Traditionsbetrieb in Güstrow: Warener Waschfee übernimmt Textilreinigung mit 140-jähriger Geschichte
Ein bedeutender Wirtschaftsbetrieb in der Region Güstrow steht vor einem Eigentümerwechsel: Die traditionsreiche Güstrower Textilreinigung wird von der Warener Großwäscherei Waschfee übernommen. Geschäftsführer Michael Trost, der den Betrieb seit Jahrzehnten leitet, hat den Verkauf eingeleitet, bleibt aber während einer Übergangsphase bis Jahresende als Ansprechpartner vor Ort.
Ein regionaler Wirtschaftsfaktor mit Tradition
Die Güstrower Textilreinigung ist ein nicht wegzudenkender Betrieb in der Region. Mit über 20 Annahmestellen in der Umgebung, etwa 1000 Firmenkunden und 26 Mitarbeitern sorgt die Wäscherei mittlerer Größe für Sauberkeit in der Region. Täglich werden rund drei Tonnen Wäsche gewaschen und 250 Teile gereinigt – eine beeindruckende Leistung für einen Betrieb dieser Größenordnung.
Im Vergleich zu Großbetrieben wie in Wismar, wo täglich 79 Tonnen Wäsche gereinigt werden, bleibt in Güstrow der Fokus auf kleinen Posten mit viel Hand- und Qualitätsarbeit sowie einer nahezu familiären Mitarbeiteratmosphäre erhalten, betont Geschäftsführer Michael Trost.
Nahtlose Übergangsphase bis Jahresende
Der Übergang soll für Kunden und Mitarbeiter möglichst reibungslos verlaufen. In einer bis zum Jahresende andauernden Übergangszeit wird ein neuer Betriebsleiter als Geschäftsführer für Güstrow eingearbeitet, während Michael Trost weiterhin als Ansprechpartner vor Ort fungiert. Stefan Müller von der Waschfee übernimmt die übergeordnete Geschäftsführung.
„Der Kunde jedenfalls wird keine Veränderung spüren“, verspricht Trost. Auch die Preise und die bewährten Abläufe sollen unverändert bleiben.
Altersgründe und neue Leidenschaft als Beweggründe
Michael Trost begründet den Verkauf mit Altersgründen: „Im vorigen Sommer habe ich beschlossen: In den nächsten fünf Jahren gibst du das Geschäft aus Altersgründen weiter.“ Gleichzeitig möchte er mehr Zeit für seine neu gewachsene Passion haben – die Galerie „Kunst am alten Hafen“, die sich direkt im Wäschereigelände befindet.
Die Entscheidung fiel schneller als erwartet: „Dass es dann doch so schnell gehen würde, hätte ich kaum vermutet. Offenbar hatte sich herumgesprochen, dass wir gut ausgestattet sind.“ Drei Bewerber standen vor der Tür, darunter neben der Waschfee auch ein junger Hamburger Textilreiniger.
Modernste Ausstattung und nachhaltige Arbeitsweise
Die Güstrower Textilreinigung verfügt über eine beeindruckende technische Ausstattung:
- Maschinen aus neuester Technik
- Eine vollautomatische Mangelstraße, die Textilstücke selbst auflegt und faltet
- Eine digitale Kennung für die Kleidung zur direkten Kundenzuordnung
Besonders hervorzuheben ist die nachhaltige Arbeitsweise des Betriebs: „Wir mischen und dosieren unsere Waschmittel selbst, sodass möglichst wenig Wasser und Chemie verbraucht werden“, erklärt Trost.
Eine bewegte Unternehmensgeschichte seit 1881
Die Güstrower Textilreinigung blickt auf eine spannende 140-jährige Geschichte zurück. Gegründet 1881 als Färberei und „chemische Waschanstalt“, erlebte das Unternehmen zahlreiche Wandlungen:
- Der zweite Inhaber, Gustav Katzenberger, wurde nach 1945 enteignet und musste als einfacher Arbeiter weitermachen
- Die Textilreinigung wurde verstaatlicht
- Bis zur Wende gab es eine Maß- und Berufsbekleidungs-Schneiderei, eine Schusterwerkstatt sowie Strumpf- und Schirmreparaturen
Michael Trost selbst ist bereits seit 40 Jahren mit dem Betrieb verbunden. 1986 begann er als einfacher Mitarbeiter, erwarb nach der Wende gemeinsam mit zwei Kollegen die Traditionsfirma und modernisierte den völlig überholten Maschinenbestand grundlegend.
Perspektiven für die Zukunft
Für die Warener Großwäscherei Waschfee war die Entscheidung für den Güstrower Betrieb strategisch: Man habe sich für einen erfahrenen Betrieb in der Region und die Möglichkeit entschieden, in Güstrow speziell als Handwerksmanufaktur so weiter zu arbeiten wie bisher.
Michael Trost freut sich darauf, künftig mehr Zeit für seine Galerie „Kunst am alten Hafen“ zu haben, die er weiterführen darf. Ein Stück Regionalgeschichte bleibt damit erhalten, während ein neues Kapitel für den traditionsreichen Betrieb beginnt.



