Koffer-Odyssee nach Lufthansa-Flug: Münchnerin sucht seit zwei Monaten ihr Gepäck
Was für die meisten Reisenden eine Routine ist, wurde für Agnes R. aus München zum Albtraum. Nach einem Flug mit der Lufthansa von San Diego nach München am 9. Januar 2026 wartet sie bis heute vergeblich auf ihr Gepäckstück. Seit über 50 Tagen durchlebt die Münchnerin eine wahre Koffer-Odyssee, bei der niemand den Verbleib des auffälligen lila-türkisen Globetrotter-Koffers erklären kann.
Probleme schon beim Abflug in San Diego
Die Probleme begannen bereits vor dem Abflug in den USA. Der Pilot teilte den Passagieren mit, dass die Startbahn am Flughafen San Diego mit etwa 2800 Metern zu kurz für das voll beladene Flugzeug sei. Zum Vergleich: Die Startbahnen am Münchner Flughafen messen jeweils vier Kilometer. Ein Teil der Fracht musste ausgeladen werden – darunter offenbar auch der Koffer von Agnes R.
Kurz vor der Landung in München informierte der Pilot dann, dass die Gepäckstücke in San Diego zurückgeblieben seien. Die Passagiere sollten ihre Koffer als verspätet melden. Agnes R. wählte in der App die Option der Nachlieferung nach Hause, ohne zu ahnen, dass dies der Beginn einer wochenlangen Suche werden würde.
Persönliche Erinnerungsstücke im verschwundenen Koffer
Besonders schmerzhaft für die gebürtige Mexikanerin ist der Verlust persönlicher Gegenstände. „Im Koffer befinden sich nicht nur Kleidungsstücke, sondern auch Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke meiner verstorbenen Großmutter“, erzählt sie. Diese sentimentalen Wertgegenstände lassen sich durch Geld nicht ersetzen.
Seit Wochen telefoniert und mailt die verzweifelte Passagierin regelmäßig mit allen Beteiligten: Lufthansa, Opus Logistic (die im Auftrag der Lufthansa arbeitet) und dem Paketdienstleister DPD. „Aus meiner Sicht habe ich bisher mehr unternommen als die beteiligten Unternehmen“, kritisiert sie die passive Haltung der offiziellen Stellen.
Die Suche der beteiligten Unternehmen
Die AZ hat bei allen Beteiligten nachgefragt. Die Lufthansa reagierte nicht auf schriftliche Anfragen. Auf ihrer Homepage verweist die Airline lediglich auf allgemeine Verfahren: „In einem komplexen Streckennetz kann es leider immer zu Problemen kommen. Wir kümmern uns um jedes verspätete oder beschädigte Gepäckstück.“
DPD erklärt, man habe den Fall stundenlang überprüft. Ein Sprecher betont: „Dieser Koffer ist von uns dort nie abgeholt worden. Bei uns ist er definitiv nicht.“ Das Unternehmen stellt klar, dass Opus Logistic als Versender die Sendenummer hätte vergeben müssen, damit DPD-Fahrer das Gepäckstück abholen könnten.
Opus Logistic wiederum teilt mit, man könne nachvollziehen, dass das Gepäckstück am 13. Januar 2026 auf dem Vorfeld des Münchner Flughafens für den Versand vorbereitet wurde. Der Koffer sei mit etwa 300 weiteren Gepäckstücken am Folgetag im Depot Neufahrn angeliefert worden. „Es sind keine Gepäckstücke in unserem Lager stehen geblieben“, versichert das Unternehmen. Opus hat den Koffer am 7. Februar bei DPD als verloren gemeldet und eine Kameraauswertung für die Tage 14. bis 16. Januar angefordert.
Rechte bei Gepäckverlust
Die Verbraucherzentrale Hamburg erklärt auf AZ-Anfrage die Rechtslage:
- Nach 21 Tagen Verspätung gilt ein Koffer grundsätzlich als verloren
- Fluggäste haben Anspruch auf Ersatz des Koffers und dessen Inhalts
- Die Haftungshöchstgrenze liegt bei etwa 1800 Euro
- Viele Airlines schließen die Haftung für Bargeld, Schmuck und Elektrogeräte aus
Die Verbraucherschützer raten Reisenden:
- Wertgegenstände immer im Handgepäck transportieren
- Vor der Reise eine Liste der Kofferinhalte anfertigen oder fotografieren
- Kaufbelege aufbewahren
- Bei Uneinigkeit mit der Airline eine Schlichtungsstelle einschalten
Die Suche geht weiter
Für Agnes R. bleibt die Situation unbefriedigend. Trotz detaillierter Angaben zu Flug, Gepäck und Versendung ist ihr Koffer wie vom Erdboden verschluckt. Die beteiligten Unternehmen versichern zwar ihre Bemühungen, doch konkrete Ergebnisse bleiben aus. Die Münchnerin will nicht lockerlassen und hofft auf ein spätes Koffer-Wunder – nicht nur wegen des materiellen Wertes, sondern vor allem wegen der unersetzlichen persönlichen Erinnerungsstücke an ihre Großmutter.



