Verona Pooth im Rechtsstreit: Unterversicherung nach Einbruch wird zum Problem
Die Moderatorin Verona Pooth (57) kämpft derzeit vor Gericht nicht nur mit den Folgen eines Einbruchs an Heiligabend 2021, sondern auch mit ihrem ehemaligen Versicherungsmakler. Bei dem Vorfall in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) wurden wertvoller Schmuck und Handtaschen gestohlen, das Haus teilweise verwüstet. Das Diebesgut ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Pooth fühlt sich falsch beraten und unterversichert – ein Problem, das viele Verbraucher teilen könnten.
Wie Unterversicherung im Schadenfall wirkt
Entscheidend für die Entschädigung ist die Versicherungssumme. Aljoscha Ziller von Verivox Versicherungsvergleich erklärt: „Verbraucher geben beim Abschluss den Wert ihres gesamten Hausrats selbst an. Ist dieser zu niedrig angesetzt, besteht eine Unterversicherung – und die Versicherung zahlt im Schadenfall nur anteilig.“ Das bedeutet konkret: Die Entschädigung erfolgt im Verhältnis von Versicherungssumme zum tatsächlichen Hausratwert.
Beispielrechnung: Bei einem Hausratwert von 60.000 Euro, aber nur 30.000 Euro Versicherungssumme, liegt die Absicherung bei 50 Prozent. Entsteht ein Wasserschaden von 20.000 Euro, ersetzt die Versicherung ebenfalls nur 10.000 Euro. Dieser Mechanismus kann Verbraucher im Ernstfall finanziell stark belasten.
Unterversicherungsverzicht als Schutzmechanismus
Schutz bietet der sogenannte Unterversicherungsverzicht. Ziller erläutert: „Dabei verzichtet die Versicherung darauf, den tatsächlichen Hausratwert zu prüfen.“ Diese Klausel gilt allerdings meist nur, wenn ein bestimmter Betrag pro Quadratmeter angesetzt wird. Laut Vergleichsportal liegen diese Werte je nach Anbieter zwischen 600 und 750 Euro pro Quadratmeter.
Bei besonders hochwertiger Einrichtung oder teuren Einzelstücken reicht diese Pauschale oft nicht aus. Dann sollte die Versicherungssumme bewusst höher angesetzt werden, denn der Unterversicherungsverzicht gilt nur bis zur vereinbarten Summe. Alternativ können Verbraucher ihren Hausrat individuell bewerten lassen, um eine passende Absicherung festzulegen.
Kosten und regelmäßige Überprüfung
Teuer ist der bessere Schutz nicht unbedingt: Ein Vertrag mit Unterversicherungsverzicht für ein 120-Quadratmeter-Haus in Berlin kostet im Schnitt nur etwa 18 Euro mehr pro Jahr als eine feststehende Absicherung mit 500 Euro pro Quadratmeter. Ziller rät daher dringend: „Verbraucher sollten kontrollieren, ob ein Unterversicherungsverzicht enthalten ist und ob die Versicherungssumme ausreichend hoch ist – besonders nach einem Umzug.“
Auch ein Wechsel der Versicherung kann sich lohnen. „Die Policen sind in den letzten Jahren leistungsstärker geworden“, so Ziller. So sei die Absicherung bei grob fahrlässigem Verhalten – etwa ein offenes Fenster bei Einbruch oder eine unbeaufsichtigte Waschmaschine – heute oft Standard. Fehlt diese Klausel, drohen im Schadenfall Leistungskürzungen.
Überversicherung und Versicherungsbetrug
Eine zu hoch gewählte Versicherungssumme ist im Schadenfall kein Problem – sie führt lediglich zu höheren Beiträgen. Ziller erklärt: „Eine Bereicherung durch einen Schaden ist generell verboten, die Entschädigung darf den Schaden nicht übersteigen.“ Heißt: Mehr Geld als der tatsächliche Schaden ist auch mit hoher Versicherungssumme nicht möglich.
Wichtiger Hinweis: Wer versucht, sich durch falsche Angaben oder vorgetäuschte Schäden zu bereichern, begeht Versicherungsbetrug und riskiert ein Strafverfahren. Die Grenzen zwischen legitimer Absicherung und Betrug sind klar definiert.
Welche Versicherungen sind wirklich sinnvoll?
Neben der Hausratversicherung fragen sich viele Verbraucher, welche Policen wirklich notwendig sind. Als grundsätzlich sinnvoll gelten vor allem Versicherungen, die existenzielle Risiken absichern:
- Private Haftpflichtversicherung: Sie springt ein, wenn man anderen einen Schaden zufügt – und schützt im Ernstfall vor Forderungen in Millionenhöhe.
- Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie sichert das Einkommen ab, wenn man aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr arbeiten kann.
- Krankenversicherung: Pflicht in Deutschland – entweder gesetzlich oder privat.
- Wohngebäudeversicherung: Für Eigentümer unverzichtbar, da sie Schäden am Gebäude selbst abdeckt.
Je nach Lebenssituation können weitere Policen sinnvoll sein – etwa eine Risikolebensversicherung für Familien mit Kreditverpflichtungen oder eine Rechtsschutzversicherung bei erhöhtem Konfliktpotenzial. Weniger zwingend sind dagegen Versicherungen, die eher kleinere, überschaubare Risiken absichern – etwa Handy- oder Reisegepäckversicherungen. Hier gilt: Wenn ein Schaden finanziell verkraftbar ist, braucht es nicht zwingend eine eigene Police.
Fazit: Regelmäßige Überprüfung schützt vor bösen Überraschungen
Gefährlich ist vor allem die Unterversicherung. Wer seine Wohnfläche korrekt angibt, auf ausreichende Quadratmeterwerte achtet und den Vertrag regelmäßig überprüft, verhindert böse Überraschungen im Schadenfall – oft schon für wenige Euro im Jahr. Der Fall von Verona Pooth zeigt deutlich, wie wichtig eine angemessene Absicherung und kompetente Beratung sein können.



