Bitteres Resümee eines Unternehmers aus der Uckermark
Erhard Steiner blickt auf eine lange Zeit als Selbstständiger zurück. Der Schritt in die berufliche Unabhängigkeit im Jahr 1993 wurde jedoch nicht aus unternehmerischem Tatendrang gewagt, sondern aus der Angst vor Arbeitslosigkeit heraus. „Das war damals auch für mich ein unbekanntes Kapitel, der Einstieg kompliziert, denn es ging nicht ohne Kredit“, erklärt Steiner mit Bezug auf Nordkurier-Berichte über die Schwierigkeiten des Unternehmertums.
Plötzlich 800 D-Mark für die Krankenkasse
Die neue Selbstständigkeit brachte unerwartete Herausforderungen mit sich. Steiner erinnert sich: „Ich musste plötzlich 800 D-Mark monatlich für die Krankenkasse bezahlen. Da ich immer das Wichtigste im Auge haben musste, war ich daher zeitweise nicht einmal mehr krankenversichert.“ Die hohen Beiträge stellten eine enorme finanzielle Belastung dar, die ihn zwang, Prioritäten zu setzen – oft zu Lasten seiner eigenen Absicherung.
Als das Auftragsvolumen wuchs, wandte sich Steiner als Selbstständiger an das Arbeitsamt und erhielt eine ABM-Kraft zugewiesen. Doch auch diese Maßnahme entwickelte sich zum Problem: „Die Behörde legte fest, was ich dieser bezahlen musste. Meine Festangestellten und ich kamen an diesen Lohn nicht heran“, berichtet er. Die staatlich vorgegebenen Lohnkosten überstiegen seine finanziellen Möglichkeiten, sodass er die ABM-Stelle wieder auflösen musste.
Staatliche Einmischung und fehlende Flexibilität
Steiner kritisiert die Einmischung des Staates in unternehmerische Entscheidungen: „Der Staat mischt sich in Sachen ein, die ihn nichts angehen. Ich bin doch der Kreditnehmer und muss für alles haften. Ich möchte daher auch selbst die Höhe der Löhne festlegen können.“ Seiner Meinung nach benötigen Firmen Raum zum Wachsen, bevor sie höhere Löhne zahlen können. Diese fehlende Flexibilität habe ihn in seiner unternehmerischen Entwicklung stark eingeschränkt.
Seine Mitarbeiter seien über seine eigene finanzielle Situation informiert gewesen, was zu einer gewissen Akzeptanz geführt habe. Doch die strukturellen Probleme blieben bestehen und trieben ihn schließlich in die Insolvenz.
Am Ende zum Sozialamt gegangen
Als Steiner kapitulierte, suchte er selbst das Sozialamt auf – eine bittere Ironie für den ehemaligen Unternehmer. „Da wurde meine Krankenversicherung bezahlt, ich war richtig sprachlos“, gibt er zu. Sein Fazit fällt vernichtend aus: „Ich habe so viel gearbeitet und bin durch die ständigen Reformen trotzdem ins Strudeln geraten. Warum fängt man Selbstständige nicht auf und bezahlt vorübergehend die Krankenkasse?“
Die Bilanz seiner Firma habe klar die prekäre Situation gezeigt, doch staatliche Unterstützung blieb aus. Aus heutiger Sicht würde er sich nie wieder selbstständig machen, zumal die intensive Arbeitsphase später in der Rentenkasse fehle.
Selbstständige als Ausgeschlossene der Gemeinschaft
Steiners bitteres Resümee lautet: „Die Selbstständigen schließt man aus der Gemeinschaft aus.“ In Diskussionen über die Gründe für sinkende Firmengründungen argumentiert er: „Wer dieses ungerechte Spiel einmal erlebt hat, der muss nicht alle Tassen im Schrank haben, wenn er das nochmals riskiert. Als Selbstständiger bist du in diesem Staat ein Nichts.“
Seine Kritik richtet sich auch gegen das Beamtenwesen: „Selbstständige schaffen Arbeitsplätze, durch Kauf und Verkauf kommen Steuern. Beamte leben hingegen wie die Maden nur von den Steuern.“ Zwar seien einige Beamten leistungsbereit, doch ein Teil lebe nur von der Substanz anderer – so seine Meinung zur aktuellen Situation.
Die Geschichte Erhard Steiners steht exemplarisch für die Herausforderungen vieler Selbstständiger in strukturschwachen Regionen wie der Uckermark. Hohe bürokratische Hürden, inflexible staatliche Vorgaben und mangelnde Absicherung im Krankheitsfall können selbst engagierte Unternehmer in die Insolvenz treiben.



