Experten entkräften Gerüchte über gepanschten Sprit an deutschen Tankstellen
In sozialen Netzwerken wie TikTok verbreiten sich derzeit besorgniserregende Behauptungen über angeblich gestreckte Kraftstoffe an deutschen Tankstellen. Nutzer mit teilweise zehntausenden Followern stellen die Qualität von Benzin und Diesel in Frage und behaupten, gepanschter Sprit führe zu geringerer Reichweite und sogar zu Fahrzeugschäden. Doch Experten und Verbände widersprechen diesen Gerüchten entschieden und betonen die Sicherheit der Kraftstoffe.
Keine Belege für Manipulationen
Der ADAC, der rund 22 Millionen Mitglieder vertritt, teilt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir haben keine Fälle vorliegen, bei denen es den Verdacht gibt, dass Kraftstoff gestreckt wurde.“ Auch der Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler (bft), dem mehr als 2.800 Tankstellen angehören, bestätigt: „Es liegen aktuell keinerlei Erkenntnisse über gestreckte Kraftstoffe an deutschen Tankstellen vor.“ Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik fügt hinzu, dass es keine Hinweise auf eine Häufung von Fahrzeugschäden durch minderwertige Kraftstoffe gebe.
Strenge Kontrollen in den Bundesländern
Die Kontrolle von Kraftstoffen ist in Deutschland Aufgabe der Bundesländer, die regelmäßige Proben entnehmen und analysieren. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, werden jährlich etwa 200 Proben an öffentlichen Tankstellen genommen. Ein Ministeriumssprecher erklärt: „Bei den bisher ausgewerteten Proben in diesem Jahr liegen uns keine Hinweise auf Manipulationen vor.“ Die Proben werden von unteren Immissionsschutzbehörden entnommen und in spezialisierten Laboren auf zahlreiche Parameter untersucht – 29 beim Ottokraftstoff und 19 beim Dieselkraftstoff.
Auch in Bayern wurden bei der jüngsten Kontrollkampagne im Februar keine Auffälligkeiten festgestellt. In Brandenburg liegen weder dem zuständigen Landesamt noch dem Umweltministerium Erkenntnisse über gestreckten Sprit vor. Ein Ministeriumssprecher betont: „Uns sind auch keine Beschwerden bekannt.“
Tankstellenverband warnt vor irreführenden Aussagen
Der bft bewertet die Aussagen in sozialen Netzwerken als „unbegründet und irreführend“. Kaddik kritisiert, dass sie „jeder belastbaren Grundlage“ entbehrten und zur Verunsicherung der Verbraucher beitrügen, ohne auf überprüfbaren Fakten zu basieren. Kraftstoffe wie Diesel, E5 und E10 unterliegen in Deutschland strengen gesetzlichen Normen und werden entlang der gesamten Lieferkette – von der Raffinerie bis zur Tankstelle – umfassend kontrolliert. „Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Qualität unabhängig vom Anbieter einheitlich ist“, so Kaddik.
Der Verband betont zudem, dass Manipulationen in der Praxis äußerst unwahrscheinlich seien. Geschlossene Logistiksysteme, regelmäßige Kontrollen sowie erhebliche wirtschaftliche und strafrechtliche Risiken machten es weitgehend ausgeschlossen, dass Kraftstoffen andere Flüssigkeiten beigemischt würden. Die hohen Spritpreise mögen für Unmut sorgen, doch die Qualität der Kraftstoffe bleibt nach Expertenaussagen gewährleistet.



