Regierung verschärft Kartellrecht gegen Spritpreis-Abzocke nach Iran-Krieg
Spritpreis-Paket: Regierung verschärft Kartellrecht gegen Abzocke

Regierungspaket gegen Spritpreis-Abzocke nach Iran-Konflikt

Als direkte Reaktion auf die massiv gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs hat die Bundesregierung ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Politiker hatten zuvor mehreren Mineralölkonzernen öffentlich „Abzocke“ an den Tankstellen vorgeworfen und fordern nun entschiedenes Gegensteuern.

Iran-Krieg treibt Ölpreise in die Höhe

Der Schiffsverkehr auf der strategisch wichtigen Straße von Hormus, einer entscheidenden Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist durch eine Blockade Irans nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Diese Entwicklung treibt die globalen Ölpreise kontinuierlich in die Höhe und wirkt sich unmittelbar auf die Kraftstoffkosten in Deutschland aus.

Laut Tomaso Duso, dem Vorsitzenden der Monopolkommission, sind die Spritpreise in Deutschland besonders stark gestiegen – deutlich stärker als im europäischen Durchschnitt. Diese Daten stammen aus aktuellen Erhebungen der EU-Kommission zu den Kraftstoffpreisen in allen 27 Mitgliedsstaaten. „Die überdurchschnittlichen Preisanstiege in Deutschland deuten klar auf strukturelle Probleme im heimischen Mineralölmarkt hin, die dringend angegangen werden müssen“, betonte Duso.

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Einmal-Täglich-Regel nach österreichischem Vorbild

Ein zentraler Bestandteil des neuen Regierungspakets ist die sogenannte Einmal-Täglich-Regel. Nach diesem Modell, das sich am österreichischen Vorbild orientiert, dürfen Tankstellen künftig nur noch einmal täglich – und zwar genau um 12 Uhr mittags – ihre Preise erhöhen. Preissenkungen sollen dagegen jederzeit möglich bleiben, um flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können.

Verstöße gegen diese neue Regelung könnten mit empfindlichen Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden, wie aus informierten Regierungskreisen verlautete. Die Bundesregierung erhofft sich von dieser Maßnahme mehr Transparenz für Verbraucher und weniger kurzfristige, unvorhersehbare Preissprünge an der Zapfsäule. Allerdings wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert, ob diese Regelung tatsächlich eine dauerhafte preisdämpfende Wirkung entfalten kann.

Verschärfung des Kartellrechts geplant

Ein weiterer wesentlicher Pfeiler des Maßnahmenpakets betrifft die Verschärfung der Missbrauchsaufsicht im Kraftstoffsektor. Dem Bundeskartellamt soll es künftig deutlich erleichtert werden, gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Mineralölbereich vorzugehen, sobald konkrete Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen.

Wie aus Regierungskreisen detailliert erklärt wurde, soll sich bei stark steigenden Preisen künftig sogar die Beweislast umkehren: Die betroffenen Unternehmen müssten dann aktiv darlegen und nachweisen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Diese Regelung orientiert sich an bereits bestehenden Mechanismen im Strom- und Gasmarkt und soll den Kartellbehörden deutlich effektivere Interventionsmöglichkeiten bieten.

Zusätzlich sollen sogenannte Sektoruntersuchungen des Bundeskartellamts beschleunigt werden, um Wettbewerbsstörungen schneller zu identifizieren und entsprechende Abhilfemaßnahmen zügiger umsetzen zu können. Die Handlungsfähigkeit und Durchsetzungskraft der Kartellbehörde soll damit nachhaltig gestärkt werden.

Politische Forderungen und Taskforce-Einsatz

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Regierung eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts im Kraftstoffsektor prüfe, die zu intensiveren Kontrollen bei Kosten und Preisen führen solle.

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn unterstützte diese Pläne nachdrücklich und forderte, das Kartellrecht müsse konsequent nachgeschärft werden – „damit die Mineralölkonzerne nicht infolge der aktuellen Krise auf dem Rücken der Verbraucher ihre Gewinne unverhältnismäßig steigern können“. Zorn sprach sich zudem für die Einführung einer „Spritpreisbremse“ aus, die verhindern soll, dass die Preise für Benzin und Diesel stärker steigen als der Rohölpreis selbst.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) ging in der „Bild“-Zeitung noch einen Schritt weiter und forderte eine vorübergehende Verringerung der Energiesteuer, bis sich der Markt wieder normalisiert habe.

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Am Montag tagte in Berlin eine von der Koalition eigens eingesetzte Taskforce zu den steigenden Preisen. An dem Treffen nahmen neben dem Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, auch Vertreter mehrerer Mineralölkonzerne teil. Die Federführung für diese Arbeitsgruppe liegt bei Armand Zorn (SPD) sowie Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU).

Aktuelle Preisentwicklung und Verkehrsverhalten

Die Spritpreise sind unterdessen weiter gestiegen. Wie der ADAC am Samstag mitteilte, verteuerten sich Diesel und E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt erneut leicht. Ein Liter Diesel kostete demnach durchschnittlich 2,153 Euro – ein Anstieg um 0,4 Cent gegenüber dem Vortag. E10 kostete 2,035 Euro pro Liter, was einer Steigerung um 0,7 Cent entsprach.

Beide Kraftstoffsorten verzeichneten damit den zweiten Tag in Folge Preissteigerungen, liegen aber dennoch etwas unter den Höchstwerten vom Dienstag, dem bisher teuersten Tag seit Beginn des Iran-Krieges.

Interessanterweise zeigt eine aktuelle Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die Deutsche Presse-Agentur, dass Autofahrer trotz der hohen Spritpreise offenbar nicht messbar weniger fahren. „Unsere Daten liefern keinerlei Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der aktuellen Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist“, erklärte ein TomTom-Sprecher. „Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell sogar höher. Dies könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen.“

Die Ressortabstimmung für die notwendigen Gesetzesänderungen wurde bereits am Sonntag eingeleitet, wie ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte. Die geplanten Maßnahmen sollen zügig umgesetzt werden, um Verbraucher vor überhöhten Spritpreisen zu schützen und mehr Fairness auf dem Mineralölmarkt zu gewährleisten.