Winterreifen im Sommer: Teures Risiko trotz fehlendem Wechselzwang
Winterreifen im Sommer: Teures Risiko für Autofahrer (09.03.2026)

Winterreifen im Sommer: Ein teures Sicherheitsrisiko

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht, die sich an den Witterungsbedingungen orientiert. Die gängige Faustregel "von Oktober bis Ostern" (O bis O) dient vielen Autofahrern als Richtlinie. Dennoch gibt es kein Gesetz, das den Wechsel zu Sommerreifen im Frühjahr zwingend vorschreibt. Viele Fahrzeugführer wissen zwar, dass Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen schneller verschleißen, den Spritverbrauch erhöhen und die Höchstgeschwindigkeit reduzieren. Das Fahren mit Winterreifen im Sommer bleibt jedoch grundsätzlich erlaubt.

Die versteckte Gefahr: Versicherungsrechtliche Konsequenzen

Was die meisten Verkehrsteilnehmer nicht bedenken: Kommt es mit Winterreifen im Sommer zu einem Unfall, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Schuldfrage haben. Selbst wenn man sich korrekt an alle Verkehrsregeln gehalten hat, können Versicherungen das Verhalten als grob fahrlässig einstufen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt zwar in der Regel die Kosten für verursachte Schäden. Bei der Fahrzeugversicherung (Kaskoversicherung) sieht die Situation jedoch anders aus.

Wenn die Versicherung nachweisen kann, dass die Winterreifen aufgrund sommerlicher Temperaturen an Stabilität verloren haben, kann sie die Kostenübernahme ganz oder teilweise verweigern. Die weiche Gummimischung von Winterreifen ist für hohe Asphalttemperaturen nicht ausgelegt und verliert bei Hitze ihre optimale Leistungsfähigkeit.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

ADAC-Test belegt: Deutlich längere Bremswege

Der ADAC hat in umfangreichen Tests nachgewiesen, dass Winterreifen unter sommerlichen Bedingungen erheblich längere Bremswege verursachen. Bei einem Test aus Tempo 100 km/h auf trockener Straße kam ein Fahrzeug mit Sommerreifen bereits vor einem Hindernis zum Stehen, während ein Auto mit Winterreifen noch mit etwa 37 km/h unterwegs war. Diese verlängerten Bremswege können im Ernstfall über Unfall oder Vermeidung entscheiden.

Verursacht ein Autofahrer beispielsweise einen Auffahrunfall, kann die Versicherung argumentieren, dass dieser mit Sommerreifen vermeidbar gewesen wäre. In solchen Fällen kann die Einstufung als grobe Fahrlässigkeit schnell zu Kosten von mehr als 10.000 Euro führen, die nicht von der Versicherung getragen werden.

Praktische Empfehlungen für Autofahrer

Der ADAC empfiehlt dringend, rechtzeitig auf Sommerreifen zu wechseln. Wer aus Nachhaltigkeitsgründen abgenutzte Winterreifen dennoch weiterfahren möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Temperaturen beachten: In der Übergangszeit (Mai/Juni) sind Winterreifen weniger kritisch, da die Temperaturen noch nicht konstant hoch sind. Im Hochsommer stellen sie jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
  • Profiltiefe prüfen: Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe (über vier bis fünf Millimeter) sollten im Sommer nicht verwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Weniger als drei Millimeter Profiltiefe erhöht das Aquaplaning-Risiko bei nassen Bedingungen.
  • Geschwindigkeit anpassen: Hohe Geschwindigkeiten können Winterreifen überhitzen und ihre Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen.
  • Beladung berücksichtigen: Besonders bei voll beladenen Fahrzeugen, etwa auf Urlaubsreisen, ist die Verwendung von Winterreifen im Sommer kritisch. Die Kombination aus hohen Temperaturen und schwerer Last führt zu stärkerer Erwärmung und reduziertem Grip.

Die Entscheidung für oder gegen Winterreifen im Sommer sollte nicht nur unter praktischen, sondern auch unter versicherungsrechtlichen Gesichtspunkten getroffen werden. Was zunächst wie eine Kosteneinsparung erscheint, kann im Ernstfall zu erheblichen finanziellen Belastungen führen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration