Sommerfahrten mit Winterreifen: Ein teures Sicherheitsrisiko
In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht, doch viele Autofahrer unterschätzen die Gefahren, die mit der Verwendung von Winterreifen in den warmen Monaten verbunden sind. Obwohl Polizei, TÜV und Zulassungsstellen es nicht explizit verbieten, kann das Weiterfahren mit Winterreifen im Sommer zu erheblichen finanziellen Konsequenzen führen.
Versicherungsrechtliche Konsequenzen bei Unfällen
Es existiert kein Gesetz, das den Wechsel auf Sommerreifen im Frühjahr vorschreibt. Die meisten wissen zwar, dass Winterreifen bei hohen Temperaturen schneller verschleißen, den Spritverbrauch erhöhen und die Höchstgeschwindigkeit reduzieren. Was jedoch weniger bekannt ist: Bei einem Unfall mit Winterreifen im Sommer kann sich dies negativ auf die Schuldfrage auswirken, selbst wenn alle Verkehrsregeln eingehalten wurden.
Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt in der Regel die Kosten für verursachte Schäden. Im Rahmen einer Kaskoversicherung kann die falsche Bereifung jedoch teuer werden. Wenn das Verhalten des Fahrers als grob fahrlässig eingestuft wird, ist es möglich, dass die Versicherung nicht oder nicht vollständig für die Schäden am Unfallauto aufkommt. Dies gilt insbesondere, wenn nachgewiesen wird, dass die Reifen aufgrund sommerlicher Temperaturen an Stabilität verloren haben, da die weiche Gummierung nicht für solche Bedingungen ausgelegt ist.
ADAC-Tests belegen längere Bremswege
Verursacht ein Autofahrer beispielsweise einen Auffahrunfall, kann die Versicherung argumentieren, dass dieser nur aufgrund der verlängerten Bremswege mit Winterreifen im Sommer geschehen konnte. In einem Test hat der ADAC drei verschiedene Winterreifen-Modelle mit unterschiedlichen Profiltiefen unter sommerlichen Bedingungen geprüft und mit Sommerreifen verglichen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Auf trockener Straße verlängerte sich der Bremsweg aus Tempo 100 km/h mit Winterreifen deutlich.
Ein Fahrzeug mit Sommerreifen kam vor einem Hindernis bereits zum Stehen, während das Auto mit Winterreifen noch mit etwa 37 km/h unterwegs war. Solche Fälle können schnell zu Kosten von mehr als 10.000 Euro führen, wenn die Versicherung die Zahlung verweigert.
Praktische Tipps für den Übergang
Der ADAC empfiehlt, rechtzeitig auf Sommerreifen zu wechseln. Wer aus Nachhaltigkeitsgründen abgenutzte Winterreifen dennoch weiterfahren möchte, sollte dies nur in der Übergangszeit tun und folgende Punkte beachten:
- Hohe Temperaturen meiden: Winterreifen in der Übergangszeit (Mai/Juni) zu verwenden, ist weniger kritisch, da die Temperaturen noch nicht konstant hoch sind. Im Hochsommer stellen sie aufgrund hoher Asphalttemperaturen ein Sicherheitsrisiko dar.
- Profiltiefe beachten: Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe (über vier bis fünf Millimeter) sollten im Sommer auf keinen Fall weiterverwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Bei Reifen mit reduzierter Profiltiefe können die Nachteile geringer ausfallen, wie ein ADAC-Test gezeigt hat. Allerdings sollte das Profil nicht weniger als drei Millimeter haben, da sonst das Aquaplaning-Risiko steigt.
- Geschwindigkeiten reduzieren: Winterreifen sind bei schnellen Fahrten oder hohen Asphalttemperaturen besonders gefährlich. Hohe Geschwindigkeiten können dazu führen, dass der Reifen überhitzt und seine Leistung beeinträchtigt wird.
- Beladung berücksichtigen: Besonders bei voll beladenem Fahrzeug, etwa auf Urlaubsreisen, ist die Verwendung von Winterreifen im Sommer kritisch. Hohe Temperaturen und schwere Lasten führen zu einer stärkeren Erwärmung der Lauffläche und unzureichendem Grip.
Insgesamt zeigt sich: Das Fahren mit Winterreifen im Sommer ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern kann auch erhebliche finanzielle Folgen haben. Autofahrer sollten daher die Empfehlungen des ADAC ernst nehmen und rechtzeitig auf die passende Bereifung umsteigen.



