nato-Staaten bieten ein großes Wachstumspotenzial. Deutschland plant in den kommenden Jahren Milliardeninvestitionen in Heer, Luftwaffe und Marine, wobei die Ausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen sind. Rheinmetall sieht in NVL eine profitable Ergänzung, da Konkurrenten wie TKMS aus Kiel, BAE Maritime aus Großbritannien oder Naval Group aus Frankreich laut Papperger weniger profitabel wirtschaften.
Branchenreaktionen und Ausblick
Ein Branchenkenner, der anonym bleiben möchte, sieht die Thyssenkrupp-Tochter TKMS als Verlierer der Transaktion. „Eine Werftenkonsolidierung in Deutschland lag in der Luft – und nun greift ausgerechnet Rheinmetall zu, das bislang gar keine eigene Werft hat.“ Die eigene Schiffskompetenz erleichtert Rheinmetall zudem die Entwicklung von Waffensystemen für den Einsatz auf hoher See. Der Kaufpreis wurde nicht offengelegt, Verkäufer ist die Bremer Werftengruppe Lürssen, die sich künftig auf den Yachtbau konzentrieren wird.



