Unicredit drängt mit Milliardenangebot auf Commerzbank-Übernahme
Die italienische Großbank Unicredit treibt ihre Ambitionen auf eine Übernahme der Commerzbank mit einem neuen Milliardenangebot voran. Unicredit-Chef Andrea Orcel hat in einer Telefonkonferenz klargestellt: „Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen.“ Mit diesem Vorstoß will das Mailänder Geldhaus die deutsche Privatbank und die Bundesregierung an den Verhandlungstisch zwingen.
Das konkrete Angebot der Italiener
In einem freiwilligen Tauschangebot bietet Unicredit für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere an. Dies entspricht einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil und bewertet die Frankfurter Bank mit knapp 35 Milliarden Euro. Das Angebot stellt einen Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März dar und zielt darauf ab, die rechtlich bedeutsame 30-Prozent-Schwelle zu überwinden.
Unicredit betont jedoch, dass sie eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent anstrebt, „ohne die Kontrolle zu erlangen“. Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden mit einer Annahmefrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai plant Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, um die Zustimmung ihrer Aktionäre für die notwendige Kapitalerhöhung einzuholen.
Strategische Hintergründe und Widerstände
Orcel sieht in einer kombinierten Bank Chancen im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa benötige im Wettlauf mit starken US-Geldhäusern größere Finanzinstitute. „Ich glaube an Deutschland und den Mittelstand“, bekräftigte der Unicredit-Chef.
Doch auf deutscher Seite regt sich erheblicher Widerstand:
- Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp verteidigt die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln
- Die Bundesregierung lehnt eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank bisher vehement ab
- Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) betont, die Interessen von Mitarbeitern und Mittelstand müssten angemessen berücksichtigt werden
- Die Gewerkschaft Verdi fürchtet einen massiven Jobabbau ähnlich wie bei der HVB-Übernahme 2005
Historische Entwicklung und aktuelle Dynamik
Die Tür für Unicredit hatte ausgerechnet die damalige Ampel-Koalition geöffnet, als sie einen verunglückten Teilausstieg bei der Commerzbank vollzog. Orcel nutzte diese Gelegenheit im September 2024 für einen überraschenden Einstieg bei der Commerzbank. Seither baute Unicredit ihre Beteiligung kontinuierlich aus und löste den deutschen Staat als größten Aktionär ab.
Aktuell kontrolliert Unicredit inklusive Finanzinstrumenten 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre das italienische Geldhaus gesetzlich zu einer Pflichtübernahmeofferte verpflichtet – ein Szenario, das mit dem aktuellen freiwilligen Angebot vermieden werden soll.
Reaktionen aus der Belegschaft und Politik
Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel nannte den jüngsten Schritt der Unicredit „geschäftsschädigend“ und „die nächste Stufe der Unverschämtheit“. Er kündigte entschiedenen Widerstand an: „Wenn Orcel Synergieeffekte heben will, bräuchte es einen Stellenabbau. Dafür bräuchte er uns Betriebsräte. Die Commerzbank-Betriebsräte haben bewiesen, dass sie zäh sind.“
Bereits bei der Hauptversammlung 2025 hatten Commerzbank-Mitarbeiter gegen das Vorgehen der Unicredit protestiert. Die Angst vor einem Schrumpfkurs ist in der Belegschaft spürbar, besonders angesichts der bereits von Orlopp angekündigten Stellenstreichungen von etwa 3.900 Positionen.
Hessens Ministerpräsident Rhein formulierte klare Kriterien für die weitere Prüfung: „Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird.“ Die Bundesregierung hält aktuell noch rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile, nachdem sie das Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte.



