Ära des Uckerkaas geht nach 25 Jahren zu Ende
Seit der Wende hat die niederländische Familie Wolters in der Uckermark bei Prenzlau nicht nur Landwirtschaft betrieben und Milchvieh gezüchtet, sondern auch Käse nach traditioneller holländischer Art produziert. Die beliebten Uckerkaas-Laibe mit Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräuter und Bärlauch werden jedoch Ende 2026 aus den Regalen verschwinden. Verkaufsleiterin Nancy Dräger bestätigte gegenüber dem Nordkurier: "Der Verkauf des eigenen Käses läuft Ende 2026 aus."
Enkelin des Gründers übernimmt das Ruder
Junior-Chefin Amy Wolters, die 23-jährige Enkelin des Gründers Pieter Wolters, betonte im Gespräch mit der Redaktion, dass ihre Familie seit über drei Jahrzehnten für landwirtschaftliche Leidenschaft und gelebte Regionalität in der Uckermark stehe. "Was 1994 mit dem Umzug einer holländischen Bauernfamilie begann, entwickelte sich zu einer echten Erfolgsgeschichte", so Wolters. Mit der Gründung der eigenen Käserei 1999 und dem ersten Uckerkaas 2001 wurde der Grundstein für eine starke regionale Marke gelegt.
Die dafür verwendete Milch stammt bis heute aus der eigenen Herde – ein wichtiger Bestandteil der transparenten Wertschöpfungskette. Doch nun befinde sich das Unternehmen in einem neuen, wichtigen Abschnitt seiner Entwicklung. "Der Generationswechsel von Gründer zu Enkelin bringt frischen Wind, neue Ideen und eine klare strategische Weiterentwicklung mit sich", erklärte die junge Unternehmerin.
Gründe für das Aus der Käseproduktion
Aufgrund stark gestiegener Energiepreise, wachsender regulatorischer Anforderungen sowie des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf kleine handwerkliche Betriebe sei eine rentable Fortführung der hofeigenen Käseherstellung heute kaum noch möglich. "Diese Entscheidung ist der Familie nicht leicht gefallen, da der Käse einst den Ursprung der gesamten Entwicklung markierte", bedauerte Amy Wolters.
Gleichzeitig eröffne dieser Schritt neue Perspektiven: "Auch in Zukunft wird Käse ein fester Bestandteil des Q-Regio-Sortiments bleiben – jedoch bezogen von ausgewählten Partnerbetrieben und traditionellen Herstellern", so die Junior-Chefin. Dazu zählen Betriebe aus der niederländischen Heimat der Familie Wolters sowie andere regionale Manufakturen.
Zukunft des Unternehmens: Eis und Fruchtaufstriche
Das Unternehmen wird jedoch weiterproduzieren – und zwar das begehrte Eis sowie Fruchtaufstriche. Eigens dafür haben die Mitarbeiter in den letzten Tagen den Umzug des kleinen Käselädchens in die große grüne Halle gemanagt, wo ab sofort der Hofladen zu finden ist. Sichtbar wird der Wandel durch die Eröffnung des neuen Hofladens in der Q-Regio-Halle in Bandelow.
Produkte wie Eis, Softeis, Aufstriche, Liköre und Sirupe – unter anderem der Marke "Uckermärker Fruchtzauber" – sollen künftig direkt in der Q-Regio-Halle hergestellt werden. Auch hier bleibt die eigene Milch aus der Herde die Basis für die Herstellung, insbesondere für die Eisproduktion.
Q-Regio: Vom kleinen Betrieb zur erfolgreichen Vermarktungsplattform
Parallel zur Käseproduktion entwickelte das Unternehmen die mehrfach als bester Online-Shop prämiierte Vermarktungskette Q-Regio. Aus dem kleinen Bandelow heraus floriert seitdem der Handel mit einheimischen Produkten. Das Sortiment umfasst über tausend Erzeugnisse, die vielerorts direkt erworben oder online bestellt werden können.
- 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer
- 30 Prozent sind private Bestellungen
- Mehr als 70 Hersteller stehen bei Q-Regio unter Vertrag
- Das Sortiment reicht von Fleisch- und Wurstprodukten bis hin zu Wildkreationen
- Bio-Konserven laufen ausgesprochen gut
Abnehmer sind neben Privatkunden auch kleinere Hofläden und Großbesteller wie die "Karls Höfe" an der Küste. Frische Produkte aus der Uckermark bekommt man weiterhin unter anderem im Q-Regio-Laden in Prenzlau.
Positive Aussichten und Arbeitsplatzsicherheit
Verkaufsleiterin Nancy Dräger, die seit 21 Jahren im Unternehmen tätig ist, bilanziert, dass 2026 nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr erstaunlich positiv gestartet sei und dass die Umsatzzahlen Hoffnung für eine Ära nach dem "Uckerkaas" machten. Die beste Nachricht zum Schluss: Kündigungen wird es im Zuge der Umstrukturierung laut Geschäftsführung nicht geben.
"Q-Regio bleibt seinen Werten treu, entwickelt sich aber konsequent weiter", fasste Amy Wolters zusammen. "Regionalität, Partnerschaft und Qualität stehen weiterhin im Mittelpunkt – ergänzt durch neue Strukturen, frische Ideen und den Blick nach vorn. So wird aus einer gewachsenen Tradition heraus der nächste Schritt gemacht: hin zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Regionalvermarktung."
Wer noch einen der beliebten Uckerkaas-Laibe in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen probieren möchte, sollte sich allerdings beeilen – die Vorräte sind begrenzt.



